Frei Lesen: Über die deutschen Doppelwörter

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Jean Paul

Über die deutschen Doppelwörter

Zehnter Brief

eingestellt: 29.6.2007

Die zweisylbigen männlichen Bestimmwörter mit en im Plural

 
Baireuth den 16. Oktober 1817

Im nächsten Briefe, schöne Freundin, werd ich von den weiblichen Wörtern dieser Klasse schreiben; in diesem aber nur von den männlichen, weil der Gallustag zu einem langen Schreiben zu schön ist und zu kurz. Denn das letzte kann ich sein bei der Klasse der Wörter: Bube, Hase, Knabe, Löwe, Riese, Jude, Sklave, Schulze, Drache, Auge, Erbe, Funke, Same, Haufe etc., welche mit Verachtung des  s bloß mit einem Wohllaut- n sich ans Grundwort fügen: Löwen-, Hasenfuß, Samenkorn, Schwedenkopf etc. Der leuchtende, brennende, oft sengende Wolke will aber das  n, ja das  en vertreiben und Hasfuß oder höchstens Hasefuß einführen, da nur, sagt er, von einem Hasen die Rede sei. Andere wollen das  en gegen ihn decken und halten ihm vor, es sei offenbar das Genitiv- en, Fuß eines Hasen. Allein unter allen diesen dürfte wohl niemand Recht haben als ich allein; denn ich behaupte, keines von beiden ist richtig. Es ist erstlich kein Genitiv, sonst müßte man sagen: Augeslid, Augesfell, Funkenszieher, Samenskorn. Es ist zweitens kein Plural, weil man sonst nicht sprechen könnte: Augenlid und Samenkorn, Riesenmann; denn letztes heißt offenbar ein Mann, der ein Riese ist, wie Zwergbaum ein Baumzwerg ist. Sondern es ist nur das Wohlklang- n, weil Löwschweif, Judkopf, Hasschwanz, Bubstück, Karpfsatz, Schützglied so abscheulich stark klänge, daß ein Deutscher es in Paris hören würde, wenn er dort wäre und gut parlierte. Aber über dieses Klang- n will ich mehr aus dem Grunde in dem nächsten Novemberbriefe sprechen, worin ich Sie, Reizendste, versichern werde, daß ich im Windmonat bin, wie jetzo im Weinmonat,

Ihr etc.


 

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