Frei Lesen: Das Lied von den Staren

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Felix Dahn

Das Lied von den Staren

eingestellt: 21.6.2007





Ja, ich erkenne die schelmischen Bräuche!
Wie sie so hurtig, die fröhlichen Gäuche,
Wetzend die Schnäbel und füllend die Bäuche,
Fallen in Schilf und Hollundergesträuche!

Wieder zurück aus den wärmeren Sonnen?
Nicht sind dem Dank und Gedenken zerronnen
Alte Quartiere, die werth ihr gewonnen:
Wogende Wipfel und rieselnde Bronnen.

Wie sie sich säubern und putzen und rupfen!
Wie sie sich necken und jagen und zupfen!
Wie in die Nester auf Stangen und Schupfen
Lustig sie, spielerisch, hupfen und schlupfen!

Da ist kein Vöglein, – sie müssens probiren,
Seine Gesänge genau zu copiren:
Jubelnder Lerchen frohlockend Trilliren,
Flötender Amseln pathetisch Psalliren, –

Alles studiren und dann – parodiren!
Aber gern höre ich wahrlich auch ihren
Eignen Gesang: dies vergnügte Parliren,
Plaudernde, schwatzende Scherzfabuliren.

Seid nur willkommen, ihr munteren Scharen,
Frühlingverkündende Wanderscholaren!
Kommt nur zu mir in den Garten gefahren:
Will euch vor Katzen und Netzen bewahren.

Kehret nur ein hier im sicheren Neste.
Seid ihr auch schalkische, schelmische Gäste:
Traurigkeit acht ich ein schlimmes Gebreste,
Singende Fröhlichkeit aber das Beste. –




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