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Kapitelübersicht

Vorrede | I. Mutmaßungen über einige Wunder des organischen Magnetismus | II. Sedez-Aufsätze | III. Frage über das Entstehen der ersten Pflanzen, Tiere und Menschen | IV. Warum sind keine frohen Erinnerungen so schön als die aus der ... | V. Sedez-Aufsätze | Die Frage im Traum, und die Antwort im Wachen | VII. Bruchstücke aus der »Kunst, stets heiter zu sein« | VIII. Bemerkungen über den Menschen | IX. Programm der Feste oder Aufsätze, welche der Verfasser in jedem ... | X. Des Gehurtshelfers Walther Vierneissel Nachtgedanken über seine ... | XI. Blick in die Traumwelt |

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Jean Paul

Museum

Die Frage im Traum, und die Antwort im Wachen

eingestellt: 24.7.2007



Mir träumte: ich blätterte im verbesserten Kalender, um bei der Seltenheit jetziger Heiligen beiderlei Geschlechts wenigstens Namen derselben zu haben und zu verehren; auch traf ich deren mehre auf einem Blatte an, als wir jetzo in einem Jahrzehend aufweisen. Nur der Schalttag, der 24ste Februar, hatte nichts. - In unserer Zeit möchte umgekehrt statt der 365 Heiligen sich leichter ein Schalt-Heiliger finden lassen. Besonders wunderte ich mich, daß ich so wenige Fürsten aus der alten Zeit in diesem nicht sehr genealogischen Verzeichnisse der die Kirche regierenden Häupter antraf - als ich endlich im Kalender zu meiner Freude auf den Salomon stieß, dessen Predigen und Sprüche mich schon in der Jugend durch seine über das Leben erhebende Lebenphilosophie getröstet und begeistert hatten. »O«, rief ich laut im Traum, »ist kein Salomon da? Voltaire schrieb zwar von einem nordischen Salomon; aber nach allen Richtungen der Windrose sollt es Salomons geben, östliche Salomons - nordöstliche - nordnordöstliche - westliche - südwestliche; - welche, wie der morgenländische, die Bedingung Platons für Länderglück, daß die Regenten Philosophen sein sollten, erfüllten. Wo ist der zweite Salomon, welcher mit derselben Hand Feder und Zepter auf gleiche Weise Menschen beglückend führt und der Welt nicht Rätsel aufgibt, sondern, wie der biblische, auflöset? Welcher mit dem Siegelring, womit der jüdische Salomon böse Geister einklemmte, die guten der Zeit an sich kettet? - Wo der zweite, welcher, wie der kanonische, bloß ein heiteres Reich des Friedens, des Wissens, der Künste, der Freude zu gründen und Ruinen eines höhern Palmyra, als der erste gebauet, zu ergänzen sucht? - Welcher, wenn alle Fahnen als Wetterfahnen des europäischen Sturms hin- und hergeschleudert werden, die weiße Friedenfahne der Vereinigung aufpflanzend, mit reinen von Kriegblut unbefleckten Händen den ächten Tempelbau der Volkveredlung beginnen darf? - - O wann kehret wieder der Geburtstag eines Salomons zurück?« -

Hier aber erweckte mich das Feuer des Traums. Indes blätterte ich noch, von der langen Frage fortbewegt, ernstlich im verbesserten Kalender nach, ob wirklich der Name Salomon darin stehe ... Siehe, da fand ich in der Tat (wie jeder in seinem Kalender auch findet) ihn sogleich im Februar - ein Monat, der oft durch Einschalten die Fehler der Zeit verbessert - -; und zwar schon am achten Februar.

»Achter Februar?« sagt ich, und plötzlich entsann sich mein Herz bewegt der Gegenwart. »Ja, wohl hat der achte seit 67 Jahren die Frage beantwortet und den alten Zufall des Beinamens mit der Wirklichkeit vermählt und gerechtfertigt.« Aber alle, die dieses lesen, noch mehr, die dieses hören, werden an diesem Tage die schönste salomonische Ähnlichkeit, die aber nicht in irdischen Händen steht, zu jeder andern schönen hinzuwünschen: ein langes Regierung-Leben!


 

< V. Sedez-Aufsätze
VII. Bruchstücke aus der »Kunst, stets heiter zu sein« >



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