Frei Lesen: Die fünfhundert Millionen der Begum

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Jules Verne

Die fünfhundert Millionen der Begum

Sechzehntes Capitel.

eingestellt: 4.7.2007



Als sich die Nachricht von Schultzes Verschwinden in France-Ville verbreitete, war Marcels erstes Wort gewesen:

»Und wenn das nur eine Kriegslist wäre?«

Bei näherer Ueberlegung sagte er sich zwar, daß die Folgen einer derartigen Kriegslist für Stahlstadt hätten so verderblich sein müssen, daß eine gesunde Logik sie von vornherein verwerfen mußte. Dagegen erinnerte er sich auch, daß dem Haß die Ueberlegung zu mangeln pflegt und daß der tödtliche Haß eines Mannes, wie des Herrn Schultze, ihn wohl fähig machen konnte, seiner Leidenschaft Alles zum Opfer zu bringen. Doch wie dem auch sein mochte, jedenfalls mußte er auf seiner Hut bleiben.

Auf seinen Antrag erließ der Vertheidigungsrath auch eine Proclamation, in welcher die Bewohner ermahnt wurden, sich durch die vom Feinde zum Zwecke ihrer Einschläferung verbreiteten falschen Nachrichten in ihrer steten Wachsamkeit nicht beirren zu lassen.

Die mit verdoppeltem Eifer betriebenen Arbeiten und Kriegsübungen zeigten, welche Antwort France-Ville auf das bereit habe, was mit aller Gewalt nur ein absichtsloses Manöver des Herrn Schultze sein sollte. Die wahren oder falschen Einzelheiten aber, welche die Journale von San-Francisco, Chicago und New-York mittheilten, die finanziellen und commerziellen Folgen der Stahlstadter Katastrophe, all dieses Ensemble unbegreiflicher, einzeln so unwichtiger, in ihrer Anhäufung so erdrückender Beweise ließen doch keinen Zweifel aufkommen.

Eines schönen Morgens jedoch erwachte die Stadt des Doctors wirklich und endgiltig gerettet wie ein Schläfer, der eines bösen Traumes schon durch das einfache Erwachen ledig wird. Ja! Jetzt war France-Ville wirklich und ohne Schwertstreich gänzlich außer Gefahr und verdankte diese frohe Botschaft Marcel, der dieselbe nach gewonnener eigener Ueberzeugung schnellstens durch alle ihm zu Gebote stehenden publicistischen Mittel verbreitete.

Da herrschte bald ein allgemeines Gefühl der Erlösung und der Freude, eine festliche Stimmung, als Alle erleichtert aufathmeten. Man drückte einander unter Glückwünschen die Hände und lud sich gegenseitig zu Tische ein. Die Frauen glänzten wieder in frischen Toiletten, die Männer nahmen sich einstweilen Urlaub von den Exercitien, Manövern und Arbeiten. Alle Welt fühlte sich gesichert, befriedigt, geistig erregt. Man hätte eine Stadt voll Wiedergenesener vor sich zu haben geglaubt.

Der Glücklichste von Allen war ohne Zweifel aber Doctor Sarrasin selbst. Der wackere Mann fühlte sich verantwortlich für das Wohlergehen Aller, die sich im Vertrauen auf ihn innerhalb seines Gebietes niedergelassen und unter seinen Schutz gestellt hatten. Schon seit einem vollen Monat ließ ihn die Furcht, Diejenigen ins Verderben gelockt zu haben, deren Glück er ja nur zu befördern suchte, keinen Augenblick Ruhe finden. Endlich schwand dieser ungeheure Alp von seiner Brust und er konnte wieder frei aufathmen.

Die allgemeine Gefahr hatte die Bürger der Stadt jedoch nur noch mehr einander genähert. Alle Gesellschaftsclassen traten damit in innigere Beziehung zu einander; Jeder erkannte in dem Anderen den Bruder, der von den nämlichen Gefühlen beseelt, von dem gleichen Interesse beeinflußt war. Im Herzen jedes Einzelnen erwachte damit eine ganz neue Empfindung. Von jetzt ab besaßen die Einwohner France-Villes wirklich ein gemeinsames »Vaterland«. Man hatte für dasselbe gefürchtet, gelitten und war sich damit erst bewußt geworden, wie sehr man es liebte.

Die Stadt erzielte von dieser plötzlichen Versetzung in Vertheidigungszustand sogar gewisse materielle Erfolge. Man hatte seine Kräfte kennen gelernt und brauchte sie bei später vorkommender Gelegenheit nicht erst zu improvisiren. Mit einem Wort, man war seiner selbst sicherer geworden und in Zukunft für jeden Fall bereit.

Noch niemals hatte Doctor Sarrasins Schöpfung Gelegenheit gehabt, eine so glänzende Probe ihrer Lebensfähigkeit abzulegen. Man erwies sich auch – immerhin eine seltene Erscheinung – nicht unerkenntlich gegen Marcel. Obwohl die Rettung Aller jetzt nicht eigentlich sein Werk zu nennen war, so belohnte man den jungen Ingenieur, der die Vertheidigung organisirt und dessen Opferwilligkeit die Stadt vor dem völligen Untergange bewahrt hätte, im Falle Herrn Schultzes böse Absichten in Erfüllung gingen, doch wenigstens durch den Ausdruck des öffentlichen Dankes.

Marcel selbst hielt seine Rolle indeß damit noch nicht für beendigt. Das Geheimniß, welches Stahlstadt jetzt verhüllte, konnte jeden Augenblick, so meinte er, eine neue Gefahr gebären. Er mochte sich nicht eher für befriedigt erklären, als bis er in das Dunkel, das jetzt über des Stahlkönigs Etablissement lagerte, volles Licht verbreitet sähe.

Deshalb beschloß er auch, nach Stahlstadt zurückzukehren und vor nichts zurückzuschrecken, bis er den Schlüssel zu diesem Räthsel fände.

Wohl machte ihm Doctor Sarrasin ernstliche Vorstellungen wegen der Schwierigkeiten, vielleicht auch der Gefahren dieses Beginnens, indem er sagte, jener liefe damit in den offenen Höllenschlund und bei jedem Schritte könne er ins Verderben stürzen ... Seiner eigenen früheren Schilderung nach war Herr Schultze nicht der Mann dazu, so lautlos vom Schauplatze abzutreten und sich allein unter den Trümmern seiner Hoffnungen zu begraben ... Man werde nicht fehl gehen, auch den letzten Gedanken einer solchen Persönlichkeit zn fürchten – wie etwa den Hai im schrecklichen Kampfe mit dem Tode! ...

»Eben weil ich selbst der Meinung bin, lieber Doctor, daß Alles, was Sie denken, möglich ist, halte ich es, für meine Pflicht, nach Stahlstadt zu gehen. Mir scheint es, als läge eine Bombe vor mir, deren Zünder zu entfernen, meine Aufgabe ist, und ich möchte Sie sogar um die Erlaubniß bitten, Octave mitnehmen zu dürfen.

– Octave! rief der Doctor.

– Ja wohl! Er ist jetzt ein wackerer Mann geworden, auf den man zählen kann, und ich versichere Sie, daß ihm der Spaziergang nur heilsam sein wird.

– So nehme Gott Euch Beide in seinen Schutz!« erwiderte der Greis, ihn gerührt in die Arme schließend.

Am folgenden Morgen setzte ein Wagen Marcel und Octave, nachdem sie durch die verlassenen Dörfer der Umgebung gefahren, vor dem äußeren Thore von Stahlstadt ab. Beide waren mit Waffen und allem Notwendigen reichlich versehen und entschlossen, nicht eher zurückzukehren, als bis sie das merkwürdige Geheimniß enträthselt hätten.

Nebeneinander gingen sie auf der Gürtelstraße hin, welche die Befestigungen umschloß, und hier überzeugte sich nun Marcel, der es bis dahin nicht hatte glauben wollen, daß die Werkstätten alle still standen.

Auf dem Wege, den er jetzt in finsterer Nacht, ohne einen Stern am Himmel, mit Octave dahin wanderte, hätte er früher beim Glanze des Gaslichtes das Blitzen des Bajonetts eines Wachpostens und tausend andere Zeichen rührigen Lebens gesehen. Da wären die erleuchteten Fenster der Sectoren erschienen, wie ebensoviele glühende Augen. Jetzt lag Alles düster und stumm vor ihm. Der Tod allein schien über der Cyklopenstadt zu schweben, deren hohe Schornsteine skeletartig zum Himmel emporragten. Marcels und seines Begleiters Schritte verhallten in der entsetzlichen Leere. Die Oede und Trostlosigkeit übten einen so unabwehrbaren Einfluß auf ihn aus, daß Octave sich nicht enthalten konnte, zu bemerken:

»Es ist eigenthümlich, aber ich habe noch nie ein so schauerliches Schweigen vernommen wie hier; wirklich, die Ruhe des Kirchhofs!«

Gegen sieben Uhr gelangten Marcel und Octave an den Rand des Wallgrabens, gegenüber dem Haupteingange von Stahlstadt. Kein lebendes Wesen zeigte sich auf der Zinne der Mauer, und von den Wachposten, welche sonst gleich Statuen in abgemessener Entfernung von einander standen, war keine Spur zu sehen. Zwischen der Straße und der aufgezogenen Thorbrücke gähnte aber der offene Graben in einer Breite von fünf bis sechs Metern.

Ueber eine Stunde verging, bis es gelang, eine Tauschlinge über einen Pfahl auf der anderen Seite zu werfen. Endlich glückte es Marcel nach vieler Mühe; Octave ergriff darauf das Seil und kletterte daran bis zum Dache des Thores empor. Marcel beförderte nun auf demselben Wege die Waffen nebst Munition hinüber und folgte endlich selbst nach.

Nun beeilten sie sich, das Tau an der anderen Seite der Mauer zu befestigen, alles »Zubehör« herabzulassen und dann auch auf den Erdboden hinunterzugleiten.

Jetzt befanden sie sich auf demselben Rundwege, dem Marcel sich erinnerte, bei seiner Ankunft in Stahlstadt gefolgt zu sein. Ueberall dieselbe Leere, dasselbe Todesschweigen. Schwarz und stumm erhob sich die imposante Masse von Gebäuden mit ihren tausend Fenstern, als wollten sie zu den Eindringlingen sagen:

»Nur vorwärts! ... Jetzt liegen unsere Geheimnisse für Jeden offen, der sie nur ergründen will!«

Marcel und Octave überlegten einen Augenblick.

»Wir werden am besten auf die mir bekannte Pforte O zugehen!« meinte Marcel.

Sie wandten sich nach Westen und standen bald vor dem monumentalen Eingang, in dessen Bogen der Buchstabe O stand. Die beiden massiv-eichenen, mit tüchtigen Stahlnägeln verstärkten Thorflügel waren geschlossen. Marcel schlug wiederholt mit einem von der Straße aufgenommenen Pflasterstein kräftig daran.

Nur das Echo gab ihm Antwort.

»Nun denn, ans Werk!« drängte Octave.

Von Neuem begannen jetzt die mühsamen Versuche, das Seil über den Eingang hinwegzuschleudern, bis es zufällig an irgend etwas fest genug haftete. Wohl war das schwierig. Endlich gelang es Marcel und Octave aber doch, die Mauer zu übersteigen, womit sie sich nun in der Achse des Sectors O befanden.

»Das wäre Alles recht gut, rief Octave, doch was erreichen wir damit? Nach glücklicher Ueberwindung einer Mauer stehen wir nur vor einer anderen!

– Ruhe im Gliede! erwiderte Marcel. Hier ist mein altes Atelier. Ich sehe es nicht ungern einmal wieder, auch finden sich dort bestimmt manche Werkzeuge und einige Dynamitpatronen, die uns noch zu statten kommen könnten.«

Es war das der große Gießsaal, in dem der junge Elsäßer bei seiner Anstellung Platz fand. Wie traurig sah er jetzt aus mit seinen erloschenen Oefen, den verrosteten Schienen und den bestäubten Krahnen, welche, ebenso vielen Galgen ähnlich, ihre leeren Arme in die Luft ausstreckten! Der Anblick machte einen so frostigen Eindruck, daß Marcel das Bedürfniß einer Abwechslung empfand.

»Komm, hier ist ein Atelier, daß Dich mehr interessiren wird!« sagte er zu Octave, den Weg zum Speisehaus einschlagend.

Octave antwortete mit einem Kopfnicken, das seiner Zustimmung, bald aber sogar seiner Befriedigung Ausdruck gab, als er auf einem Holzgestelle ein ganzes Regiment rother, gelber und grüner Flaschen in Schlachtordnung aufgestellt fand. In verschiedenen Kästen mit Conserven sah man auch die bekannten Weißblechdosen mit vielversprechenden Aufschriften, Kurz, hier fand sich Alles beisammen zu einem Frühstück, nach dem man allmälig Verlangen spürte. Schnell wurde nun ein köstliches Essen bereitet, das die beiden jungen Leute zur Fortsetzung ihres Wagnisses stärkte.

Marcel überlegte dabei immer, was jetzt zu beginnen sei. An ein Ersteigen der Umfassungsmauer des Centralblocks war von vornherein nicht zu denken. Diese Mauer ragte viel zu hoch empor und stand zu isolirt von jedem anderen Gebäude, hatte auch nirgends einen Vorsprung zum Befestigen eines Seiles. Um zu deren Thore – jedenfalls dem einzig vorhandenen – zu gelangen, hätte man durch alle Sectoren vordringen müssen, und das wäre keine so leichte Arbeit gewesen. Nun blieb nur die immerhin etwas gewagte Anwendung von Dynamit übrig, denn es erschien fast undenkbar, daß Herr Schultze vor seinem Verschwinden nicht Gegenminen gegen diejenigen angebracht haben sollte, welche von denen, die Stahlstadt zu überwältigen suchen möchten, wahrscheinlich gelegt würden. Doch Alles das war nicht im Stande, Marcel auf sein Vorhaben verzichten zu lassen.

Als Octave sich gestärkt und genügend ausgeruht hatte, ging er mit ihm bis zum Ende der Achsenstraße des Sectors O und bis zum Fuße der gewaltigen Granitmauer.

»Was meinst Du zu einem Minengang hier drunten? fragte er.

– Das wird ein hartes Stück Arbeit geben, doch wir sind ja keine Müßiggänger!« antwortete Octave, bereit zu jedem Versuche.

Die Arbeit begann. Erst mußte der Grund der Mauer bloßgelegt und ein eiserner Hebel in den Spalt zwischen zwei Bruchsteine eingetrieben werden, um einen derselben auszubrechen; nachher wurden mittelst eines Bohrers mehrere kleine, parallele Löcher hergestellt. Gegen zehn Uhr war die Arbeit vollbracht; die Dynamitpatronen lagen an ihrer Stelle und die Lunte ward entzündet.

Marcel kannte ihre Brenndauer von fünf Minuten, und da er wußte, daß sich unter dem Speisehause ein gewölbter Keller befand, flüchtete er mit Octave einstweilen in diesen Raum.

Plötzlich erzitterte das Gebäude sammt dem Keller wie von einem Erdbeben. Gleich darnach erschütterte die Luft ein entsetzliches Krachen, so als hätten drei bis vier ganze Batterien mit einem Male gefeuert. Nach weiteren zwei bis drei Secunden stürzte eine ganze Lawine nach allen Seiten verstreuter Sprengstücke zur Erde.

Eine Zeit lang hörte man nichts als das Dröhnen zusammenbrechender Dächer, krachenden Balkenwerks, einstürzender Mauern und dazwischen das Klirren zerspringender Fensterscheiben.

Endlich ward es wieder still. Octave und Marcel verließen ihren Schlupfwinkel.

Trotz seines Vertrautseins mit den Wirkungen explosiver Stoffe, erstaunte Marcel doch nicht wenig über die angerichtete Verheerung. Die Hälfte des Sectors war gesprengt und die abgerissenen Mauern aller in der Nähe des Centralblocks befindlichen Werkstätten glichen mehr einer bombardirten Stadt. Ueberall lagen die Trümmer umher, Glasscherben und Metallplatten bedeckten den Boden, während ganze Wolken von Staub, welche über der Stelle der Explosion langsam aus der Luft herniedersanken, sich schneeähnlich über die Ruine ablagerten.

Marcel und Octave eilten nach der inneren Mauer. Auch diese zeigte sich in einer Breite von fünfzehn bis zwanzig Meter zerstört, und auf der anderen Seite der Bresche sah der frühere Zeichner des Centralblocks nun den ihm wohlbekannten Hof, in dem er so viele eintönige Stunden verbracht hatte.

Da dieser Hof jetzt unbewacht war, konnte man das ihn umschließende Eisengitter ohne Schwierigkeit übersteigen, was denn auch bald geschah.

Ueberall dieselbe Grabesstille.

Marcel schritt durch die Säle, wo die Kameraden früher seine Entwürfe bewundert hatten. In einer Ecke fand er auch die halbvollendete Zeichnung zu einer Dampfmaschine wieder, an der er eben arbeitete, als Herr Schultze ihn damals in den Park abrufen ließ. Im Lesesaale lagen die Zeitungen neben den gewöhnlich benützten Büchern.

Alle Gegenstände hier verriethen eine plötzlich aufgehobene Bewegung, eine schroff unterbrochene Thätigkeit.

Die jungen Leute gelangten zur inneren Grenze des Centralblocks und befanden sich bald an der Mauer, welche sie, Marcels Meinung nach, von dem Parke noch trennte.

»Werden wir auch diese Bruchsteine noch springen lassen müssen? fragte ihn Octave.

– Vielleicht ... Doch um hindurch zu gelangen, können wir zunächst die Thüre aufsuchen, welche schon eine einfache Rakete in die Luft jagt.«

Beide gingen nun längs der Mauer um den Park herum. Von Zeit zu Zeit waren sie zu Umwegen genöthigt durch eine spornartig hervortretende Gruppe von Gebäuden, oder mußten sie auch Gitterthore überklettern. Sie verloren jene dabei aber nie aus den Augen uud sahen ihre Anstrengungen denn auch bald belohnt. Eine kleine schiefe Thür kam in der Mauer zum Vorschein.

Binnen zwei Minuten hatte Octave mittelst eines Handbohrers ein kleines Loch durch die Eichenplanken gebohrt. Marcel sah, als er das Auge an die Oeffnung legte, daß sich auf der anderen Seite der prächtige tropische Park mit ewigem Grün und lauer Frühlingsluft ausbreitete.

»Noch eine Thür zu sprengen und wir sind zur Stelle, sagte er zu seinem Begleiter.

– Eine Rakete für ein Holzbrett, antwortete Octave, das wäre zu viel Ehre!«

Er begann die Pforte also mit kräftigen Axtschlägen zu bearbeiten.

Kaum hatte er daran geschlagen, als er im Innern das Schloß von einem Schlüssel klirren und zwei Riegel zurückschieben hörte.

Die inwendig durch eine starke Kette gehaltene Thür öffnete sich ein wenig.

»Wer da?« rief eine rauhe Stimme heraus.

< Fünfzehntes Capitel.
Siebzehntes Capitel. >



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