Frei Lesen: Abenteuer des Kapitän Hatteras

Kostenlose Bücher und freie Werke

Kapitelübersicht

Erstes Capitel. | Zweites Capitel. | Drittes Capitel. | Viertes Capitel. | Fünftes Capitel. | Sechstes Capitel. | Siebentes Capitel. | Achtes Capitel. | Neuntes Capitel. | Zehntes Capitel. | Elftes Capitel. | Zwölftes Capitel. | Dreizehntes Capitel. | Vierzehntes Capitel. | Fünfzehntes Capitel. | Sechzehntes Capitel. | Siebenzehntes Capitel. | Achtzehntes Capitel. | Neunzehntes Capitel. | Zwanzigstes Capitel. | Einundzwanzigstes Kapitel. | Zweiundzwanzigstes Capitel. | Dreiundzwanzigstes Capitel. | Vierundzwanzigstes Capitel. | Fünfundzwanzigstes Capitel. | Sechsundzwanzigstes Capitel. | Siebenundzwanzigstes Capitel. | Achtundzwanzigstes Capitel. | Neunundzwanzigstes Capitel. | Dreißigstes Capitel. | Einunddreißigstes Capitel. | Zweiunddreißigstes Capitel. |

Weitere Werke von Jules Verne

Meister Zacharius | Kein Durcheinander | Die fünfhundert Millionen der Begum | Fünf Wochen im Ballon | Das Dampfhaus - 2.Band |

Alle Werke von Jules Verne
Diese Seite bookmarken bei ...
del.icio.us Digg Furl Blinklist Technorati Yahoo My Web Google Bookmarks Spurl Mr.Wong Yigg


Dieses Werk (Abenteuer des Kapitän Hatteras) ausdrucken 'Abenteuer des Kapitän Hatteras' als PDF herunterladen

Jules Verne

Abenteuer des Kapitän Hatteras

Zweiundzwanzigstes Capitel.

eingestellt: 17.8.2007



Dieser unerwartete Befehl erregte große Ueberraschung an Bord des Forward.

»Die Oefen heizen! sagten die Einen.

– Und womit? fragten die Andern.

– Da wir nur noch für zwei Monate Kohlen im Bauch haben! schrie Pen.

– Und womit wollen wir im Winter heizen? fragte Clifton.

– Dann werden wir, versetzte Gripper, das Schiff bis zum Wasserspiegel verbrennen müssen?

– Und die Mäste in den Ofen stecken?«

Shandon blickte Wall starr an. Bestürzt zauderten die Maschinisten in die Maschinenkammer zu gehen.

»Haben Sie mich verstanden?« rief der Kapitän aufgebracht.

Brunton ging auf die Lucke zu; aber im Begriff hinabzusteigen, blieb er stehen. »Geh nicht hin, Brunton, sagte eine Stimme.

– Wer hat gesprochen? rief Hatteras.

– Ich, sagte Pen, und trat dem Kapitän entgegen.

– Und Sie sagten? ... fragte dieser.

– Ich sagte ..., ich sagte, erwiderte Pen fluchend, ich sage, daß wir nun daran satt haben, daß wir nicht weiter wollen, daß wir nicht im Winter vor Kälte und Mühsal crepiren wollen, und daß man die Feuer nicht anzünden soll!

– Herr Shandon, erwiderte Hatteras kalt, lassen Sie diesen Menschen in Ketten legen.

– Aber Kapitän, erwiderte Shandon, was dieser Mann gesagt hat ...

– Was dieser Mann gesagt hat, entgegnete Hatteras, wenn Sie es ihm nachsprechen, lasse ich Sie in Ihre Cabine einschließen! – Ergreifet den Mann! Verstanden?«

Johnson, Bell, Simpson gingen auf den Matrosen zu, der vor Zorn außer sich war.

»Der Erste, der mich anrührt!« ... schrie er, ergriff einen Hebebaum, und schwang ihn über seinem Kopf.

Hatteras trat ihm entgegen.

»Pen, sagte er in ruhigem Ton, rührst Du Dich noch, so schieß ich Dich vor den Kopf!« Bei diesen Worten lud er einen Revolver und zielte auf den Matrosen.

Es erhob sich ein Murren.

»Kein Wort Ihr andern, sagte Hatteras, oder der Mann ist des Todes!«

Johnson und Bell entrissen augenblicklich Pen seine Waffe, und er ließ sich ohne Widerstand in den untern Schiffsraum führen. »Jetzt Marsch, Brunton!« sagte Hatteras.

Der Maschinist begab sich in Begleitung von Plover und Waren an seinen Posten. Hatteras kam wieder aufs Hinterdeck.

»Dieser Pen ist ein elender Kerl, sagte zu ihm der Doctor.

– Beinahe wärs um sein Leben geschehen«, erwiderte einfach der Kapitän.

Bald hatte der Dampf hinreichende Kraft, die Anker wurden gelichtet, der Forward fuhr ostwärts auf die Spitze Beecher zu, und durchschnitt die bereits gebildeten frischen Eisblöcke.

Zwischen der Insel Baring und der Spitze Beecher trifft man eine ziemlich große Anzahl Inseln, als seien sie mitten in den Eisfeldern stecken geblieben; in den schmalen Engen, welche in dieser Gegend das Meer zertheilen, drängten sich zahlreiche Eisströme, die unter Einwirkung einer verhältnißmäßig niederen Temperatur sich aneinander zu schichten trachteten; hier und da bildeten sich Spitzberge, und man merkte, daß diese bereits festeren und dichteren Blöcke beim ersten Thauwetter eine undurchdringliche Masse bilden würden.

Der Forward suchte also mitten im Schneegestöber mit größter Mühe sein Fahrwasser. Doch kam, bei der diesen Gegenden eigenthümlichen Veränderlichkeit der Atmosphäre, von Zeit zu Zeit die Sonne wieder zum Vorschein; die Temperatur stieg wieder um einige Grad; die Hindernisse schwanden wie durch einen Zauberschlag, und ein schöner Wasserstreifen – eine Lust zum Anschauen – zog da, wo kürzlich noch alle Pässe von Eisblöcken starrten. Den Horizont schmückte prachtvolle Orangefärbung, eine Wohlthat fürs Auge, das vom ewigen Schnee geblendet darauf ausruhen konnte.

Donnerstag den 26. Juli bestrich der Forward die Insel Dundas, und schlug dann mehr nördliche Richtung ein; aber bald stieß er auf eine acht bis neun Fuß hohe, aus kleinen von der Küste losgerissenen Eisbergen gebildete Eisdecke; lange Zeit mußte er längs dem krummen Rande derselben westwärts fahren. Ununterbrochen krachten die Eisblöcke, und in düsterem Zusammenklang vernahm man das Dröhnen des Schiffes. Endlich stieß die Brigg auf einen Fahrpaß, worin sie mühsam vorwärts kam; oft war sie Stundenlang durch einen enormen Eisblock gehemmt; der Nebel hinderte den Piloten zu schauen. So lange man eine Meile weit Aussicht hat, kann man Hindernissen leicht ausweichen; aber mitten in diesem nebeligen Gestöber reichte der Blick oft kaum eine Kabellänge. Die Wogen gingen hoch und sehr stark.

Es gab dort noch zahlreiches Gevögel, dessen Geschrei zum Betäuben war; behaglich auf den treibenden Eisblöcken gelagerte Robben hoben ihre Köpfe gar nicht schüchtern und reckten beim Vorüberfahren des Schiffes ihre langen Hälse.

Endlich, sechs Tage nach dieser langsamen Fahrt, am 1. August, gewahrte man nördlich die Spitze Beecher; Hatteras brachte diese letzten Stunden auf den Stangen des höchsten Mastes zu; das von Stuart am 30. Mai 1851 unter 76° 20 Breite gesehene freie Meer konnte nicht mehr weit entfernt sein, und doch, soweit Hatteras seine Blicke schweifen ließ, gewahrte er nirgends eine Spur eines eisfreien Polarbeckens. Er stieg schweigend wieder herab.

»Glauben Sie an dies freie Meer? fragte Shandon den Lieutenant. – Ich fange an daran zu zweifeln, erwiderte James Wall.

– Hatte ich also nicht Recht, daß ich diese angebliche Entdeckung als ein Hirngespinst ansah? Und man hat mir nicht glauben wollen, und selbst Sie, Wall, haben sich gegen mich erklärt!

– Von nun an wird man Ihnen Glauben beimessen, Shandon.

– Ja, erwiderte dieser, wenns zu spät ist.«

Und er begab sich wieder in seine Cabine, wo er sich seit seinem Streit mit dem Kapitän fast immer eingeschlossen hielt.

Gegen Abend schlug der Wind um zu Süd. Nun ließ Hatteras seine Segel aufhissen und die Feuer ausgehen. Einige Tage lang hatte die Mannschaft wieder die mühevollsten Verrichtungen vorzunehmen; man brauchte über eine Woche, um die Barrowspitze zu erreichen. In zehn Tagen war der Forward keine dreißig Meilen voran gekommen.

Nun sprang der Wind abermals um zu Nord, und die Schraube wurde wieder in Bewegung gesetzt. Hatteras hoffte noch über dem siebenundsiebenzigsten Grad Breite ein eisfreies Meer zu finden, wie Edward Belcher es sah.

Und doch, wollte er Pennys Berichten glauben, so mußte dies Meer, welches er eben durchfuhr, frei sein; denn als Penny an der Eisgrenze angekommen war, untersuchte er im Canot die Ufer des Canals der Königin bis zum siebenundsiebenzigsten Grad.

Sollte er diese Berichte für unecht ansehen? oder hatte sich ein vorzeitiger Winter auf diese Polargegenden gelagert?

Am 15. August ragte der Berg Percy mit seinen schneebedeckten Spitzen im Nebel empor; der Sturmwind trieb einen Hagel von prasselnden Schloßen vor sich her. Den folgenden Tag ging die Sonne zum ersten Male unter und es endigte die lange Reihe der vierundzwanzigstündigen Tage. Die Menschen hatten sich endlich an diese ununterbrochene Tageshelle gewöhnt; die Thiere aber ließen sich dadurch nicht stören: die Hunde legten sich jeden Abend um dieselbe Stunde regelmäßig zum Schlaf.

Doch war in den auf den 15. August folgenden Nächten die Dunkelheit niemals vollständig; die Sonne spendete auch nach ihrem Untergang noch hinreichend Licht durch die Strahlenbrechung.

Am 19. August gewahrte man nach genauer Beobachtung das Cap Franklin auf der Ostküste, und auf der westlichen Seite das Cap Lady Franklin.

Der Doctor gewöhnte sich, dem Rathe Johnsons folgend, bereits an die niederen Witterungsgrade, indem er fast unaufhörlich auf dem Verdeck blieb, der Kälte, dem Wind und Schnee trotzend. Obwohl er etwas mager geworden war, so hatte er doch von der Strenge dieses Klimas nicht zu leiden. Uebrigens hielt er sich auf weitere Gefahren gefaßt, und scherzte mitunter über die Vorboten des Winters.

»Sehen Sie, sagte er einst zu Johnson, diese Züge Vögel, welche südwärts wandern! Wie fliehen sie, und rufen Lebewohl!

– Ja, Herr Clawbonny, erwiderte Johnson; sie hatten eine Ahnung, die trieb sie fort, und sie machten sich auf den Weg.

– Mancher von unseren Leuten, Johnson, hätte, glaube ich, Lust, es ihnen nachzumachen!

– Das sind schwachmüthige Leute, Herr Clawbonny; was Teufel! diese Thiere führen keinen Proviant bei sich, da müssen sie wohl anderswohin ziehen, um ihr Dasein zu fristen! Aber Seeleute auf einem guten Schiff müssen bis ans Ende der Welt dringen.

– Sie erwarten also, daß Hatteras mit seinem Vorhaben Glück haben wird?

– Es wird ihm glücken, Herr Clawbonny.

– Ich denke wie Sie, Johnson, und sollte ihm auch nur noch ein Gefährte treu bleiben. ...

– Wir wären unser zwei!

– Ja, Johnson«, erwiderte der Doctor, und drückte dem wackeren Matrosen die Hand.

Das Prinz-Albert-Land, an welchem der Forward so eben vorüber fuhr, heißt auch Grinnel-Land, und dieser Name ist der allgemein verbreitete.

Die Brigg hatte, als sie bald mit Segel, bald mit Dampf um das Land herumfuhr, eine Reihe unerhörter Schwierigkeiten zu bestehen. Am 18. August gewahrte man den im Nebel kaum sichtbaren Britanniaberg, und der Forward ankerte am folgenden Tag in der Northumberland-Bai. Er war auf allen Seiten abgeschnitten.

< Einundzwanzigstes Kapitel.
Dreiundzwanzigstes Capitel. >



Die Inhalte dieser Seite sind Eigentum der Öffentlichkeit.
Sollten trotzdem Urheberrechte entgegen unserem Wissen verletzt worden sein, bitten wir Sie mit uns Kontakt aufzunehmen.