Frei Lesen: Die großen Seefahrer des 18. Jahrhunderts - Erster Band

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Jules Verne

Die großen Seefahrer des 18. Jahrhunderts - Erster Band

Viertes Capitel.

eingestellt: 17.8.2007

Aufsuchung des südlichen Festlandes. – Zweiter Aufenthalt bei Neuseeland. – Der Archipel Pomutu. – Zweiter Aufenthalt in Tahiti. – Besichtigung der Tonga-Inseln. – Dritter Besuch Neuseelands. – Zweite Kreuzfahrt im südlichen Ocean. – Besichtigung der Osterinseln. – Besuch auf den Marquises-Inseln.

Hätte auch die Regierung James Cook für die Art und Weise, wie er sich des ihm anvertrauten Auftrages entledigte, nicht belohnen wollen, so verlangte das doch die Stimme des Volkes. Am 29. August zu dem Grade eines »Comanders« ernannt, fühlte sich der große Seefahrer, im Vollbewußtsein seiner Verdienste um England und die Wissenschaften, doch nicht hinreichend belohnt. Er hatte wenigstens gehofft, zum Schiffs-Kapitän erhoben zu werden. Lord Sandwich, der damalige Vorsteher der Admiralität, bedeutete ihm aber, daß man das unmöglich könne, ohne gegen althergebrachten Gebrauch zu verstoßen und die Avancementsordnung im Seekriegsdienste zu umgehen.

Cook beschäftigte sich inzwischen, alles nothwendige Material zu beschaffen, um eine vollständige Beschreibung seiner Reise zu veröffentlichen; bald erhielt er aber so wichtige Aufträge, daß er seine Anmerkungen und Tagebücher dem Doctor Havkesworth auslieferte, der Alles ordnen und im Druck herausgeben sollte. Gleichzeitig wurden die von ihm in Verbindung mit Green angestellten Beobachtungen des Venus-Durchganges, nebst den zugehörigen Berechnungen und astronomischen Aufnahmen der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften übergeben, welche deren hohen Werth freimüthig anerkannte.

Die ansehnlichen, von Kapitän Cook erzielten Erfolge waren aber immer noch nicht vollständig, wenigstens insofern, als sie den Glauben an einen südlichen Continent noch nicht zerstörten. Immer lag diese Chimäre den Gelehrten der Zeit noch am Herzen. Da sie nun zugeben mußten, daß weder Neuseeland noch Australien einen Theil dieses Festlandes bildeten, und daß die »Endeavour« doch unter Breiten gesegelt sei, wo sie jenen hätte auffinden müssen, so behaupteten sie, derselbe liege noch weiter im Süden, und zählten alle Consequenzen auf, welche dessen Entdeckung nach sich ziehen mußte.

Die Regierung beschloß also, diese schon seit so langen Jahren schwebende Frage nun endlich zu lösen und deshalb eine neue Expedition auszusenden, über deren Anführer ein Zweifel nicht aufkommen konnte. Die Natur dieser Reise erforderte ganz besonders construirte Fahrzeuge. Da die »Endeavour« schon wieder nach den Falklands-Inseln unterwegs war, erhielt das Marine-Bureau Befehl, zwei Fahrzeuge zu kaufen, die ihm für diese Aufgabe am geeignetsten schienen.

Cook antwortete auf eine diesbezügliche Anfrage, daß dieselben sehr fest sein, doch nur geringen Tiefgang, dagegen hinreichenden Raum haben sollten, um, entsprechend der Zahl der Bemannung und Dauer der Reise Proviant und Munition in genügender Menge aufnehmen zu können.

Die Admiralität kaufte zwei in Whitby gebaute Schiffe von demselben Erbauer, der auch die »Endeavour« geliefert hatte. Das größere derselben maß 462 Tonnen und erhielt den Namen die »Resolution«. Das zweite faßte nur 336 Tonnen und hieß die »Aventure«. In Deptford und Woolwich wurden sie zur Reise armirt. Cook übernahm das Commando der »Resolution« und der Kapitän Tobias Furneaux, früher Officier bei Wallis, wurde mit dem der »Aventure« betraut. Der zweite und dritte Lieutenant, sowie mehrere der an Bord befindlichen Unterofficiere und Matrosen hatten schon die Fahrt der »Endeavour« mitgemacht.

Wie man sich leicht denken kann, wurde auf die Ausrüstung alle mögliche Sorgfalt verwendet. Lord Sandwich und Kapitän Palliser überwachten dieselbe in allen Theilen persönlich.

Jedes Schiff führte für zweiundeinhalb Jahr Vorräthe aller Art. Man bewilligte Cook sogar ganz außergewöhnliche Dinge, die er als Hilfsmittel gegen den Scorbut bezeichnet hatte. Es waren das z. B. Malz, Sauerkraut, Salzkohl, Bouillontafeln, Saleb und Mostrich, sowie Carottenmarmelade und Würze von eingedicktem Bier, womit er auf Empfehlung des Baron Storch in Berlin und des Herrn Pelham, Secretär im Bureau der Lebensmittel-Lieferanten, Versuche machen sollte.

Gleichzeitig verfrachtete man auf jedes Schiff die einzelnen Theile eines Fahrzeuges von 20 Tonnen, bestimmt zum Transport der Mannschaften, im Falle die Schiffe zu Grunde gehen sollten.

Ein Landschaftsmaler, William Hodges, zwei Naturforscher, Jean Reinhold Forster und dessen Sohn Georges, nebst zwei Astronomen, W. Wales und W. Bayley, wurden, mit den besten Instrumenten versehen, auf den beiden Schiffen untergebracht.

Mit einem Worte, es war nichts vernachlässigt worden, aus der Expedition den größtmöglichen Nutzen zu ziehen. In der That sollte sie auch eine unerwartete Menge neuer Nachrichten heimbringen, welche sich für die Fortschritte der Naturwissenschaften im Allgemeinen, wie vorzüglich für die Physik, Ethnographie, Schiffskunde und Geologie höchst förderlich erwiesen.

»Am 25. Juni, sagt Cook, erhielt ich von Plymouth meine Instructionen. Nach diesen sollte ich mich auf kürzestem Wege nach der Insel Madeira begeben, dort Wein an Bord nehmen und nach dem Cap der Guten Hoffnung segeln, wo die Mannschaften ausruhen und ich weiteren Proviant, sowie alles Andere einkaufen konnte, was ich für nöthig erachtete. Dann war mir vorgeschrieben, nach Süden zu gehen, womöglich das Cap Circoncision aufzusuchen, das Bouvet unter 54° südlicher Breite und etwa 11° 20 östlich von Greenwich entdeckt haben sollte; wenn ich dasselbe fände, mich darüber zu unterrichten, ob es zu einem Festlande gehöre oder nur eine Insel bilde; im ersten Falle nichts zu unterlassen, um jenes in möglichst großer Ausdehnung zu besichtigen; dort Alles zu beobachten und aufzuzeichnen, was für die Schifffahrt und den Handel von Nutzen oder für die Fortschritte der Naturwissenschaften von Bedeutung sein könnte.

»Man empfahl mir ferner, auf die geistigen Eigenschaften, das Temperament, den Charakter und die Anzahl der Bewohner, wenn ich solche anträfe, ein Auge zu haben und alle ehrlichen Mittel anzuwenden, um mit diesen einen Allianz- und Freundschafts-Vertrag abzuschließen.

»Weiter schrieben meine Instructionen vor, im Osten oder Westen, je nach dem Punkte, wo ich mich befände, auf Entdeckungen auszugehen, mich dem Südpole so weit als möglich zu nähern und dort so lange zu verweilen, als das der Zustand der Schiffe, das Befinden der Mannschaft und der Vorrath an Lebensmitteln erlaubte; aber immer dafür zu sorgen, daß noch so viel Proviant vorhanden sei, um einen bekannten Hafen zu erreichen, wo ich mich mit frischen Vorräthen zur Rückkehr nach England versorgen sollte.

»Endlich ward ich beauftragt, wenn das Cap Circoncision eine Insel wäre oder ich sie nicht aufzufinden vermöchte, im ersten Falle deren Lage genau zu bestimmen, in beiden Fällen nach Süden aber so weit vorzudringen, als ich hoffen durfte, das gesuchte Festland zu finden; dann nach Osten zu steuern, um nach demselben zu suchen und die Inseln anzulaufen, die sich in jenem Theile der südlichen Halbkugel finden könnten, immer aber, wie oben gesagt, so nahe als möglich dem Pole, bis ich ganz um diesen herum gekommen sei; mich endlich nach dem Cap der Guten Hoffnung und von da nach Spithead zurückzubegeben.«

Am 13. Juli lichtete Cook im Kanal von Plymouth die Anker und kam am 19. desselben Monats in Funchal, auf der Insel Madeira, an. Dort besorgte er sich das Nöthige und segelte bald darauf nach Süden weiter. Da er sich aber überzeugte, daß seine Wasservorräthe nicht ausreichen würden, um mit denselben das Cap der Guten Hoffnung zu erreichen, so beschloß er, die Fahrt zu unterbrechen und bei den Inseln des Grünen Vorgebirges vor Anker zu gehen. Er lief also am 10. August in den Hafen von Prana ein, den er vier Tage später wieder verließ.

Cook hatte auch den Aufenthalt in diesem Hafen seiner Gewohnheit nach dazu benutzt, alle Nachrichten zu sammeln, welche für Seefahrer von Nutzen sein konnten. Seine Beschreibung ist heute um so werthvoller, als sich in jenen Orten sehr Vieles verändert hat und auch in genanntem Hafen mancherlei Arbeiten vorgenommen worden sind, welche für die daselbst ankernden Schiffe ganz andere Verhältnisse geschaffen haben.

Am 23. desselben Monats bemerkte Cook, als sich wegen heftiger Winde Alle hatten auf dem Deck aufhalten müssen, die ersten verderblichen Folgen der Feuchtigkeit in jenen heißen Klimaten, und er befahl deshalb, stets bemüht, seine Leute bei guter Gesundheit zu erhalten, das Zwischendeck zu lüften. Er ließ sogar Feuer anzünden, um es auszuräuchern und schneller zu trocknen, und ergriff überhaupt nicht nur alle die Maßregeln, welche ihm Lord Sandwich und Sir Hugh Palliser anempfohlen hatten, sondern auch diejenigen, welche ihm die Erfahrungen von seiner ersten Weltumseglung her eingaben.

Dank dieser Vorsorge, hatte denn die »Resolution«, als sie am 30. October am Cap der Guten Hoffnung anlangte, nicht einen einzigen Kranken. Begleitet von Kapitän Furneaux und den beiden Herren Förster stattete Cook sofort einen Besuch ab bei dem holländischen Gouverneur, Baron von Plettemberg, der ihm zuvorkommend Alles zur Verfügung stellte, was die Kolonie nur bieten konnte. Hier vernahm er auch, daß zwei von der Insel Maurice im Monat März abgegangene französische Schiffe am Cap angelaufen seien, bevor sie nach den südlichen Meeren steuerten, wo sie, unter dem Befehl des Kapitän Marion, auf Entdeckungen ausgehen wollten.

Während dieses sich über die vorherige Berechnung hinaus ausdehnenden Aufenthaltes traf Forster auch den schwedischen Botaniker Sparmann, einen Schüler Linnés, den er unter Zusicherung eines hohen Gehaltes bestimmte, die Expedition zu begleiten. Gewiß verdient die Uninteressirtheit Forsters alles Lob, der nicht davor zurückschreckte, sich einen Rivalen zu erwerben und ihn fast aus eigenen Mitteln belohnte, nur um in den zu besuchenden Ländern desto ausführlichere naturhistorische Studien machen zu können. Am 22. November wurden die Anker gelichtet und brachen die beiden Schiffe nach Süden auf, im Begriffe, das Cap Circoncision aufzusuchen, das Kapitän Bouvet am 1. Januar 1739 entdeckt hatte. Bald nahm die Temperatur merklich ab und Cook ließ an seine Matrosen warme Kleidungsstücke austheilen, die er von der Admiralität geliefert erhalten hatte.

Vom 29. November bis 6. December wüthete ein entsetzlicher Sturm. Die Fahrzeuge wurden aus ihrer Route so weit nach Osten verschlagen, daß man auf die Aufsuchung des Cap Circoncision verzichten mußte. Eine weitere Folge dieses schlechten Wetters und des plötzlichen Ueberganges aus der Hitze zur strengen Kälte war der Verlust fast aller am Cap eingeschifften lebenden Thiere. Endlich belästigte die Feuchtigkeit die Matrosen dermaßen, daß die Branntwein-Rationen erhöht werden mußten, um sie arbeitsfähig zu erhalten. Am 10. December begegnete man unter 50° 40 südlicher Breite dem ersten Eise. Regen und Schnee folgten sich ohne Unterlaß. Dabei verbreitete sich ein so dichter Nebel, daß die Schiffe eine jener schwimmenden Klippen erst wahrnahmen, als sie sich kaum noch eine Meile davon entfernt befanden. Eine dieser Inseln, sagt der Bericht, maß zweihundert Fuß in der Höhe, vierhundert in der Breite und zweitausend Fuß in der Länge. »Angenommen, dieses Eisstück habe eine ganz regelmäßige Form besessen und seine Tiefe unter dem Wasser habe 1800 Fuß betragen, seine Gesammthöhe also ungefähr 2000 Fuß, so würde seine Masse mit Zugrundelegung der eben genannten Verhältnisse nicht weniger als 1600 Millionen Kubikfuß Eis enthalten haben.«

Je mehr man nach Süden vordrang, desto zahlreicher wurden die Eisblöcke. Das Meer war dabei so aufgeregt, daß die Wogen an diesen Eisbergen hinaufstürmten und an deren entgegengesetzter Seite wieder in seinem, unfühlbarem Staube herabsanken; ein Schauspiel, das die Seele wirklich mit Bewunderung erfüllte! Dieser Empfindung mischte sich auch die des Schreckens bei, wenn man sich vorstellte, daß das Fahrzeug von einer dieser ungeheuren Massen getroffen werden könnte, die es augenblicklich zermalmen mußten. Die Gewohnheit der Gefahr erzeugt jedoch sehr bald eine gewisse Gleichgiltigkeit, so daß Jeder weiter nichts sah als die außerordentliche Schönheit dieses gewaltigen Kampfes der Elemente.

Am 14. December hinderte eine grenzenlose Eiswand, die bis über den Horizont hinaus reichte, die Schiffe, noch weiter nach Süden zu segeln, und man mußte also längs derselben hinfahren. Sie bildete keine gleichmäßige Ebene, denn man bemerkte darauf wiederum Einzelberge, ähnlich denen, die man während der vorhergehenden Berge angetroffen hatte. Einige Personen glaubten Land unter dem Eise zu sehen; auch Cook ließ sich einen Augenblick täuschen; als der Nebel aber verschwand, überzeugte man sich bald von dem leicht erklärlichen Irrthum.

Am folgenden Tage beobachtete man, daß die Schiffe in einer lebhaften Strömung trieben. Der alte Forster und der Astronom Wales bestiegen ein Boot, um deren Schnelligkeit zu messen. Noch während dieser Beschäftigung nahm der Nebel wieder so sehr zu, daß sie das Fahrzeug gänzlich aus dem Gesicht verloren. In einer erbärmlichen Schaluppe, ohne Instrumente und Proviant, mitten in einem grenzenlosen Meere, fern jeder Küste und umringt von Treibeis war ihre Lage gewiß eine schreckliche. Lange Zeit irrten sie umher, ohne sich vernehmlich machen zu können. Dann hörten sie wenigstens auf zu rudern, um sich nicht allzuweit zu entfernen. Schon verloren sie jede Hoffnung, als der Ton einer Glocke ihr Ohr von fernher traf. Natürlich ruderten sie nun aus Leibeskräften nach dieser Richtung hin; die »Aventure« antwortete bald auf ihre Zurufe und nahm sie nach einigen Stunden schrecklicher Angst wieder auf.

Allgemein herrschte damals die Ansicht, daß das Treibeis sich in Buchten oder Flußmündungen bilde. Auch die Reisenden meinten deshalb in der Nähe eines Landes zu sein, das sich ohne Zweifel hinter der Packeiswand befinden würde.

Schon über dreißig Meilen hatten sie in westlicher Richtung zurückgelegt, ohne in dem Eise eine nach Süden führende Oeffnung zu finden. Kapitän Cook beschloß also nun, ebensoweit nach Osten hin zu fahren. Fand er dabei auch kein Land, so hoffte er doch die Packeiswand umschiffen, weiter nach dem Pole vordringen und damit den unbestimmten Anschauungen der Gelehrten ein Ziel setzen zu können.

Obwohl man sich jetzt aber für diesen Theil der Erde mitten im Sommer befand, nahm die Kälte doch mit jedem Tage noch weiter zu. Die Matrosen beklagten sich und der Scorbut brach an Bord aus. Durch die Vertheilung noch wärmerer Kleidung und die Anwendung der in solchen Fällen angezeigten Heilmittel, wie Malz und Citronensaft, wurde man bald der Krankheit Herr und konnte die Mannschaft die strenge Temperatur ungestraft aushalten.

Am 29. December gewann Cook die Ueberzeugung, daß das Packeis nirgends mit Land in Verbindung stand. Er entschied sich nun dahin, nach Osten bis zum Meridian von Circoncision zu segeln, wenn ihm kein Hinderniß entgegenträte.

Während er dieses Project zur Ausführung brachte, wurde der Wind so heftig und das Meer so bewegt, daß die Schifffahrt zwischen dem mit furchtbarem Krachen gegeneinander stoßenden Eise äußerst gefährlich wurde; noch mehr, als man im Norden ein Eisfeld wahrnahm, das sich bis über Sehweite hinaus erstreckte. Sollte das Schiff wohl während langer trostloser Wochen hier gefangen liegen, »festgenagelt«, wie die Walfischfahrer sagen, oder gar Gefahr laufen, wie ein Span zerquetscht zu werden? Cook versuchte weder nach Westen noch nach Osten zu entfliehen, er drang beherzt weiter nach Süden vor. Uebrigens befand er sich jetzt in der vermeintlichen Breite des Cap Circoncision und fünfundsiebenzig Meilen südlich von dem Punkte, wo jenes liegen sollte. Existirte das von Bouvet entdeckte Land also wirklich – worüber man jetzt völlig im Klaren ist – so konnte es nur eine wenig ausgedehnte Insel, jedenfalls aber kein Festland sein.

Der Commandant hatte keine Ursache, in dieser Gegend noch länger zu verweilen. Bei 67° 15 südlicher Breite verschloß ihm eine neue Packeiswand, die von Osten nach Westen hintrieb, den weiteren Weg, und er fand auch nirgends eine Oeffnung in derselben. Daneben erschien es als einfaches Gebot der Klugheit, sich hier, nachdem zwei Drittel des Sommers schon vorüber waren, noch länger aufzuhalten. Er beschloß also ohne Zögern das kürzlich von den Franzosen entdeckte Land aufzusuchen.

Am 1. Februar 1773 befanden sich die Schiffe unter 48º 30 der Breite und 48º 7 östlicher Länge, also ziemlich genau unter dem Meridian der Insel Mauritius. Nach fruchtloser Kreuzfahrt von Osten nach Westen mußte man wohl zu dem Schlusse kommen, daß, wenn sich hier überhaupt ein Land vorfinde, dasselbe nur eine kleine Insel darstellen könne, anderen Falles hätte es jetzt aufgefunden werden müssen.

Am 8. Februar bemerkte der Kapitän zu seinem Leidwesen, daß die »Aventure« ihm nicht mehr als Begleitschiff folge. Schon seit zwei Tagen erwartete er sie vergeblich, obwohl er in kurzen Zwischenräumen einen Kanonenschuß lösen und während der Nacht auf dem Oberdeck ein helles Feuer unterhalten ließ. Die »Resolution« mußte ihre Fahrt allein fortsetzen.

Am 17. Februar zwischen Mitternacht und drei Uhr Morgens wurde die Mannschaft Zeuge eines prachtvollen Schauspiels, das noch keines Europäers Auge geschaut hatte, nämlich eines Südpolarlichtes.

»Der Officier der Wache, sagt der Bericht, beobachtete, daß daraus von Zeit zu Zeit spiral- und kreisförmige Strahlen emporschossen, dann seine Helligkeit zunahm, so daß es einen wunderschönen Anblick gewährte. Es schien keine bestimmte Richtung zu haben, im Gegentheil erfüllte es dann und wann das ganze Himmelsgewölbe mit seinem vielfarbigen Lichte.«

Nach einem wiederholten Versuche, den südlichen Polarkreis zu überschreiten – ein Versuch, auf den man wegen des Nebels, Schnees und der ungeheuren schwimmenden Eisberge bald verzichten mußte – schlug Cook nun den Weg nach Norden wieder ein, in der Ueberzeugung, daß hinter ihm kein Land von Bedeutung liege, und begab sich nach Neuseeland, das er der »Aventure« im Fall einer Trennung als Sammelplatz bezeichnet hatte.

Schon am 25. März ankerte er in der Dusky-Bai, nach einer ununterbrochenen Seefahrt von hundertsiebenzig Tagen, bei der er nicht weniger als 3660 Meilen zurückgelegt hatte, ohne nur ein einziges Mal Land zu sehen. Sobald er einen bequemen Platz zum Anlegen gefunden, beeilte sich der Befehlshaber, seiner Mannschaft Alles zugute kommen zu lassen, was das Land an Pflanzen, Fischen und Geflügel bot, während er selbst, meist mit der Sonde in der Hand, die Bucht und ihre Umgebungen untersuchte, wo er nur wenige Eingeborne traf, mit denen er nur selten in Beziehungen kam. Eine einzige Familie erwies sich jedoch zutraulicher und schlug ihr Lager in der Nähe des Wasserplatzes auf. Cook ließ ihr ein Concert geben, in dem Querpfeife und Dudelsack sich freilich vergeblich um die Palme bemühten, da die Neuseeländer die Trommel jedem anderen Instrumente vorzogen.

Am 18. April kam ein Häuptling mit seiner Tochter an Bord. Bevor er das Schiff jedoch bestieg, schlug er mit einem in der Hand gehaltenen Zweige an die Seite desselben und richtete an die Fremdlinge eine Ansprache, eine bei den Insulanern der Südsee allgemein verbreitete Sitte. Kaum hatte er den Fuß auf das Deck gesetzt, als er dem Kapitän ein Stück Stoff und eine Axt aus grünem Talkstein anbot, eine Freigebigkeit, die man von den Neuseeländern bisher noch nicht kannte.

Der Häuptling nahm das Schiff ganz im Einzelnen in Augenschein; um seine Dankbarkeit zu beweisen, tauchte er die Finger in einen an seinem Gürtel befestigten Sack, und wollte dem Kommandanten mit dem darin enthaltenen stinkenden Oele das Haar einsalben, Cook hatte die größte Mühe, sich dieser Ehrenbezeugung zu entziehen, welche ihm also nicht mehr zu gefallen schien als damals Byron in der Magelhaens-Straße; der Maler Hodges mußte sich aber zum Ergötzen der gesammten Besatzung jener Operation unterziehen. Dann verschwand der Häuptling, um nie wieder zu kehren, und nahm neun Aexte und dreißig, ihm von den Officieren geschenkte Tischlermesser mit. Jetzt an Schätzen reicher als vielleicht alle Neuseeländer zusammen, beeilte er sich offenbar, dieselben in Sicherheit zu bringen, aus Furcht, daß man sie ihm wieder abnehmen könnte.

Vor der Abfahrt setzte Cook auch fünf Gänse ans Land, die einzigen, welche von den am Cap mit eingeschifften noch übrig waren. Er hoffte, daß sich dieselben in dem wenig bevölkerten Lande unschwer vermehren würden, und er ließ außerdem ein Stück Ackerland herstellen, das er mit Gemüse besäete. Er arbeitete damit ebenso für die Eingebornen wie für spätere Seefahrer, welche hier einst werthvolle Hilfsmittel finden konnten.

Nach vollendeter hydrographischer Aufnahme der Dusky-Bai steuerte Cook nach dem Königin Charlotte-Kanal, das Stelldichein für den Kapitän Furneaux.

Am 17. Mai genoß die Mannschaft wiederum ein wunderschönes Schauspiel.

Sechs Wasserhosen, deren eine, mit einer Breite von sechzig Fuß an der Basis, nur hundert Schritte von dem Schiffe vorüberkam, erhoben sich nacheinander, indem sie, wie durch kräftige Aspiration, die Wolken und das Meer in Verbindung setzten. Diese Erscheinung währte ziemlich drei Viertelstunden lang. Während die Mannschaft zu Anfang erklärlicher Weise nicht wenig erschrak, verwandelte sich dieses Gefühl doch bald in das der reinen Bewunderung über jene damals noch sehr wenig bekannten Meteore.

Am nächsten Tage, als die »Resolution« in den Königin Charlotte-Kanal einfuhr, sah man auch die »Aventure« wieder, welche hier schon seit sechs Wochen wartete. Nachdem er am 1. März Van-Diemens-Land erreicht, war Furneaux siebzehn Tage lang an dessen Küste hingesegelt; er hatte dasselbe aber verlassen müssen, ohne sich, wie er glaubte, davon wirklich zu überzeugen, daß dasselbe einen Theil Neu-Hollands bilde. Erst dem Chirurgen Baß blieb es vorbehalten, diesen Irrthum zu beseitigen. Am 9. April am Königin Charlotte-Kanal angelangt, benutzte der Führer der »Aventure« seine Muße, einen Garten anzulegen und auch mit den Seeländern in Verbindung zu treten, die ihm übrigens unzweifelhafte Beweise der bei ihnen noch herrschenden Antropophagie lieferten.

Bevor er seine Entdeckungsreise fortsetzte, folgte Cook demselben Gedanken, der ihn auch bei seinem Verfahren an der Dusky-Bai geleitet hatte. Er setzte einen Widder und ein Lamm, einen Bock und eine Ziege, ein Schwein und zwei tragende Zuchtsauen ans Land. Ebenso steckte er Kartoffeln, von denen sich erst auf der nördlicheren der beiden Neuseeland bildenden Inseln einige vorfanden.

Die Eingebornen ähnelten sehr denen an der Dusky-Bai; sie erschienen aber sorgloser, liefen während des Abendessens von einem Raum zum anderen und verzehrten ohne Auswahl Alles, was man ihnen anbot. Man konnte sie unmöglich dazu bewegen, einen Tropfen Wein oder Branntwein zu trinken, dagegen wußten sie Zuckerwasser sehr zu schätzen.

»Sie erfaßten Alles, was sie sahen, sagt Cook, gaben es auch wieder zurück, wenn wir ihnen durch Zeichen zu verstehen gaben, daß wir es nicht verschenken wollten oder nicht entbehren konnten. Einen vorzüglichen Werth schienen sie auf Glasflaschen zu legen, die sie »Tawhaw« nannten; als man sie aber etwas über die Härte und den Gebrauch des Eisens aufgeklärt hatte, zogen sie dieses allen Glaswaaren, Bändern oder dem Papiere vor. Unter jenen befanden sich auch einige Frauen, deren Lippen mit kleinen schwarzblauen Punkten überdeckt waren; ihre Wangen erschienen von einer aus Bergmehl und Oel bestehenden Mischung lebhaft roth gefärbt. Sie hatten, wie die an der Dusky-Bai, nur schwache, etwas verkümmerte Beine, was sicher von dem Mangel an Körperübung und der Gewohnheit, immer mit gekreuzten Beinen zu sitzen, herkommt; ein wenig mag dazu auch die kauernde Stellung, die sie in den Piroguen gewöhnlich einzunehmen pflegen, noch überdies beitragen. Ihr Teint ist hellbraun, die Haare sehr schwarz und das Gesicht rundlich; Nase und Lippen sind etwas dick, doch nicht abgeplattet und die lebhaften Augen haben einen recht sprechenden Ausdruck. In Reih und Glied aufgestellt, legten die Eingebornen ihre Oberkleider ab; Einer derselben begann auf wenig einnehmende Weise zu singen und zu tanzen, und die Anderen wiederholten dessen Bewegungen. Sie streckten z. B. die Arme aus, stießen abwechselnd mit den Füßen auf die Erde und verdrehten sich dabei ganz entsetzlich; die letzten Worte des Gesanges wiederholten Alle zusammen, wobei wir leicht ein gewisses Versmaß heraushörten; ob die Zeilen mit Reimen ausgingen, war freilich nicht zu unterscheiden; die Musik selbst klang ziemlich wild und recht eintönig.«

Mehrere Seeländer erkundigten sich auch nach Tupia; als sie erfuhren, daß derselbe gestorben sei, gaben sie ihren Schmerz durch ein mehr erkünsteltes Geheul, als durch aufrichtiges Beileid kund.

Cook sah keinen einzigen Eingebornen von denen wieder, die er bei seiner ersten Reise getroffen hatte. Er schloß daraus, wohl mit einigem Recht, daß Diejenigen, welche im Jahre 1770 an der Meerenge seßhaft waren, von hier vertrieben worden seien oder sich auch aus freien Stücken nach anderen Orten gewendet haben mochten. Auch schien die Anzahl der Eingebornen nur zwei Drittel der früheren zu betragen. Der I-pah stand öde und auch viele andere Wohnungen längs der Meerenge waren verlassen.

Als die beiden Schiffe wieder bereit waren, weiter zu segeln, ertheilte Cook dem Kapitän Furneaux seine Instructionen. Er wollte etwa bis auf 41 bis 46° der Breite und 140° westlicher Länge herabfahren, wenn er dann kein Land anträfe, nach Tahiti steuern, das als Sammelplatz bestimmt wurde, um dann nach Neuseeland zurückzukehren und von hier aus alle noch unbekannten Theile des Meeres zwischen dieser Insel und dem Cap Horn durchforschen. Gegen Ende Juli trat nach einigen sehr heißen Tagen der Scorbut unter der Mannschaft der »Aventure« auf. Die der »Resolution« entgingen der Krankheit in Folge der von Cook nie vernachlässigten Vorsichtsmaßregeln, der auch selbst mit gutem Beispiel voranging, indem er Tag für Tag etwas Sellerie und Löffelkraut verzehrte.

Am 1. Juli befanden sich die Schiffe unter 25° 1 der Breite und 134° 6 westlicher Länge, d. h. in der Position, wo nach Carteret die Insel Pitcairn liegen sollte. Cook suchte dieselbe vergeblich. Leider zwang ihn die auf der »Aventure« noch immer herrschende Krankheit, seine Fahrt wesentlich abzukürzen. Er wollte gern die Längenlage dieser Insel entweder bestätigen oder richtigstellen, um darnach die aller übrigen, von Carteret entdeckten Länder zu bestimmen, welche jener ohne Mithilfe astronomischer Beobachtungen erhalten hatte. Da er nun aber die Hoffnung, einen südlichen Continent aufzufinden, verloren hatte, segelte er nach Nordosten und traf bald auf mehrere, schon von Bougainville besuchte Inseln.

»Diese niedrigen Inseln, mit denen die Südsee in den Tropengegenden erfüllt ist, sagt er, liegen in ihren unteren Theilen in gleichem Niveau mit dem Wasser, während die übrigen Theile nur eine bis zwei Ruthen über dasselbe emporragen. Ihre Form ist meist kreisrund; sie umschließen dabei ein Becken mit Salzwasser, und das Meer ringsum hat eine unergründliche Tiefe. Sie erzeugen nur sehr wenig; die Cocosbäume sind darunter vielleicht noch das Werthvollste; trotz dieser Unfruchtbarkeit und ihres kleinen Flächenraumes sind doch die meisten bewohnt. Man vermag nicht leicht zu erklären, wie diese kleinen Eilande sich bevölkert haben mögen, so wie es nicht weniger schwierig scheint, zu bestimmen, woher die südlichsten Inseln des Stillen Oceans ihre Bewohner bekommen haben.«

Am 15. August lief Cook die von Wallis entdeckte Insel Osnabrugh oder Mairea an und begab sich nach der Bai Oaiti-Piha, wo er so viel als möglich Proviant einnehmen wollte, ehe er nach Matavaï abging.

»Am frühen Morgen, erzählt Forster, genossen wir eine jener herrlichen Stunden, welche die Dichter aller Nationen zu schildern bestrebt gewesen sind. Ein sanfter Lufthauch trug uns die Wohlgerüche des Landes zu und kräuselte die lachende Fläche des Meeres. Die waldbedeckten Berge erhoben stolz das majestätische Haupt, auf dem schon der Schimmer der erwachenden Sonne ruhte. Mehr in unserer Nähe lag eine Reihe lieblicher Hügel, wie jene mit dichtem Gehölz bedeckt, unter das sich sattgrüne und warme, braune Farbentöne mischten. An ihrem Fuße breitete sich eine weite Ebene mit Brotfruchtbäumen aus, über welche schlanke Palmen ihre zierlichen Wipfel schaukelten. Alles schien noch zu schlummern. Die Morgenröthe verbreitete nur einen unbestimmten Schein und ein friedliches Halbdunkel bedeckte die reizende Landschaft. Bald unterschieden wir nun vereinzelte Hütten zwischen den Bäumen und die Piroguen am Strande. Eine halbe Meile von diesem entfernt, brachen sich die langen Wellen an einer kaum hervorstehenden Felsenbank, während das Wasser im Hafen sich nicht im mindesten bewegte. Nun goß das Tagesgestirn seinen Goldglanz über Land und Meer. Die Bewohner der Insel erwachten und belebten nach und nach das reizende Bild. Beim Anblick unserer Schiffe eilten Mehrere nach ihren Piroguen und ruderten, offenbar erfreut über den Anblick, zu uns heran. Wir dachten nicht im Geringsten daran, hier von irgend welcher Gefahr bedroht zu sein, oder daran, daß Schiffe und Mannschaft an dieser lang ersehnten Küste nur mit genauer Noth dem Untergange entfliehen sollten.«

Welch ein beneidenswerther Maler, der so frische und wechselvolle Farben zu finden verstand! Noch heute geben sie eine treffende Anschauung von jenem Bilde. Man bedauert dabei nur, jene kühnen Seefahrer, jene Gelehrten, welche die Sprache der Natur so wohl verstanden, nicht haben begleiten zu können. Warum blieb es uns versagt, die unschuldigen und friedlichen Volksstämme in jenem Goldenen Zeitalter kennen zu lernen, während sie in unserer Zeit des Dampfes und des Eisens mehr und mehr von der Erde verschwinden!

Die Fahrzeuge trieben nur noch eine halbe Meile von erwähntem Riffe, als der Wind sich legte. Trotz aller Anstrengung der Schaluppen hätten sie jetzt an jenen Klippen elend scheitern müssen, als ein geschicktes Manöver des Befehlshabers, das die Fluth und eine schwache Landbrise noch unterstützte, sie der drohenden Gefahr entriß. Dennoch hatten sie schon einige Havarien erlitten und die »Aventure« z. B. drei Anker eingebüßt.

Eine Menge Piroguen umschwärmten die Schiffe und vertauschten gegen verschiedene Kleinigkeiten aus Glas allerlei Früchte, Geflügel und Schweine brachten die Eingebornen dagegen nicht. Diejenigen, welche man in der Nähe der Hütten sah, gehörten dem Könige, und jene hatten keine Erlaubniß zu deren Verkaufe. Viele Tahitier fragten auch nach Tupia, sprachen aber nicht weiter von ihm, als sie die Umstände erfuhren, unter denen er gestorben war.

Am nächsten Tage ankerten die beiden Schiffe auf der Rhede von Oaiti-Piha, zwei Kabellängen vom Ufer, und wurden bald von Besuchern und Händlern bestürmt. Einige machten sich die herrschende Dunkelheit zu nutze, die schon verkauften Waaren wieder in ihre Piroguen zu werfen, um sie sich noch einmal bezahlen zu lassen. Um dieser Betrügerei ein Ende zu machen, ließ Cook die Spitzbuben fortjagen, nachdem sie einige Hiebe erhalten hatten, eine Strafe, welche sie ohne Murren hinnahmen.

Des Nachmittags gingen die beiden Kapitäne ans Land, um den Wasserplatz zu besichtigen, den sie für gut erklärten. Während dieses kleinen Ausfluges drängten sich eine Menge Eingeborner an Bord, die sich sichtlich bemühten, ihren aus den früheren Mittheilungen Bougainvilles und Cooks schon bekannten übeln Ruf zu bekräftigen.

»Ein auf dem Vorderkastell stehender Officier, heißt es in dem Bericht, wollte einem in einer Pirogue sitzenden, etwa sechsjährigen Kinde einige Glasstückchen geben, ließ diese aber unversehens ins Meer fallen. Sofort sprang das Kind ins Wasser und tauchte nieder, bis es dieselben vom Grunde herausbrachte. Als Anerkennung seiner Geschicklichkeit warfen wir ihm noch einige Kleinigkeiten zu; diese Freigebigkeit lockte eine große Anzahl Männer und Frauen zusammen, welche uns durch ihre überraschende Gewandtheit in der Ausführung der verschiedensten Schwimm- und Taucher-Kunststückchen höchlich ergötzten. Wenn man sie so im Wasser und die Geschmeidigkeit ihrer Glieder sah, hätte man sie wahrlich fast für Amphibien halten mögen.«

Inzwischen erwischte man einige an Bord gekommene Tahitier beim Stehlen. Einer hatte sich ziemlich den ganzen Tag über in Cooks Wohnraum zu schaffen gemacht und sprangt nun eiligst ins Meer, so daß der über sein unverschämtes Auftreten erzürnte Kapitän ihm einen Schuß über den Kopf nachfeuerte. Ein zur Aufbringung der Piroguen der Diebe nachgesendetes Boot wurde bei der Annäherung an das Ufer mit Steinwürfen empfangen, so daß man einen Kanonenschuß abgeben mußte, um die Angreifer zum Rückzuge zu nöthigen. Diese Feindseligkeiten blieben indeß ohne weitere Folgen; die Eingebornen kehrten an Bord zurück, als ob gar nichts vorgefallen wäre. Cook vernahm von denselben, daß die meisten seiner alten Bekannten aus der Umgebung von Matavaï in einer, zwischen den Bewohnern der beiden Halbinseln stattgefundenen Schlacht geblieben seien.

Die Officiere unternahmen zu Lande wiederholte Spaziergänge; der von seinem Eifer für botanische Forschungen getriebene Forster fehlte bei keinem. Bei einem solchen Ausflüge lernte er auch die Art und Weise kennen, wie die Tahitierinnen ihre Stoffe herstellen.

»Kaum waren wir einige Schritte gegangen, erzählt er, als ein aus dem Walde kommendes Geräusch unsere Ohren traf. Demselben nachgehend, gelangten wir an einen kleinen Schuppen, wo fünf bis sechs, zu beiden Seiten eines langen, viereckigen Holzstückes sitzende Frauen die faserige Rinde des Maulbeerbaumes klopften, um daraus ihre Kleiderstoffe zu bereiten. Sie bedienten sich dazu eines anderen vierkantigen Holzstückes, das an den Seiten verschieden breite, parallele Längsrinnen zeigte. Sie hielten auch kurze Zeit inne, um uns die Rinde, den Schlägel und den, ihnen als Tisch dienenden Balken betrachten zu lassen; dazu zeigten sie uns in einer großen hohlen Cocosnuß eine klebrige Flüssigkeit, die sie dann und wann benützten, um die Rindenstücke mit einander zu verbinden. Dieser, unserer Untersuchung nach von Hibiscus esculentus herstammende Leim ist unentbehrlich zur Herstellung ihrer ungeheuer großen Gewebe oder Stoffe, welche manchmal in der Breite von zwei bis drei und in der Länge von fünfzig Ruthen aus kleinen Rindenstückchen eines Baumes von geringer Stärke zusammengesetzt sind ... Die mit dieser Arbeit beschäftigten Weiber trugen schmutzige, zerrissene Kleidung und hatten sehr harte und schwielige Hände.« Am nämlichen Tage bemerkte Forster einen Mann mit außerordentlich langen Nägeln, worüber jener, als einen Beweis, daß er nicht für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten brauche, sehr stolz zu sein schien. Auch aus dem Königreiche Annam, aus China und anderen Gegenden wird dieser eigenthümlichen, kindischen Mode erwähnt. Nur ein einziger Finger hat einen minder langen Nagel; derselbe dient dazu, sich zu – kratzen, was in den Ländern des äußersten Ostens oft höchst nothwendig ist.

Bei einem anderen Spaziergange traf Forster auf einen, im üppigen Grase behaglich dahingestreckten Eingebornen, der sich den lieben langen Tag über von seinen Frauen nur – füttern ließ. Diese elende Persönlichkeit, welche sich mästete, ohne der menschlichen Gesellschaft irgend einen Dienst geleistet zu haben, erinnerte den englischen Naturforscher lebhaft an John Mandevilles zornige Auslassung beim Erblicken »eines solchen Vielfraßes, der seine Tage hinbrachte, ohne sich nur durch die kleinste Waffenthat auszuzeichnen, und in Sinneslust dahinlebte wie ein Schwein, das man in einem Stalle mästet«.

Am 22. August ging Cook auf die Nachricht hin, daß sich der König Waheatua in der Nähe befinde und den Wunsch geäußert habe, ihn zu sehen, mit Kapitän Furneaux, den beiden Herren Forster und mehreren Eingebornen ans Land. Er traf jenen, der ihm mit großem Gefolge entgegenkam, und erkannte ihn sofort wieder, da er den König schon im Jahre 1769 wiederholt gesehen hatte.

Derselbe nannte sich als Kind damals Te-Arne, hatte nach seines Vaters Tode aber den Namen Waheatua angenommen. Er ließ den Kapitän auf seinem eigenen Sessel Platz nehmen und erkundigte sich angelegentlich nach mehreren Engländern, die er bei Gelegenheit der früheren Erdumsegelung kennen gelernt hatte. Cook beschenkte ihn nach der gewöhnlichen Begrüßung mit einem Hemd, einer Axt, mit Nägeln und anderen Kleinigkeiten; von allen diesen Gaben fand aber bei der Königin sowohl, wie bei den Eingebornen, welche ihrer Bewunderung durch lautes Freudengeschrei Luft machten, ein über Messingdraht angeordnetes Büschel rother Federn die hervorragendste Anerkennung.

Waheatua, der König von Klein-Tahiti, mochte jetzt siebzehn bis achtzehn Jahre zählen. Groß und wohlgestaltet hätte er, ohne einen, sein Gesicht entstellenden Zug von Furcht und Mißtrauen, recht wohl ein wirklich majestätisches Aussehen haben können. Seine nächste Umgebung bildeten mehrere Häuptlinge und Vornehme des Landes, die sich Alle durch besondere Größe, ein mit auffallenden Tätowirungen versehener unter ihnen, auch durch ungeheure Wohlbeleibtheit auszeichneten. Der König bewies diesem die achtungsvollste Ehrerbietung und befragte ihn jeden Augenblick, Cook hörte dabei, daß ein spanisches Schiff mehrere Monate vor ihm bei Tahiti gelegen hatte, und erfuhr später, daß es das, von Callao kommende Fahrzeug Domingo Buenecheaus gewesen war.

Während sich Etee, des Königs Vertrauter, mit einigen englischen Officieren über religiöse Gegenstände unterhielt und sie fragte, ob man bei ihnen auch einen Gott habe, vertrieb sich der König die Zeit mit Betrachtung der Uhr des Commandanten. Ganz erstaunt über das Geräusch, das man in derselben hörte, was er mit den Worten: »Sie spricht!« bezeichnete, fragte er auch, wozu sie wohl diente. Man erklärte ihm, daß sie die Zeit bestimme und hierin etwa der Sonne gliche, Waheatua gab ihr sofort den Namen »die kleine Sonne«, um anzudeuten, daß er die Erklärung verstanden habe.

Am 24. gingen die Schiffe, begleitet von vielen, mit Cocosnüssen und Früchten beladenen Piroguen, wieder unter Segel. Statt diese letzte Gelegenheit zur Erwerbung europäischer Waaren habgierig auszunutzen, verschleuderten die Eingebornen vielmehr ihre Erzeugnisse erstaunlich billig. So konnte man z. B. ein Dutzend der schönsten Cocosnüsse für eine einzige Glasperle erhalten. Dieser Ueberfluß an frischer Nahrung stellte die etwas wankende Gesundheit der Seeleute bald wieder her, und viele Matrosen, welche sich bei der Ankunft in Osnabrugh kaum fortschleppen konnten, bewegten sich bei der Abfahrt ohne jede Beschwerde.

Am 26. erreichten die »Resolution« und die »Aventure« den Hafen von Matavaï. Bald sammelte sich an Bord eine große Menge Tahitier. Die Meisten kannte der Kapitän schon, des wärmsten Empfanges erfreute sich indeß Lieutenant Pickersgill, der Walles im Jahre 1767, und zwei Jahre später auch Cook begleitet hatte.

Cook ließ zunächst für die Kranken, die Böttcher und die Segelmacher Zelte errichten; dann fuhr er mit Kapitän Furneaux und den beiden Forsters nach Oparee ab. Bald kam das Boot an einem Moraïaus Steinen und einem schon unter dem Namen Moraï Tootahahs bekannten Grabmale vorüber. Als Cook dasselbe ebenso kannte, unterbrach ihn ein Eingeborner mit den Worten, daß man dasselbe seit Tootahahs Tode den Moraï O-Toos nenne.

»Eine Wohl angebrachte Lection für Fürsten, die man damit schon bei Lebzeiten daran erinnert, daß sie ebenfalls sterblich sind und auch das Stückchen Land, welches ihr Leichnam braucht, ihnen nicht mehr gehört. Der Häuptling nebst seiner Frau legten beim Vorüberfahren die Kleidung von den Schultern ab, als Zeichen der Ehrfurcht der Urbewohner jedes Standes vor einem Moraï, der bei Allen im Geruche besonderer Heiligkeit steht.«

Cook wurde beim Könige O-Too bald vorgelassen. Nach einigen Ehrenbezeigungen bot er ihm Alles an, was er in dessen Augen für werthvoll hielt, da es ihm nützlich schien, die Freundschaft dieses Mannes zu gewinnen, von dem jedes Wort für die Furchtsamkeit seines Charakters zeugte. Groß und gutgewachsen, mochte der König etwa dreißig Jahre alt sein. Er erkundigte sich nach Tupia und den Gefährten Cooks, ohne Einen davon gesehen zu haben. Auch an alle, dem Anscheine nach einflußreichsten Persönlichkeiten seiner Umgebung wurden Geschenke mit vollen Händen vertheilt.

Die Frauen schickten sofort ihre Dienerinnen aus, »große Stücke ihrer schönsten, scharlach-, rosenroth oder paillegelb gefärbten und mit den besten wohlriechenden Oelen imprägnirten Stoffe zu holen. Sie ordneten diese über unserer Kleidung und benahmen sich dabei mit so zuvorkommender Liebenswürdigkeit, daß wir ihnen nicht wehren konnten.«

Am nächsten Tage stattete O-Too seinen Gegenbesuch bei dem Kapitän ab. Er betrat das Schiff nicht eher, als bis Cook sich in eine große Menge landesüblicher Gewänder hüllte, und wagte in das Zwischendeck nicht hinabzusteigen, bevor nicht sein Bruder dasselbe besichtigt hatte. Man nöthigte den König und sein Gefolge, zum Frühstück Platz zu nehmen, wobei die Eingebornen über die Bequemlichkeit der Stühle ganz entzückt erschienen. O-Too wollte kaum eine Speise kosten, welche Scheu seine Begleiter indeß keineswegs an den Tag legten. Er bewunderte sehr einen prächtigen, langhaarigen spanischen Jagdhund, welcher Forster angehörte, und bezeigte den Wunsch, ihn zu besitzen. Man schenkte ihn denselben augenblicklich und er ließ ihn durch einen Vornehmen seines Gefolges hinter seinen Stuhl führen. Nach dem Frühstücke begleitete der Commandant O-Too, dem Kapitän Furneaux noch einen Bock und eine Ziege geschenkt hatte, nach der Schaluppe. Während eines Ausfluges im Innern des Landes traf Pickersgill auch die alte Oberea wieder, die seinerzeit Wallis eine so innige Anhänglichkeit erwies. Sie schien alle ihre Würden verloren zu haben und befand sich in so ärmlichen Verhältnissen, daß sie ihren Freunden nicht einmal ein Geschenk verabreichen konnte.

Als Cook am 1. September abreiste, bat ein junger Tahitier, Namens Poreo, darum, ihn begleiten zu dürfen. Der Befehlshaber ertheilte seine Zustimmung in der Hoffnung, daß jener ihm nützlich sein könne. Als er die Heimat am fernen Horizonte verschwinden sah, konnte sich Porea der Thränen nicht enthalten. Die Officiere mußten ihm Trost zusprechen mit der Versicherung, daß sie jetzt seine Väter sein würden.

Cook begab sich nun nach der, nur fünfundzwanzig Meilen entfernten Insel Huaheine, wo er am 3. des Morgens vor Anker ging. Die Insulaner schafften hier eine Menge großen Geflügels herbei, das man um so freudiger entgegen nahm, als in Tahiti gerade hieran einiger Mangel herrschte. Bald wimmelte der Markt von Schweinen, Hunden und Früchten, die man vortheilhaft gegen Aexte, Nägel und Glaswaaren eintauschte. Ebenso wie Tahiti zeigte auch diese Insel Spuren Vulkanischer Ausbrüche und der Gipfel eines Hügels die unverkennbare Form eines Kraters. Der Anblick des Landes ist, in verkleinertem Maßstabe, dem von Tahiti gleich, denn Huaheine mißt nur sieben bis acht Meilen im Umfange.

Cook beeilte sich hier, seinen alten Freund Oree zu besuchen. Der König, ein Feind aller Förmlichkeiten, warf sich weinend dem Kapitän in die Arme und stellte ihm dann seine näheren Freunde vor, denen dieser einige Geschenke zukommen ließ. Dem Könige selbst bot er das Beste an, was er besaß, denn er betrachtete diesen Mann fast als Vater. Oree versprach, die Engländer mit allem Nothwendigen zu versorgen, und hielt auch getreulich Wort.

Am 6. des Morgens jedoch wurden die im Tauschhandel begriffenen Matrosen von einem ganz roth übermalten, in der Kriegstracht auftretenden Eingebornen, der in jeder Hand eine Keule führte, unversehens überfallen. Cook kam eben ans Land, stürzte sich auf den Wilden, rang mit demselben und entriß ihm glücklich seine Waffen, die er zertrümmerte.

An demselben Tage ereignete sich auch noch ein anderer Vorfall. Sparrman hatte sich, um zu botanisiren, unkluger Weise weit in das Innere begeben. Einige Eingeborne benutzten den Augenblick, als er eine Pflanze untersuchte, ihm das Jagdmesser, seine einzige Waffe, aus dem Gürtel zu rauben, womit sie ihm einen Hieb über den Kopf versetzten, sich dann auf ihn stürzten und ihm einen Theil der Kleidung stückweise vom Leibe rissen, Sparrman gelang es jedoch, sich zu erheben und in der Richtung nach dem Strande zu entfliehen. Durch Gebüsch und Wurzelwerk aber mehrfach aufgehalten, gelang es den Wilden, ihn wieder einzuholen, die ihm nun die Hände abschneiden wollten, um sich seines Hemdes zu bemächtigen, das am Vordertheil der Arme zugeknöpft war, als es ihm zum Glück gelang, die Bündchen mit den Zähnen zu zerreißen. Da ihn andere Insulaner so halbnackt und gemißhandelt erblickten, gaben sie ihm ihre eigene Kleidung und führten ihn nach dem Tauschhandelsplatze zurück, wo sich eben viele Eingeborne befanden. Als Sparrman in diesem Aufzuge erschien, ergriffen Alle die Flucht, ohne daß ihnen Jemand etwas zu Leide gethan hatte. Cook glaubte anfänglich, sie wären bei einem Diebstahle betroffen worden. Als ihn der Anblick des Naturforschers eines Besseren belehrte, rief er sogleich einige Eingeborne zurück, versicherte diesen, daß es ihm nicht in den Sinn kommen werde, an Unschuldigen Rache zu üben, und brachte seine Klage unmittelbar bei Oree vor. Der König war untröstlich und wüthend über das Vorgefallene und versprach, nichts zu unterlassen, um die Diebe zu ermitteln und das Gestohlene wieder herbeizuschaffen.

Trotz alles Flehens der Eingebornen bestieg der König die Schaluppe des Kommandanten und begann mit diesem die Aufsuchung der Schuldigen. Letztere hatten sich freilich aus dem Staube gemacht, so daß man auf deren sofortige Entdeckung verzichten mußte. Oree begleitete nun Cook auf das Schiff, speiste mit ihm daselbst und wurde bei seiner Rückkehr an das Ufer mit den lebhaftesten Jubelrufen seitens seiner Unterthanen empfangen, welche ihn schon niemals wiederzusehen glaubten.

»Eine der erfreulichsten, von dieser Reise mit heimgebrachten Eindrücke, sagt Forster, ist der, daß wir, statt die Ureinwohner jener Insel völlig in Sinnenlust versunken zu sehen, wie das frühere Reisende fälschlich behaupteten, unter ihnen vielmehr recht unverdorbene und zarte menschliche Empfindung fanden. Natürlich giebt es Verbrecher unter jedem Volke; man wird aber in England und in jedem civilisirten Lande gewiß fünfzigmal mehr Bösewichte antreffen, als auf diesen Inseln.«

Eben als die Schiffe abfahren wollten, kam Oree mit der Meldung, daß die Diebe ergriffen wären, und lud den Commandanten ein, zur Beiwohnung ihrer Bestrafung mit ans Land zu kommen. Jetzt war das freilich unthunlich. Dann wollte der König Cook noch eine halbe Weile weit in See begleiten und nahm von ihm rührend zärtlichen Abschied.

Der Aufenthalt hier war sehr ersprießlich gewesen. Die beiden Fahrzeuge nahmen, ohne des Geflügels und der Früchte zu erwähnen, mehr als dreihundert Schweine mit. Ohne Zweifel hätten sie sich bei längerer Dauer desselben leicht noch mehr verschaffen können.

Kapitän Furneaux hatte ebenfalls einen jungen Mann, Namens Omaï, mit an Bord genommen, dessen Benehmen und leichte Auffassungsgabe eine hohe Meinung von den Bewohnern der Gesellschaftsinseln geben mußte. Nach der Ankunft in England wurde dieser Tahitier durch den Grafen Sandwich, den ersten Lord der Admiralität, dem Könige vorgeführt. Gleichzeitig fand er in den Herren Banks und Solander Beschützer und Freunde, welche seine freundliche Aufnahme bei den ersten Familien Großbritanniens vermittelten. Zwei Jahre lang blieb er im Lande und schiffte sich dann bei Cooks dritter Reise zur Rückkehr nach seiner Heimath wieder mit ein.

Der Commandant segelte nun zunächst nach Ulietea, wo er von den Eingebornen sehr entgegenkommend empfangen wurde. Diese erkundigten sich eifrig nach Tupia und den Engländern, die sie auf der »Endeavour« gesehen hatten. Der König Oree beeilte sich, die alte Bekanntschaft mit Cook zu erneuern und lieferte ihm Alles, was die Insel nur hervorbrachte. Während des hiesigen Aufenthaltes ging der, auf der »Resolution« eingeschiffte Poreo mit einem jungen Tahitier, der ihn zu überreden gewußt haben mochte, ans Land und kehrte auch nicht wieder an Bord zurück. An seine Stelle trat ein Jüngling von siebzehn bis achtzehn Jahren, gebürtig aus Bolabola und Oedidi mit Namen, der sich erboten hatte, mit nach England zu gehen. Der Schmerz, den derselbe beim Abschiede von seinen Landsleuten zu erkennen gab, ließ auf ein gutes Herz unverkennbar schließen.

Mit über vierhundert Schweinen, vielem Federvieh und Obst aller Art verließen die Schiffe die Gesellschaftsinseln nun endgültig am 17. September und schlugen einen Kurs nach Westen ein. Sechs Tage später kam eine der Harvey-Inseln in Sicht und am 1. Oktober fiel der Anker vor Eoa, der von Tasman und Wallis früher Middelbourg genannten Insel.

Der Empfang seitens der Eingebornen war ein recht herzlicher. Ein Häuptling, Taï-One, kam an Bord, berührte des Kapitäns Nase mit einer Wurzel der Pfefferstaude und setzte sich, ohne ein Wort zu sprechen, nieder. Das Bündniß war durch jene einfache Zeremonie geschlossen und wurde durch das Verschenken einiger Kleinigkeiten nur noch bekräftigt.

Taï-One geleitete die Engländer in das Innere des Landes. So lange die Wanderung währte, sahen sich die Ankömmlinge von dichten Schaaren der Eingebornen umringt, die ihnen Stoffe und Strohmatten im Austausch gegen Nägel anboten. Oft trieben die Wilden ihre Freigebigkeit sogar so weit, für ihre Gaben keine Gegengeschenke annehmen zu wollen.

Taï-One führte die neuen Freunde auch nach seiner im Grunde eines lieblichen Thales und im Schatten einiger Sandhecks gelegenen Behausung. Er ließ ihnen einen, vor ihren Augen aus dem Safte der »Eava« oder »Ava« bereiteten Liqueur vorsetzen, dessen Genuß auf allen Inseln Polynesiens eingebürgert zu sein scheint.

Man gewann denselben auf folgende Weise: Zuerst wurden die Wurzeln der Pflanze, einer Art Pfefferstrauch, zerkaut, dann in ein geräumiges Holzgefäß geworfen und mit Wasser übergossen. Nachdem die Mischung darin trinkbar geworden, füllten sie die Eingebornen in große, grüne, kelchförmig zusammengebogene Blätter, deren jedes über eine halbe Pinte faßte. Cook kostete nur allein von dem Getränk. Die wenig appetitliche Art seiner Zubereitung hatte den Durst seiner Begleiter schon gelöscht; die Eingebornen besaßen eine solche Zurückhaltung dagegen nicht, und bald war die Butte bis auf den Grund geleert.

Die Engländer besuchten hierauf einige Anpflanzungen oder durch verschlungene Rosenhecken abgesonderte Gärten, welche mittelst hölzerner, in Haspen hängender Thüren in Verbindung standen. Die blühende Landcultur und der hochentwickelte Eigenthumsbegriff bewiesen eine weit höhere Civilisation als die Tahitis.

Trotz des ihm zu Theil gewordenen wohlwollenden Empfanges mußte Cook diese Insel doch bald verlassen, da er sich um keinen Preis weder Schweine noch Geflügel verschaffen konnte, um nach der Insel Amsterdam, dem Tonga-Tabu der Urbewohner, zu segeln, wo er hoffen durfte, alle nöthigen Lebensmittel zu erhalten. Bald ankerten die Schiffe auf der Rhede von Van-Diemen bei achtzehn Faden Wasser und einer Kabellänge von dem die ganze Küste umschließenden Klippengürtel. Die sehr zutraulichen Eingebornen brachten Stoffe, Strohgeflechte, Werkzeuge, Waffen, Zierraten und bald auch Schweine und Geflügel herbei. Oedidi kaufte ihnen eifrig rothe Federn ab, die seiner Versicherung nach auf Tahiti in hohem Preise standen.

Mit einem Eingebornen, Namens Attago, der sich ihm von der ersten Stunde ab angeschlossen hatte, ging Cook einmal an das Land. Bei diesem Spaziergange bemerkte er einen, den Moraïs ähnlichen Tempel, der hier mit der Allgemein-Benennung Faïtoka bezeichnet wurde. Errichtet auf einem, den Erdboden um sechzehn bis achtzehn Fuß überragenden, von Menschenhand aufgeworfenen Hügel, hatte das Gebäude die Form eines länglichen Viereckes, zu dem man mittelst zweier steinerner Treppen gelangte. So wie die Wohnungen der Eingebornen war es auf Pfählen mit Sparren erbaut und mit Palmenblättern bedeckt. Zwei roh gearbeitete, zwei Fuß lange Holzbilder standen in den Ecken.

»Da ich weder die Eingebornen noch ihre Götter beleidigen wollte, wagte ich nicht, diese zu berühren, fragte Attago aber, ob das »Eatuas« oder Götter seien. Ich weiß zwar nicht, ob er mich verstand, sofort nahm er sie aber in die Hände und drehte und wendete sie rücksichtslos um wie ein gewöhnliches Stück Holz, was mich überzeugte, daß jene keine Götzenbilder vorstellen konnten.«

Einige Diebstähle kamen zwar mitunter vor, sie störten jedoch das gute Einvernehmen nicht, und man konnte sich mit einer hinreichenden Menge von Stärkungsmitteln versorgen. Vor seiner Abreise hatte der Kapitän auch noch eine Zusammenkunft mit einer ganz außerordentlich verehrten Persönlichkeit, die die Eingebornen übereinstimmend als König bezeichneten.

»Ich fand den Mann sitzend, sagte Cook, aber mit einem so dummen und mürrischen Anstrich von erkünstelter Würde, daß ich ihn trotz aller Versicherungen doch nur für einen Schwachsinnigen hielt, den das Volk in seiner abergläubischen Anschauungsweise anbetete. Ich grüßte und sprach auf ihn, doch antwortete er weder, noch schenkte er mir auch nur einige Aufmerksamkeit... Schon schickte ich mich zum Weggehen an, als mir ein Eingeborner auf gar nicht mißzudeutende Weise zu verstehen gab, daß jener ihr König sei. Ich bot ihm nun als Geschenk ein Hemd, eine Axt, ein Stück rothen Stoffes, einen Spiegel, einige Nägel, Denkmünzen und Glasperlen an. Er nahm zwar Alles, oder er duldete vielmehr, die Geschenke auf oder rings um ihn niederzulegen, ohne seine Gravität zu verlieren, ohne ein Wort zu sprechen, ja ohne nur den Kopf nach rechts oder links zu wenden.«

Am folgenden Tage sandte der Häuptling indessen einen Korb mit Bananen nebst einem gebratenen Schweine und ließ dazu sagen, das schicke der »Ariki« der Insel dem »Ariki« des Fahrzeuges.

Dieser Archipel erhielt von Cook den Namen »die Insel der Freunde«. Schouten und Tasman hatten die Inseln schon gesehen und als Cocos-Inseln oder Inseln der Verräther, der Hoffnung oder Horns bezeichnet.

Wegen der Unmöglichkeit, sich Wasser zu verschaffen, mußte Cook Tonga eher verlassen, als er gewollt hatte. Gleichwohl gelang es ihm, manche Beobachtungen über die Erzeugnisse des Landes und die Sitten seiner Bewohner zu sammeln, deren hervorragendste wir im Nachstehenden wiedergeben.

Mit vollen Händen hat die Natur ihre Schätze über die Inseln Tonga und Eoa ausgestreut. Cocosbäume, Palmen, Brotfruchtbäume, Jamswurzeln und Zuckerrohr sind die gewöhnlichsten. An eßbaren Thieren finden sich hier außer Geflügel freilich nur Schweine, und wenn der Hund nicht vorkommt, so ist er doch wenigstens bekannt. An den Küsten wimmelt es von köstlichen Fischen.

Von derselben Größe und fast ebenso weiß wie die Europäer sind die Urbewohner dieser Inseln wohlgebaut und haben einnehmende Gesichtszüge. Ihre Haare von ursprünglich schwarzer Farbe pflegen sie mit verschiedenem Puder so zu färben, daß man weiße, rothe, sogar blaue findet, was eine höchst eigenthümliche Wirkung hervorbringt. Die Gewohnheit des Tätowirens herrscht ganz allgemein. Die gewöhnlichen Kleidungsstücke sind höchst einfach. Ein Stück um den Gürtel befestigter und bis zu den Knien herabhängender Stoff – das ist Alles. Die auf Tonga wie überall putzsüchtigeren Frauen aber verfertigen sich Schürzen aus Cocosfasern, welche sie mit kleinen Muscheln, bunten Stoffläppchen und Federn auszuschmücken lieben.

Die Eingebornen haben auch noch einige Eigenthümlichkeiten, welche die Engländer bei ihnen zum ersten Male beobachteten. So pflegen sie Alles auf den Kopf zu nehmen, was man ihnen giebt, und thun das auch, um einen Handel als abgeschlossen zu bezeichnen. Stirbt einer ihrer Freunde oder Eltern, so schneiden sie sich ein oder mehrere Fingerglieder oder einen ganzen Finger ab. Ihre Wohnungen bauen sie nicht zu Dörfern zusammen, sondern errichten sie einzeln und zerstreut inmitten der Pflanzungen. Aus demselben Materiale hergestellt und nach ganz gleichen Plänen construirt wie die auf den Gesellschaftsinseln, sind sie gewöhnlich nur etwas höher als diese.

Die »Aventure« und »Resolution« lichteten am 7. October die Anker, passirten am nächsten Tage die von Tasman entdeckte Insel Pylstart und liefen am 21. desselben Monats in die Hawke-Bai in Neuseeland ein.

Cook schiffte nun eine Anzahl Thiere aus, die er im Lande einbürgern wollte, und segelte dann nach dem Königin Charlotte-Kanal weiter; inzwischen überraschte ihn ein heftiger Sturm, der ihn von der »Aventure« trennte, die er erst in England wiederfinden sollte.

Am 25. November reparirte der Kapitän die Havarien seines Schiffes und unterrichtete sich, bevor er von Neuem auf das Meer hinausging, von dem Zustande und der Menge seines Proviants, wobei er leider die Entdeckung machte, daß 4500 Pfund Zwieback vollständig verdorben und über 3000 in nicht viel besserem Zustande waren.

Während seines hiesigen Aufenthaltes erhielt Cook einen neuen und noch schlagenderen Beweis von der Anthropophagie der Neuseeländer. Ein Officier hatte den Kopf eines jungen Mannes gekauft, der eben getödtet und verspeist worden war. Als das einige Eingeborne bemerkten, baten sie dringend, auch ein Stück davon zu erhalten. Cook überließ ihnen denselben, und aus der Gier, mit der sie sich auf die widerliche Speise stürzten, entnahm er, mit welchem Vergnügen diese Kannibalen eine Nahrung verzehren, die sie sich immerhin nicht allzu häufig verschaffen können.

Am 26. November verließ die »Resolution« Neuseeland, um sich noch einmal in die schon durchfahrenen eisigen Gegenden zu wagen. Um wie viel beschwerlicher sollte sich aber diese Reise gestalten! Tag für Tag wiederholten sich die in diesen hohen Breiten so gewöhnlichen Unfälle. Oedidi erstaunte gewaltig über den weißen Regen, den Schnee, der ihm in der Hand zerschmolz; noch mehr aber, als er das erste wirkliche Eis zu Gesicht bekam, das er für weiße Erde erklärte.

»Schon am äußersten Ende der gemäßigten Zone hatte ihn eine andere Erscheinung in größte Verwunderung versetzt, sagt der Bericht. So lange sich die Schiffe daselbst aufhielten, hatten wir so gut wie gar keine Nacht und konnten auch noch um Mitternacht bei Tageslicht schreiben. Oedidi wollte kaum seinen Augen trauen und versicherte uns, seine Landsleute würden ihn für einen Lügner halten, wenn er ihnen von versteinertem Regen und fortwährendem Tageslichte erzählte.«

Nach und nach gewöhnte sich der junge Tahitier freilich an diese Erscheinung, denn das Schiff drang durch das Treibeis bis zum 71. Grad südlicher Breite vor. Endlich gewann Cook die Überzeugung, daß der Zutritt zu einem etwa vorhandenen Kontinent doch auf jeden Fall durch Eis gesperrt sei, und entschloß er sich nun, wieder nach Norden zu steuern.

Die Befriedigung darüber war eine allgemeine. An Bord gab es Niemand, der nicht an langdauerndem heftigen Rheumatismus gelitten, oder wenigstens einen Anfall von Skorbut gehabt hätte. Der Kapitän selbst quälte sich mit einer galligen Krankheit, die ihn sogar an das Bett fesselte. Acht Tage lang schwankte er zwischen Tod und Leben und erholte sich nur unter vielen Leiden sehr langsam. Bis zum 11. März hielt man den nämlichen Kurs ein. Welche Freude, als da bei Sonnenaufgang der Wachposten: »Land! Land!« über das Schiff rief.

Es war die Osterinsel Roggeweens oder das sogenannte Davies-Land. Bei der Annäherung an das Ufer erregten die Aufmerksamkeit der Seefahrer zuerst jene riesenhaften Statuen, welche früher schon die Holländer mit Verwunderung gesehen hatten.

»Die Breite der Osterinsel, sagt Cook, stimmt bis auf eine oder zwei Minuten mit der Angabe von Roggeweens eigenhändigem Journal überein und ihre Länge ist nur um einen Grad falsch angegeben.«

Das aus zerrissenen Felsen mit düsterem eisenähnlichen Aussehen bestehende Ufer verrieth seinen Ursprung von mächtigen vulkanischen Eruptionen her. Nur in der Mitte der unfruchtbaren und halbverlassenen Insel fanden sich einige Anpflanzungen.

Das erste Wort, welches die Bewohner aussprachen, die nach dem Schiffe kamen, um sich einen Strick zu erbitten, war wunderbarer Weise ein tahitisches. Uebrigens erkannte man auch aus allem Uebrigen, daß sie von dort herstammten. So wie die Tahitier waren sie tätowirt und mit denselben Stoffen bekleidet, wie man sie auf den Gesellschaftsinseln findet.

»Die Einwirkung der Sonne auf den Kopf, heißt es in dem Bericht, hatte sie zur Erfindung verschiedener Mittel gedrängt, um sich dagegen zu schützen. Die meisten Männer trugen eine Art Reif von zwei Zoll Höhe, der über und über mit Gras besetzt und mit einem starken Büschel schwarzer Federn vom Halse des Fregattvogels bedeckt ist. Andere haben ungeheure Hüte aus Federn der braunen Seemöven, fast so umfangreich wie die Perrücken der europäischen Richter; wieder Andere endlich einen einfachen Holzreifen mit Seeschwalbenfedern, welche in der Luft schwanken. Die Frauen lieben einen großen und breiten Hut aus recht hübschem Strohgeflecht, der nach vorn zu eine Spitze, über dem Scheitel eine Art Giebel und an den Seiten zwei große Flügel bildet.

Mehrere Abtheilungen durchstreiften das ganze Land, das, mit schwärzlichen porösen Steinen bedeckt, einen trostlosen Anblick bot. Zwei bis drei Arten welken Grases, die kümmerlich inmitten der Felsen wuchsen, einige magere Gesträuche, darunter vorzüglich die Papierstaude, Hibiscus, Mimosen und dann und wann eine Banane, das war die ganze Vegetation, die in diesem Lavahaufen ihr Leben fristete.

Ganz in der Nähe des Landungsplatzes erhob sich eine senkrechte Mauer, nach allen Regeln der Kunst aus quadratisch behauenen Steinen aufgeführt und offenbar für lange Dauer berechnet. Weiterhin, inmitten eines wohlgepflasterten Hofes stand ein Monolyth, einen Menschen in halber Figur darstellend, von 20 Fuß Höhe und 5 Fuß Breite, der nur grob ausgearbeitet und dessen Kopf so schlecht hergestellt war, daß man Augen, Nase und Mund kaum erkennen konnte; nur die langen Ohren, die man der Sitte gemäß hier zu tragen und künstlich zu vergrößern pflegt, erschienen gänzlich vollendet.

Diese übrigens zahlreichen Monumente scheinen sicherlich nicht von dem Geschlechte, das die Engländer jetzt antrafen, hergestellt oder errichtet, es müßte denn sehr schnell gänzlich ausgeartet sein. Wenn die Eingebornen denselben keine besondere Aufmerksamkeit widmeten, sie in gutem Zustande zu erhalten, so erwiesen sie ihnen doch eine gewisse Verehrung und zeigten sich sehr unzufrieden, als man den Hof betrat, der dieselben enthielt. Uebrigens finden sich diese riesigen Wachtposten nicht nur am Strande des Meeres Auf den Abhängen der Berge, in den Höhlen mancher Felsen trifft man noch viele andere, die einen aufrechtstehend oder durch irgend eine Erschütterung umgestürzt, andere noch zum Theile in Verbindung mit dem Gestein, aus dem sie gemeißelt wurden. Welche plötzliche Katastrophe mag einst diese Arbeiten unterbrochen haben? Was bedeuten überhaupt diese Monolithen? Von welcher längstvergangenen Zeit zeugen sie für die Thätigkeit eines Volkes, das für immer von der Erde verschwunden oder in der Nacht früherer Jahrhunderte verloren gegangen ist? Das dürften wohl jetzt und immerdar ungelöste Räthsel bleiben.

Der Tauschhandel ging hier ziemlich leicht vor sich. Man hatte dabei nur die wahrhaft wunderbare Geschicklichkeit der Insulaner im heimlichen Entleeren fremder Taschen zu überwachen. Die wenigen frischen Nahrungsmittel, die man sich zu verschaffen vermochte, leisteten doch eine recht fühlbare Hilfe; nur der Mangel an Trinkwasser verhinderte Cook, länger an der Osterinsel zu verweilen.

Er richtete seinen Kurs nun nach dem seit 1595 von keinem Europäer wieder besuchten Marquisen-Archipel Mendanas. Kaum schaukelte sein Schiff aber auf der See, als er aufs Neue einen Anfall jenes Gallenfiebers bekam, an dem er schon einmal so empfindlich gelitten hatte. Auch an Skorbut erkrankten wieder mehrere Leute, wahrend alle Diejenigen, welche auf der Osterinsel längere Ausflüge unternommen hatten, im Gesichte von der Sonne gänzlich verbrannt waren.

Am 7. April 1774 endlich fand Cook den Archipel der Marquisen, erst nachdem er alle fünf Positionen, welche die Geographen für denselben angaben, aufgesucht hatte. Man ging bei Tao-Wahi, Mendanas Santa-Christina vor Anker. Bald wurde die »Resolution« von Piroguen umringt, deren Vordertheil mit Steinen beladen war, während jeder Mann in denselben eine Schleuder um die Hand gewickelt trug. Dennoch verkehrte man mit den Eingebornen ganz friedlich und der Tauschhandel begann.

»Diese Insulaner waren wohlgebaut, sagt Forster, von hübschem Gesichte und gelblichem oder lohähnlichem Teint, während viele über den ganzen Körper verstreut feine Striche sie fast schwarz erscheinen ließen ... Dichte Bäume erfüllten die Täler rings um unseren Hafen und Alles entsprach der einzig bekannten, noch von den Spaniern herrührenden Beschreibung. Am Walde, fern vom Strande, erblickten wir viele Feuer, ein Beweis, daß das Land stark bevölkert sein mochte.«

Die Schwierigkeit, sich Lebensmittel zu beschaffen, bestimmte Cook, bald wieder abzureisen, doch gelang es ihm, manche interessante Beobachtungen über dieses Volk zu machen, das er als eines der schönsten in ganz Oceanien bezeichnet. Die Ureinwohner hier scheinen wirklich alle Anderen an Regelmäßigkeit der Züge zu übertreffen. Die Übereinstimmung in ihrer Sprache mit der der Tahitier aber weist doch auf ein und denselben Ursprung mit den Letzteren hin.

Der Marquisen-Archipel besteht aus fünf Inseln: Magdalena, San-Pedro, Dominica, Santa-Christina und der Insel Hood, so genannt nach dem Namen des Freiwilligen, der sie zuerst erblickte. Santa-Christina ist durch eine ziemlich hohe Bergkette geteilt, an welche sich niedrige, aus dem Meere aufsteigende Hügel anschließen. Zwischen den Bergen liegen enge, tiefe fruchtbare Thäler mit vielen Obstbäumen und von krystallhellen Bächen bewässert. Der Hafen von Madre de Dios, den Cook »Resolutions-Hafen« taufte, ist etwa in der Mitte der Westküste von Santa-Christina zu suchen. Hier dehnen sich zwei sandige Buchten aus, in denen zwei Bäche münden.

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