Frei Lesen: Fünf Wochen im Ballon

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Jules Verne

Fünf Wochen im Ballon

Vierzigstes Capitel

eingestellt: 15.8.2007



Der Fluß theilte sich nun durch große Inseln in schmale Adern, die in sehr rascher Strömung dahinflossen. Auf einem der Eilande erhoben sich mehrere Schäferhütten, aber es war unmöglich, ihre Lage genau zu bestimmen, denn die Schnelligkeit des Victoria nahm fortwährend zu. Leider wandte er sich noch mehr südlich und überschritt in wenigen Augenblicken den Debo-See.

Fergusson suchte in verschiedenen Zonen nach anderen atmosphärischen Strömungen, indem er das Gas bis aufs Aeußerste ausdehnte, aber vergebens. Er gab auch bald dieses Experiment auf, da es den Verlust des Gases, das hierdurch gegen die abgenutzten Wände des Luftschiffes gedrängt wurde, nur beschleunigte.

Der Doctor schwieg, aber wurde sehr besorgt; dieser eigensinnige Wind, der ihn durchaus nach dem Süden Afrikas treiben wollte, machte all seine Berechnungen zu Schanden; er wußte nicht mehr, auf wen oder auf was er zählen konnte. Wie würde es ihnen ergehen, wenn sie anstatt auf die englischen und französischen Besitzungen, mitten unter die Barbaren der Küste von Guinea geriethen? Wie konnte er dort auf ein Schiff warten, das ihn nach England zurückbringen sollte? Die jetzige Windrichtung jagte ihn auf das Königreich Dahomey zu, unter die wildesten Völkerschaften und in die Gewalt eines Königs, der bei öffentlichen Festen Tausende von Menschenopfern hinschlachten ließ!

Andererseits wurde der Ballon matter und matter, und der Doctor fühlte, daß er nicht mehr viel von seinen Diensten zu erwarten hatte. Da indessen das Wetterglas etwas stieg, gab er sich der Hoffnung hin, daß das Ende des Regens eine Aenderung in den atmosphärischen Strömungen herbeiführen würde.

Bald jedoch wurde er durch folgende Betrachtung Joes zu der richtigen Auffassung seiner Lage zurückgeführt:

»Gut! begann dieser, der Regen wird sich noch verdoppeln, und diesmal werden wir von einer wahren Sündfluth übergossen, wenn ich nach jener Wolke dort schließen darf.

– Noch eine Wolke! seufzte Fergusson.

– Und eine tüchtige! fügte Kennedy hinzu.

– So eine habe ich allerdings noch nie gesehen, versetzte Joe, sie sieht aus wie eine Masse Gräten, die auf eine Schnur gezogen sind.

– Ich athme wieder auf, rief der Doctor, als er sein Fernglas absetzte. Es ist keine Wolke.

– Was denn? fragte Joe erstaunt.

– Ein Heuschreckenschwarm, der wie eine Wetterwolke vorüberzieht!

– Das sollen Heuschrecken sein?

»Milliarden von Heuschrecken. Wehe dem Lande, auf das sie sich herniederlassen, es wird zu einer Wüste!«

»Das möchte ich wohl mit ansehen.«

»Warte noch ein wenig, Joe; in zehn Minuten etwa wird diese Wolke uns erreicht haben, dann kannst Du aus eigener Anschauung urtheilen.«

Fergusson hatte Recht; das dichte, dunkle Gewölk von mehreren Meilen im Umfange kam mit einem betäubenden Geräusch heran, indem es seinen ungeheuren Schatten auf die Erdoberfläche warf, und eine zahllose Menge jener Heuschrecken, die man Schnarrheuschrecken (Acridium) nennt, ließ sich ungefähr hundert Schritte vom Victoria auf einem frischgrünen Felde nieder. Eine Viertelstunde später flog die Masse weiter, und die Reisenden konnten noch aus der Ferne wahrnehmen, daß die Bäume und Büsche nun ganz kahl, die Wiesen wie abgemäht waren. Es schien, als hätte ein plötzlicher Winter der Landschaft all ihre Reize genommen.

»Nun, Joe?«

»Nun, Herr Doctor, es war sehr interessant, aber doch auch sehr natürlich. Was eine Heuschrecke im Kleinen thun würde, führen Milliarden im Großen aus.«

»Es ist ein furchtbarer Regen, und viel verheerender als das heftigste Hagelwetter«, bemerkte der Jäger.

»Und es giebt kein Mittel, sich davor zu schützen, fügte Fergusson hinzu; bisweilen haben die Bewohner des Landes daran gedacht, Wälder, ja sogar Erntefelder in Brand zu stecken, um den Flug dieser Insecten aufzuhalten, aber die ersten Reihen stürzten sich in die Flammen, verlöschten und erstickten sie durch ihre Masse, und die übrige Schaar zog dann siegreich weiter. Glücklicher Weise bieten sie selber in diesen Gegenden eine Art Ersatz für ihre Verwüstungen; die Eingeborenen sammeln die Thiere in Mengen und verzehren sie mit großem Wohlbehagen.

– Es sind die Flohkrebse der Luft,« meinte Joe, der sehr bedauerte, daß er sie »zu seiner Belehrung« nicht hatte kosten können.

Gegen Abend wurde das Land sumpfiger; die Wälder machten einzelnen Baumgruppen Platz, an den Ufern des Flusses zeigten sich hie und da Tabakpflanzungen und Brüche mit fetten Futterkräutern. Auf einer großen Insel erschien die Stadt Dschenna mit den beiden Thürmen ihrer aus Erde erbauten Moschee; es verbreitete sich ein pestilenzialischer Geruch, der aus Millionen von Schwalbennestern hervordrang, die an den Mauern klebten. Einige Wipfel von Baobabs, Mimosen und Dattelpalmen ragten zwischen den Häusern empor; selbst in der Nacht schien hier große Thätigkeit zu herrschen. Dschenna treibt einen starken Handel; es versieht Timbuktu mit Allem, was es bedarf; seine Barken bringen auf dem Flusse, und seine Karawanen auf beschatteten Wegen die verschiedenartigsten, industriellen Erzeugnisse dorthin.

»Wenn dadurch nicht eine Verlängerung unserer Reise herbeigeführt wäre, sagte der Doctor, hätte ich wohl in diese Stadt hinabsteigen mögen; es hält sich hier gewiß mancher Araber auf, der in Frankreich oder England gereist, und dem unsere Weise der Locomotion nicht unbekannt ist. Unter den gegebenen Verhältnissen wäre dies aber unvorsichtig gewesen.

– Wir wollen diesen Besuch auf unsere nächste Excursion verschieben, rief Joe lachend.

– Wenn ich mich übrigens nicht täusche, meine Freunde, zeigt der Wind eine kleine Neigung, aus Osten zu blasen. Solche Gelegenheit dürfen wir nicht unbenutzt vorübergehen lassen.«

Der Doctor schleuderte einige überflüssig gewordene Gegenstände, leere Flaschen und eine Fleischkiste, die nicht mehr gebraucht wurde, aus der Gondel, und es gelang ihm, den Victoria in einer Zone zu halten, die seinen Plänen günstig war. Um vier Uhr Morgens beleuchteten die ersten Sonnenstrahlen Sego, die Hauptstadt von Bambarra, eine Stadt, die dadurch kenntlich ist, daß sie aus vier einzelnen Städten besteht. Die Reisenden konnten nur im Fluge die maurischen Moscheen und das rege Kommen und Gehen der Fähren, welche die Einwohner nach den verschiedenen Stadtvierteln bringen, gewahren; der Südostwind trieb sie zu schnell vorüber, um ihnen einen genaueren Einblick in die Stadt zu gewähren, und so zogen sie schnell, ohne zu sehen oder gesehen zu werden, vorüber. Die Besorgnisse des Doctors schwanden nach und nach.

»Noch zwei Tage so rasch in dieser Richtung weiter, und wir können den Senegal erreichen.

– Dann sind wir in befreundeten Landstrichen? fragte der Jäger.

– Noch nicht ganz; wenn der Victoria uns aber im Stich lassen sollte, könnten mir dann zu französischen Niederlassungen gelangen. Ach, möchte er doch noch einige hundert Meilen aushalten, dann kämen wir ohne Strapazen, ohne Befürchtungen und ohne Fährlichkeiten bis zur Westküste.

– Und dann ist der Scherz zu Ende, meinte Joe. Wenn es nicht um das Vergnügen des Erzählens wäre, möchte ich nie wieder den Fuß auf festes Land setzen. Meinen Sie, daß man uns Glauben schenken wird, Herr Doctor?

– Wer weiß, mein lieber Joe? Schließlich wird doch die eine Thatsache sich nicht wegleugnen lassen; tausend Zeugen haben mit angesehen, wie wir auf der einen Seite Afrikas abgereist sind, und tausend Zeugen werden uns auf der andern Seite ankommen sehen.

– In diesem Fall scheint mir die Behauptung, wir hätten die Fahrt über Aftika nicht gemacht, unmöglich, fügte Kennedy hinzu.

– Ach, Herr Samuel, versetzte Joe mit einem schweren Seufzer, ich werde noch mehr als ein Mal den Verlust meiner Kieselsteine von massivem Golde bedauern! Das hätte erst unsern Aussagen Gewicht, und unsern Erzählungen Wahrscheinlichkeit gegeben. Jeder Gramm Goldes hätte mir eine Menge Zuhörer verschafft, die meine Erzählungen angestaunt und mich bewundert hätten.«


 

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