Frei Lesen: Abenteuer des Kapitän Hatteras

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Jules Verne

Abenteuer des Kapitän Hatteras

Siebenzehntes Capitel.

eingestellt: 17.8.2007



Es gelang dem Forward, die James-Roß-Straße direct zu durchschneiden, doch nicht ohne Beschwerden; es mußten Säge und Petarden angewendet werden, und die Mannschaft hatte große Strapazen auszustehen. Die Temperatur war zum Glück recht leidlich, um dreißig Grad höher, als James Roß zu derselben Jahreszeit hatte. Das Thermometer wies vierunddreißig Grad (+ 2 hunderttheilig).

Am Samstag umsegelte man das Cap Felix am Nordende des König-Wilhelms-Landes, einer der mittlern Inseln dieser Nord-Meere.

Die Küste dieser Insel, an welcher man herfuhr, bot einen traurigen Anblick, welcher auf die Mannschaft einen tiefen und schmerzlichen Eindruck machte.

In der That war dieses König-Wilhelms-Land der Schauplatz des fürchterlichsten Dramas! Einige Meilen westwärts gingen der Erebus und Terror zu Grunde.

Den Matrosen waren wohl die verschiedenen Versuche zur Auffindung des Admirals Franklin, und das Resultat derselben bekannt, aber von den traurigen Details dieser Katastrophe wußten sie nichts. Als nun der Doctor den Lauf des Schiffes auf der Karte verfolgte, kamen einige derselben, Bell, Bolton, Simpson zu ihm heran und knüpften eine Unterredung mit ihm an. Bald schlossen sich ihre Kameraden, von besonderer Neugierde getrieben, ihnen an; während dessen fuhr die Brigg mit äußerster Schnelligkeit, und die Küste mit ihren Buchten, Caps, Spitzen flog wie ein riesenhaftes Panorama vor ihren Blicken vorüber.

Hatteras ging mit raschem Schritt auf dem Hinterverdeck hin und her. Der Doctor saß auf dem Verdeck und sah sich von dem größten Theil der Mannschaft umgeben; er verstand ihr Interesse an dieser Lage, und den mächtigen Eindruck, welchen eine Erzählung über die Ereignisse unter ähnlichen Verhältnissen machen mußte; er setzte also das mit Johnson begonnene Gespräch mit folgenden Worten fort: »Sie kennen, meine Freunde, die frühere Laufbahn Franklins; er diente gleich Cook und Nelson vom Schiffsjungen auf; nachdem er in seinen jungen Jahren an großen Seeunternehmungen theilgenommen, entschloß er sich im Jahre 1845, zur Aufsuchung der nordwestlichen Durchfahrt auszufahren; unter seinem Commando standen der Erebus und Terror, zwei bewährte Schiffe, welche bereits im Jahre 1840 mit James Roß an einer Nordpolfahrt theilgenommen hatten. Die Mannschaft des Erebus, worauf sich Franklin befand, bestand aus siebenzig Personen, Officieren und Matrosen, Kapitän war Fitz-James, Lieutenants Gore und Le Vesconte, Rüstmeister Des Voeux, Sargent, Couch, und Stanley Arzt. Auf dem Terror befanden sich siebenzig Mann, Kapitän Crozier, die Lieutenants Little Hogdson und Irving, Rüstmeister Horesby und Thomas, Peddie Arzt. An den Baien, Caps, Meerengen, Spitzen, Canälen, den Inseln dieser Gegenden sind die Namen der meisten dieser Unglücklichen zu lesen, von denen keiner mehr heimgekehrt ist, hundertachtunddreißig Mann zusammen! Wir wissen, daß die letzten Briefe Franklins von Disko sind und das Datum des 12. Juli 1845 tragen. »Ich hoffe, sagte er, diese Nacht nach dem Lancaster-Sund unter Segel zu gehen.« Was ist seit seiner Abfahrt aus der Bai von Disko vorgefallen? Die Kapitäne der Wallfischfahrer Prinz von Wales und Entreprise bemerkten zum letztenmal die beiden Schiffe in der Melville-Bai, und seit diesem Tage hörte man nichts mehr von ihnen. Doch können wir Franklin in seiner Fahrt westwärts verfolgen; er fuhr durch den Lancaster-Sund und die Barrow-Straße und kam bis zur Insel Beechey, wo er den Winter 1845–1846 zubrachte.

– Aber wie hat man Kenntniß von diesen Einzelheiten bekommen? fragte der Zimmermann Bell.

– Durch drei im Jahre 1850 von der Expedition Austin auf der Insel entdeckte Gräber, worin drei Matrosen Franklins bestattet waren; sodann mit Hilfe des von Hobson, Schiffslieutenant des Fox, aufgefundenen Documents, welches vom 25. April 1848 datirt ist. Daher wissen wir nun, daß der Erebus und Terror nach ihrem Winteraufenthalt die Wellington-Straße wieder bis zum 70° Breite hinauffuhren; aber anstatt weiter nordwärts zu fahren, ohne Zweifel weil dieser Weg nicht fahrbar war, wendeten sie sich wieder südwärts ...

– Und das zu ihrem Verderben! sagte eine ernste Stimme. Ihre Rettung lag nordwärts.«

Jeder wendete sich um. Hatteras, auf das Geländer des Hinterdecks gelehnt, hatte seiner Mannschaft diese schreckliche Mahnung zugerufen.

»Ohne Zweifel, fuhr der Doctor fort, war Franklins Absicht, wieder an die amerikanische Küste zu kommen; aber auf dieser unseligen Fahrt wurden sie von Stürmen überfallen, und am 12. September 1846 blieben die beiden Schiffe einige Meilen von hier, nordwestlich vom Cap Felix zwischen den Eisblöcken stecken; sie wurden noch bis nord-nordwestlich der Spitze Victoria fortgerissen; aber hier, sagte der Doctor, und bezeichnete die Stelle des Meeres. Nun aber, fuhr er fort, sind die Schiffe erst am 22. April 1848 verlassen worden. Was ging während dieser neunzehn Monate vor? Was haben die Unglücklichen getrieben? Vermuthlich haben sie die Lande der Umgegend durchforscht, für ihre Rettung nichts unversucht gelassen, denn der Admiral war ein energischer Mann! Daß es ohne Erfolg war ...

– Kommt vielleicht vom Verrath seiner Mannschaft«, sagte Hatteras halblaut.

Die Matrosen wagten nicht die Augen aufzuheben; diese Worte lasteten schwer auf ihnen.

»Kurz, das unselige Document meldet uns weiter, Sir John Franklin erlag seinen Mühsalen am 11. Juni 1847. Ehre seinem Andenken!« sprach der Doctor, und zog den Hut ab.

Seine Zuhörer folgten schweigend seinem Beispiel.

»Was ist aus den Unglücklichen, nachdem sie ihren Anführer verloren, geworden? Sie blieben an Bord ihrer Schiffe, und entschlossen sich erst im April 1848, dieselben zu verlassen; von den hundertachtunddreißig waren es noch hundertundfünf. Dreiunddreißig waren todt! Darauf errichteten die Kapitäne Crozier und Fitz-James an der Spitze Victoria einen Steinhaufen zum Denkmal, und legten ihr letztes Document darin nieder. Sehen Sie, meine Freunde, wir fahren bei dieser Spitze vorüber! Sie können die Reste dieses Steindenkmals noch sehen, welches so zu sagen an dem äußersten Punkt, wohin John Roß 1831 drang, sich befindet. Hier ist das Cap Jane Franklin! Hier die Spitze Franklin! Hier die Spitze Le Vesconte! Hier die Bai des Erebus, wo man die aus den Trümmern des einen dieser Schiffe gefertigte und auf einen Schlitten gelegte Schaluppe fand! Dort wurden silberne Löffel gefunden, Munition in Menge, Chocolade, Thee, religiöse Bücher! Denn die hundertundfünf Ueberlebenden schlugen unter Anführung des Kapitäns Crozier den Weg nach Great-Fish-River ein! Bis wohin vermochten sie zu gelangen? Glückte es ihnen die Hudsons-Bai zu erreichen? Sind noch welche bei Leben? Was ist seit dieser letzten Abfahrt aus ihnen geworden? ...

– Was aus ihnen geworden ist, will ich Ihnen sagen! sagte John Hatteras mit starker Stimme. Ja, sie haben sich bemüht die Hudsons-Bai zu erreichen, und haben sich in mehrere Trupp zertheilt! Ja, sie haben sich nach dem Süden gewendet! Ja, im Jahre 1854 meldete ein Brief des Doctor Rae, daß im Jahre 1850 die Eskimos auf diesem König-Wilhelms-Land eine Abtheilung von vierzig Mann getroffen hätten, welche auf Seekälber Jagd machten, ihren Weg über das Eis nahmen mit einem Boot, das sie fortzogen, abgemagert, elend, von Strapazen und Schmerzen erschöpft. Und später entdeckten sie dreißig Leichen auf dem Festland, und fünf auf einer nahen Insel, die halb bestattet, andere unbeerdigt, die unter einem umgestürzten Boot, jene unter den Trümmern eines Zeltes, hier einen Officier mit seinem Telescop auf der Schulter, neben ihm sein geladenes Gewehr, weiter hinaus Kessel mit Resten einer gräßlichen Mahlzeit! Auf diese Nachrichten ersuchte die Admiralität die Hudson-Bai-Compagnie, ihre geschicktesten Agenten auf den Schauplatz des Ereignisses zu schicken. Sie begaben sich den Backfluß hinab bis zu seiner Mündung. Sie untersuchten die Inseln Montreal, Maconochia, die Spitze Ogle. Vergeblich! Alle diese Unglücklichen waren elendiglich gestorben, dem Jammer, dem Hunger erliegend, indem sie ihr Dasein durch gräßlichen Cannibalismus zu fristen suchten! Das ist aus ihnen geworden, indem sie den Weg südwärts nahmen, den sie dann mit ihren verstümmelten Leichen bedeckten! Nun! Haben Sie noch Lust, denselben Weg einzuschlagen?«

Die zitternd bewegte Stimme, die leidenschaftlichen Geberden, die glühenden Gesichtszüge des Kapitäns Hatteras brachten eine unbeschreibliche Wirkung hervor. Die Mannschaft, im Angesicht dieser unheilvollen Lande von tiefster Rührung ergriffen, rief einstimmig:

»Nordwärts! Nordwärts!

– Wohlan denn, nordwärts! Im Norden ist unsere Rettung und unser Ruhm! Dort ist der Himmel auf unserer Seite! Der Wind schlägt um! Die Fahrt ist frei! Fertig zum Umkehren!«

Die Matrosen begaben sich flugs auf ihre Posten; die Eisströme wurden allmälig locker; der Forward bewegte sich reißend schnell mit verstärktem Dampf in der Richtung des Canals Mac Clintock.

Hatteras irrte nicht, indem er auf ein mehr freies Meer rechnete; er schlug den Canal aufwärts den muthmaßlichen Weg Franklins ein, der östlichen Küste des Prinz-Wales-Landes entlang, welche damals hinreichend bestimmt war, während das gegenüber liegende Ufer noch unbekannt ist. Offenbar waren die Eisgänge nach dem Süden hin durch die östlichen Engen getrieben, denn diese Straße schien völlig frei zu sein. Daher war der Forward auch im Stande, die verlorene Zeit wieder beizubringen; mit verstärktem Dampf fuhr er am 14. Juni über die Bai Osborne und die äußersten bei den Fahrten 1851 erreichten Punkte hinaus. Es befanden sich zwar noch zahlreiche Eisblöcke in der Straße, aber es war keine Gefahr mehr, daß dem Kiel des Forward das Wasser mangeln werde.

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