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Wilhelm Raabe

Das Horn von Wanza

Fünfzehntes Kapitel

eingestellt: 28.7.2007



Der Tag blieb regnerisch, doch eigentliche Regenschauer waren nur am Morgen heruntergekommen. Der Nachmittag fand die Gassen des Städtchens im ziemlich abgetrockneten Zustande, und zwischen drei und vier Uhr sah Wanza etwas ganz Neues. Es erblickte seine Frau Rittmeisterin am Arme des Jünglings aus der Fremde, von dem das Gerücht wußte, daß er auch Grünhage heiße, vorgebe, der Neffe der alten Dame zu sein, und mit der ausgesprochenen Absicht in der Stadt sich aufhalte, sie – die arme Alte mit dem gar nicht übeln Vermögen so rasch als möglich zu beerben. Wanza wunderte sich. Es wunderte sich unendlich über die unbegreifliche, bodenlose Naivität, mit der die sonst doch ganz scharfe Frau diesen doch so klar zutage liegenden Absichten anheimgefallen war. Daß der Erbschleicher ein ganz hübscher Mensch sei, gestanden wenigstens die jungen Mädchen von der Wipper hinter ihren Gardinen zu; der junge hübsche Mensch aber sah merkwürdig unbefangen zu ihren Fenstern hinauf, schien große Lust zu haben zu grüßen und war sich unstreitig doch dabei der Ehre und des Vergnügens bewußt, die hübscheste und wohlhabendste Greisin von Wanza an seinem Arm über den Markt und gegen das Teichtor hinzuführen. Die dem Paare begegnenden Wanzaer grüßten höflich zuerst.

In einer der Hauptstraßen der Stadt wohnte Fräulein Thekla Overhaus nicht mehr. Vor dem Teichtore erstreckt sich ziemlich weit ausgedehnt eine Art Vorstadt, bestehend aus den Hütten und Häuschen der kleinsten Leute und der Gemüsegärtner des Ortes. Alle Gassen oder besser Gäßchen laufen hier sofort in Feldwege oder Wege zwischen Gartenhecken und Zäunen aus. Im Sommer gibt es nichts Grüneres, im Winter nichts Verschneiteres als diese Gegend; und »der Schmutz ist auch großartig, sobald es nur eine halbe Stunde lang geregnet hat«, sagte die Tante Sophie.

»Wie oft habe ich sie schon gebeten«, fügte sie hinzu, »es doch wenn nicht mir, so doch meinen weißen Strümpfen zuliebe zu tun und zu mir zu ziehen und mein Haus, in dem ich bis jetzt ja doch nur mit den Mäusen, Ratten und Katzen allein gewohnt habe, mit mir zu teilen. Aber da kennst du ihren steifen Sinn und Nacken nicht! Ich habe es denn auch allmählich aufgegeben, ihr damit die Laune zu verderben, und wate, wies Exempel zeigt, durch jeglichen Sumpf mit Todesverachtung zu ihr, solange es der liebe Gott erlauben wird. Du hast es schon gehört, daß die Overhaus die reichsten Leute hier am Orte waren und lange Zeit mit vollem Rechte die erste Geige spielten; aber wie das so geht, auf die Vergänglichkeit ist alles in dieser Welt gestellt. Es war auch eine volkreiche Familie; und heute ist von der ganzen Schar die Alte allein noch übrig und von dem großen Wohlstande gar nichts. Da sind wir nun, Bernhard, und wenn du dich in Wanza schon einige Male gewundert hast, so kannst du jetzt von neuem dazu kommen. Siehst du, da sitzt das alte brave Mädchen, barhäuptig bei einer Witterung wie diese, im Winde und unterm Regenhimmel mit seinem Strickzeug und dirigiert seinen Majordomus Marten Marten bei der Hausarbeit. Jaja, von Rheumatismus hat sie nie was gehört, und was die Bedienung und Aufwartung anbetrifft, so kanns keine Prinzeß großartiger haben und besser sich wünschen.«

Es war eines der bessern von den bescheidenen Gärtnerhäuschen, das Fräulein Thekla Overhaus mit dem Gärtner und seiner Familie teilte und vor dem sie wirklich allem übeln Wetter zum Trotz eben saß und der Säge, der Axt und den angenehmen Reden des Meisters Marten Marten zuhörte.

»Wir sind es, Thekla«, rief die Frau Rittmeisterin; »ich und mein Neffe. Hier bringe ich dir den jungen Grünhage, von dem dir Marten sicherlich schon Bericht erstattet hat.«

Das alte Fräulein erhob sich von ihrem Schemel, und wie sie da stand mit dem Herbstwind in ihren Haubenbändern und weißem Haar, hatte sie trotz dem Strickzeug in ihren Händen und dem blauwollenen Garnknäuel unter der linken Achsel in der Tat etwas Prinzeßhaftes an sich. Und obwohl sie eben gelacht hatte und noch nicht ganz damit fertig war, sah man ihr das Patriziertum des Städtchens wahrlich an; und Marten stand mit der Mütze in der einen Faust und der Holzaxt in der andern auch nicht anders neben ihr als ein etwas eingeschrumpfelter Leibtrabant, der mit seinem Beil nicht nur ihr Holz klein machte, sondern auf ihren Wunsch mit Vergnügen jedweden Widersacher um einen Kopf kürzer gemacht haben würde.

»Marten hat mir freilich schon von dem jungen Herrn gesprochen«, sagte das Fräulein, »und ich freue mich deinetwillen, Sophie!«

»Schön! Dann kommt zu dem übrigen nur rasch ins Haus. Da haben wir die ersten Tropfen schon wieder, und der Nordost weiß es auch sicher, daß die Blätter von diesem Jahre jetzt ihm gehören. Die da macht sich freilich nichts daraus, wie du siehst, Bernhard; höchstens findet sie es sonderbar, daß mich mein Leben mehr verwöhnt und verweichlicht habe als sie das ihrige.«

»Nun, jeder in seiner Art! Zäh genug sind wir alle zwei gottlob geworden, Rittmeisterin Grünhage.«

»Gottlob!« sagte auch die Tante; doch Fräulein Overhaus wendete sich zu ihrem Oberhaushofmeister: »Marten!«, und der Nachtwächter von Wanza sprang zu. Er hatte dem feuchtkalten Tage zum Trotz auch in Hemdsärmeln an seinem Sägebock und Hackklotz gestanden, war aber beim ersten Erblicken des Besuchs so rasch als möglich in seine Jacke gefahren, und so bot er jetzt seinem Fräulein den Arm: niemand hatte dem Studenten mitgeteilt, daß die älteste Jungfer von Wanza seit einigen Jahren vollkommen erblindet sei. Jedermann hatte natürlich das als jedermann bekannt vorausgesetzt, sogar die Tante Grünhage.

Sie traten in das Haus, und ein halbwachsen Mädchen, die Tochter der Gärtnersleute, räumte allerhand Haus- und Gartengerät aus dem Wege, ehe es dienstbeflissen die Tür der Stube »Fräuleins« öffnete und den Nordostwind sowohl heraus- wie hereinließ. Da schloß die Frau Rittmeisterin die Fenster im Zimmer gleich lieber selber und wartete auf keinen andern zur Hülfsleistung.

»Das sind mir Veteranen!« brummte sie; »ich meine doch, daß ich auch meine Feldzüge hinter mir habe, die mir doppelt angestrichen werden können, was die Abhärtung angeht; aber hiergegen ist ein Kartoffel- oder Biwakfeuer im freien Felde mir lieber. Siehst du, Bernhard, dies ist auch einer von den Millionen Gründen, weswegen sie nicht zu mir ziehen will. Es zieht ihr überall nicht genug bei mir, es ist ihr überall bei mir zu warm; oh, es gehört wahrlich ein recht heißes Herz dazu, um mit ihr zurechtkommen zu können. Na, einerlei; hier sitze ich denn mal wieder, o du – eiserne Jungfrau von Wanza!«

»Wieder einmal ein recht hübsches neues Epitheton, Fickchen!« rief das Fräulein lachend. »Daß sie darin groß ist, haben Sie wohl auch schon an ihr erfahren, Herr Studiosus?«

Vor allen Dingen hätte ihr der Herr Studiosus sagen mögen, wie ihm ihr Lachen, ihr aufrecht Haupt, ihre Haube, das graue Kleid, das sie trug, ihre Stube und die reine Luft um sie her imponierten; aber fürs erste hatte die Tante Sophie noch etwas zu sagen.

»Jetzt nennt sie, so wahr ich lebe, den dummen Jungen Sie!« rief sie. » Sie redet er dich an, Thekla; du aber wartest erst ab, bis er es gleichfalls durch Naseweisheit oder andere Untugenden mal verdient hat, daß du ihn durch Höflichkeit rot anlaufen läßt, wie dann und wann den nichtsnutzigen Menschen, unsern guten Freund Dorsten. Und nun, Marten, wie wärs mit dem ersten Feuerchen im Ofen? Rot anlaufen lassen wir den gleichfalls erst später; aber ein wenig kochend Wasser für den Teetopf möchte ich doch gern haben.«

Und die Dämmerung nahm zu mit dem Wind und dem Regen vor den Fenstern. Marten wußte den kleinen eisernen Ofen wohl zu behandeln; als er vor ihm kniete und in die erste Glut blies, sahen alle nach ihm hin, auch Fräulein Thekla horchte fröhlich auf das Prasseln und Knattern der Tannenspäne. Der Tee kam so richtig wie in dem Hause am Markte auf den Tisch; dem Studenten aber schwand es mehr denn je bis jetzt in Wanza aus dem Begriff, daß er sich mit seiner Existenz bereits im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts befand. Die Wunder der Vergangenheit, auf die zu Hause selber niemand recht achtet, häuften sich um ihn her, und er achtete, jetzt in der Fremde, die sich ihm so wunderlich bekannt-behaglich gestaltete, sehr darauf, und fest nahm er sich vor, künftig in der Heimat, das heißt in Gifhorn an der Aller, auch besser aufzupassen – »schon der kulturhistorischen Vergleichungen wegen«, wie er sich lächerlicherweise immer noch in dem bekannten dummklugen Tagesjargon vorredete. Auf was für Redensarten verfällt der Mensch nicht dann und wann, um sein menschlich Interesse an einem Dinge bei sich selber oder gar bei andern zu entschuldigen!

»›Na, wer sattelt nun seinen Hippogryphen zum Ritte ins alte romantische Land?‹ würde unser guter Bürgermeister sagen«, sprach die achtzigjährige Blinde lächelnd. »Wer hebt von meinen Augen den Nebel... das heißt, was gibt es Neues in Wanza, Fiekchen?«

»Jedenfalls bringst du mich mit deinem alten Wieland und seinem Oberon sofort auf das richtige Feld«, meinte die Frau Rittmeisterin. »Es klingt mit lieblichem Ton das elfenbeinerne Horn, und alle ergreift die wilde Lust zu tanzen; ganz Wanza hebt sich schon auf den Zehenspitzen und probiert die Kniegelenke; aber ein wahres Glück ist es doch, daß mein Herr Neffe hier heute morgen bei dem Narrenkonvivium auf dem Rathause zugegen gewesen ist, sonst wüßte ich wahrscheinlich noch nicht das geringste von der ganzen Geschichte. Sie sind und bleiben ein alter Narr, Marten.«

»Wovon redest du denn eigentlich, Fiekchen?«

»Nun, von seinem Tuthorn, und was dranhängt. Also dir hat er gleichfalls sein Herz verschlossen gehalten? Natürlich! Und es ist sein einziger Wunsch zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum, sagt mein Neffe und nennt ihn ganz im geheimen einen ganz kuriosen Kindskopf –«

»O ganz gewiß nicht, Fräulein Overhaus!« rief der Student; und das Fräulein rief:

»Jetzt redet ihr Verständigen endlich verständig und sagt deutlich, wovon ihr ins Blaue hinein schwatzt!«

Nun kam die Geschichte heraus, das heißt der Meister Marten Marten schämig und verlegen jetzt zum Wort, um sich wegen der »ihm entfahrenen Dummheit auf dem Rathause« bei seinen zwei Freundinnen zu rechtfertigen; und rührend und komisch zugleich wars, wie sie mit ihrem ganzen Interesse bei der »Torheit« waren. Es gab wahrlich viel großartigste Jubiläen auf Erden, die wohl mit mehr Lärm, aber sicherlich nicht mit mehr Eifer behandelt wurden; und zum zweitenmal strich mitten in der Rede das erblindete Fräulein dem Studenten mit der Hand über das Gesicht, wie um sich zu überzeugen, ob er sich auch nicht langweile.

»Nicht wahr, wir sind sonderbare Leute hier im Orte, wir ältesten wenigstens?« fragte sie. »Werde nur auch alt und komme nur auch deinen Enkeln und Neffen und Nachkommen sonderbar in der richtigen Weise vor, junger Mann. Es soll dir erlaubt sein, dann ebenso schwatzhaft zu sein wie wir heute. Also dem Meister Marten habt ihr seine Lebenshistorie, mit eueren Akten auf dem Tische, herausgezerrt? Und meine mit, und die meines seligen Bräutigams auch? Ganz gewöhnliche Geschichten, mein Kind! Kannst auch dergleichen erleben im Frieden und im Kriege. Werde nur alt! werde alt, recht, recht alt! Wenn du den Kopf oben behältst, tut dir auch das Altwerden nichts. Frage nur den Meister Marten, frage deine Tante Grünhage. Hat dir ja auch wohl schon von sich erzählt?«

»Alte Violen!« rief die Frau Rittmeisterin. »In deine ›Potpourrivase‹ habe ich ihn riechen lassen. Ich weiß selber nicht, wie ich eigentlich dazu gekommen bin. Es hatte so lange kein Grünhage die Nase bei mir in die Tür gesteckt; und nun kam dieser hier aus der Lüneburger Heide und bestellte Grüße von seinem Herrn Vater, meinem Hochzeitsgast Anno neunzehn in Halle an der Saale. Und den Dorsten sah ich wie gewöhnlich nach dem Kellerschlüssel blinzeln und war wie gewöhnlich seiner stummen Sehnsucht gegenüber weichmütiger, als dem Burschen dienlich ist. Und so kam ich ins Erzählen, und dazwischen rief der Meister Marten, und so ließ ich wahrhaftig nicht eher ab, bis ich in der Michaelisnacht hier in Wanza ankam – grade recht zum Jubiläum nach fünfzig Jahren.«

»Mit klingendem Herzen habe ich zugehört!« rief Bernhard Grünhage. »Meine Schwester Käthe sagt so, wenn sie wieder mal hundert Glocken aus dem Märchenbuch im Ohr gehabt hat. O, ich habe ihr heute nachmittag davon geschrieben; aber besser wärs, sie säße jetzt mit an diesem Tische und hörte selber! Wenn ich jemanden hierher wünsche, so ist es unsere Alte, meine Schwester Käthe!«

Sie waren sämtlich einverstanden mit dem Wunsche des Studenten, und Fräulein Thekla sagte: »Unsere Alte nannten sie mich vor sechzig, siebenzig Jahren auch in meines Vaters Hause; nur mein seliger Erdmann hat das nie getan; er nannte mich nur sein liebes Kind. Weißt du noch, Marten?«

»Gewiß, Fräulein!« sagte der Nachtwächter. »Aber Fräulein, es ist doch eigentlich schade, daß die Frau Rittmeistern den Herrn Nevöh nur bis zu ihrer Ankunft allhier in Wanza gebracht hat. Meiner Meinung nach kommt da das beste erst nachher; nur erzählt vielleicht der großen Lobwürdigkeit wegen ein anderer besser davon, zum Exempel Sie, Fräulein!... Schade, daß ich nicht in mein Horn dazu blasen kann; aber Fräulein, Sie sollten wirklich dem jungen Herrn auch davon Bericht geben, wie die Frau Rittmeistern im Verlaufe der Zeiten es fertigbrachte und Sie, Fräulein, dazu halfen, den seligen Herrn Onkel, den Herrn Rittmeister, zu – zu –«

»Ducken!« sprach Thekla. »Gib dir mit dem Suchen weiter keine Mühe, ein ander Wort gibt es nicht.«

»Na, na!« sagte die Tante Sophie hinter ihrer Teetasse.

»Und Wanza duckte sie ganz gehörig mit«, fuhr das Fräulein fort, »und es war wirklich die höchste Zeit, daß endlich einmal jemand kam und das alte Nest zurechtrückte. Aber Kinder, seid ihr denn sicher, daß das Kind, der junge Mensch hier, schon versteht, was wir ihm erzählen können?«

»Übertreibe nur recht, altes Mädchen«, meinte die Tante Grünhage, die, statt verlegen und abwehrend zu tun, ganz behaglich still saß und gar nichts dagegen einzuwenden hatte, daß ihr Lob gesungen werden sollte. »Übertreibst du nur ordentlich, wie es sich heute gehört, so wird der Junge ja wohl wieder einmal die Glocken aus dem Märchenbuche läuten hören. Übertrieben wollen sie aber jetzt alles haben, mein Mädchen. Das merke dir, ehe du deinen Psalm über mich beginnst!«

Nun klingt es auch dem Unbefangensten immer ein wenig seltsam, wenn ein achtzigjährig Mütterchen plötzlich noch als Mädchen angeredet wird; aber im gegenwärtigen Falle fand der Jüngste in der Gesellschaft gar nichts Kurioses dabei. Im Gegenteil – der Student von heute kam sich merkwürdig als der Älteste im Kreise vor. Sie waren alle fast ein Jahrhundert jünger als er; er aber hatte bis dato nur aus seinen Büchern von ihnen erfahren, und nun blieb ihm nichts übrig, als – die Jungen reden zu hören und mit seiner altklugen Büchererfahrung gleichfalls sehr geduckt dabeizusitzen.

»Zu übertreiben ist hier eigentlich nichts, Frau Rittmeistern«, meinte Marten Marten. »Nur ein paar von unsern begrabenen Wanzaern, die ich vorgestern nacht dem Herrn Nevöh durchs Kirchhofsgitter zeigen sollte –«

»Oh!« stöhnte der Student.

»Sollten auch noch ihr Wort dazugeben können. Erzählen Sie dreist und schlankweg dem jungen Herrn von seiner Frau Tante, Fräulein.«

»Mein Wort darf ich doch wohl stellenweise dreingeben, da ich nun einmal noch dabeisitze«, meinte die Tante lächelnd. »Na, nur zu; es soll mich deinetwegen freuen, wenn etwas Nützliches für dich bei der Geschichte zutage kommt, mein Sohn Bernhard.«

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