Frei Lesen: Der Werwolf

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Willibald Alexis

Der Werwolf

Hake von Stülpe, Erstes Kapitel

eingestellt: 8.8.2007



»Daß Gott erbarm!« rief Frau von Bredow, und wollte wieder ihre Hände falten, aber der Kopf war noch nicht recht im Gleichgewicht; auch die runde Brille war unter die Augen gerutscht, und das abgegriffene Buch, das ihr auf den Schoß gesunken, dieweil der Schlaf mit seinen Sammetfingern über ihre Wimpern strich, war jetzt zur Erde gefallen.

Davon war sie vielleicht erwacht.

»Du meine Zeit, was war das?«

Die Mägde hätten nicht nötig gehabt zu antworten; der Wind antwortete schon selbst, und wenn er vorübersauste und in den Wäldern nachheulte, surrte und summte es unheimlich draußen, als kratze es mit tausend weichen Katzenpfoten an die Eichenläden der Fenster.

»Der weiße Mann ist draußen,« sagte der Knecht Ruprecht, der das Feuer auf dem Herde schürte.

Aber dem weißen Manne draußen, der so ungestüm den Bewohnern ansagte, daß er in der Burg Einlagerung getan, antwortete drinnen ein anderes Schnurren und Surren; gleich wie seinen Schneeflocken zum Trotz drehten sich und schwirrten die Spinnrocken, und die Holzschuhe klappten dazu lustig auf dem Estrich.

Der weiße Mann, wenn er durch die Läden in die warme Halle hätte schauen können, hätte sich wohl gewundert, wie Menschenwitz es mit seinem Grimm aufnimmt. Es hatte sich mancherlei seit den zehn oder fünfzehn Jahren geändert, seit unser Aug nicht in die Burghalle von Hohenziatz blickte. Die Läden von Eichenholz waren fest gezimmert und beschlagen, und die Ritzen zwischen Stil und Stein mit Moos und Lehm verklebt und mit Mörtel verstrichen. Das Wetter mußte draußen bleiben, und auch der Wind, wenn er noch so sehr aus seinen Pausbacken blies, wehte doch nur ein weniges die flackernden Kienspäne, die an die Pfeiler gesteckt, das Gemach hell machten.

Das Alter ist auch ein weißer Mann, aber er lebt nicht in guter Freundschaft mit seinem Bruder, der die Bäume entlaubt und Glasdecken über die Teiche breitet, und das weiße Sterbekleid über die Felder. Er führt nicht offenen Krieg mit ihm, denn der Bruder draußen hat ihm eine zu starke Lunge, aber er hats vom Dachs gelernt, wie er sich gegen ihn verschanzt.

»Den Tieren tuts der liebe Gott,« hatte die Burgfrau gesagt, »der gibt ihnen Haare und Federn aufs Fell; der Mensch muß das Fell sich selber suchen.« – »Darum hat auch Gott die Jagd erlaubt,« hatte der Knecht Ruprecht erwidert, wenn die Gnädige bisweilen meinte, Jagen sei doch ein gottlos Vergnügen. – »Ruprecht,« sagte sie dann, »ists auch so?« und legte die Hand aufs Buch. »Hat doch der liebe Gott jedweder Kreatur ihr eigen Fell gegeben, dem Fuchs und dem Bär und dem Hirsch, als wie ers braucht, und der Fuchs möchte nicht des Bären und der Bär nicht des Hirschen Haut umhaben, noch begehrt er ihrer. Wie kommts nun, daß der Mensch soll das Recht haben, da Gott ihm doch selber eine Haut gab, wie er sie braucht, daß er dem Hirsche und dem Fuchs ihren Balg abzieht und sich daraus ein Kleid macht?« – Der kluge Knecht machte dann wohl ein pfiffig Gesicht: »Wie kommts denn, Gestrenge, daß Ihr die Gänse schlachten lasset zu Martini, und um Advent die Schweine stechen?« – »Du Lieber,« sagte sie, »das hat Gott so gefügt, weil wir sonst im Winter verhungerten,« und der Knecht sagte darauf: »Und wenn wir in unserer eigenen Haut gingen, und keine Pelze drüber, dann erfrören wir, insonderheit wers nicht gewohnt ist und alt wird. Und mit der Zeit werden wir alle alt,« setzte er hinzu.

Da pflegte denn Frau von Bredow sich an die Lederbacken des alten Stuhls zurückzulehnen und ernst vor sich hinzuschauen. Wer sie lange nicht gesehen, so lange als wir, der hätte sich gewundert, woher der rührigen Frau die Ruhe kam. »Das sind doch gar kuriose Dinge,« pflegte sie zu sagen, »und wenn man nur wüßte, wer unsereins darüber Rat gäbe! Das war auch so mit meinem Götz. Ach, was wollte er nicht alles wissen! Ja, und wer gab ihm Antwort!«

Die gute Frau von Bredow, wie sie in ihrem Pelzkäppchen saß, aus dem die weißen Haare so rein und schön vorguckten! Das Brustlatz noch immer stramm und nett, die Hände nur ein weniges magerer, aber wie sie auf die Armlehnen drückten, wo sie lebhaft ward, man war gewiß, wenns galt, schnellte sie auf, rasch wie damals die rüstige Fünfzigerin. Nun gab es aber wohl nichts zu tun, oder es war alles getan, und gut getan; sie konnte von der Arbeit ausruhen. Der Stuhl war weich, ihre Füße, nicht mehr in scharfem Leder mit dicken Sohlen, ruhten in weichen Filzschuhen auf dem Teppich, der über den Estrich gelegt war. Aber ihr Auge, das war noch immer das alte Auge.

Man sahs der Ordnung in der Halle an, daß eins hier waltete, was noch scharf war. Wenn das Blut noch frisch springt, denkt der Mensch, die Schärfe müsse allüberall hinausgekehrt sein; wenns langsamer durch die Adern pulst, meint er, daß weichen Teig auch ein stumpf Messer schneidet. Es ging stiller her in Ziatz. Der Flur war noch gestampfter Lehm, aber glatt und rein. Da schwamm kein Bier und Wein mehr, die Schemelbeine und Sporen hatten keine Ritzen und Löcher gerissen. Die Kürasse und Pickelhauben hingen dicht und still an der Wand, und die Spieße waren an den Pfeilern festgeschnallt. Das Holzwerk war nicht neu gestrichen, aber sauber geputzt; es hatte jedwed Ding seinen Platz, und die Mägde mit ihren Spinnrädern auch. Was ist lustiger in langen Winterabenden, wenn es draußen heult und schneit, und drinnen pustet der Ofen, oder vom prasselnden Herde weht es warm dich an, und wie der Faden aus dem Flocken spinnt ein Gespräch, ein Märchen nach dem andern sich aus, und der Faden möchte nie enden, bis die Glock schlägt, so die Dirnen auseinandertreibt, in die Schrecken der Nacht hinaus, der sie eben ein Schnippchen schlugen.

Die Gestrenge meinte es gut, wer wollte daran zweifeln, wenn sie aus dem Legendenbuche vorlas; aber waren nun die Legenden daran schuld, oder wars, daß die gute Frau von Bredow keine gute Vorleserin war, die Mägde sahen sich immer gar schlau an, wenn sie anfing, sich zu versprechen, und dann gähnte, und dann sanken ihr die Augen zu, und wenn sie sie wieder aufschlug, hatte sie die Stelle vergessen. Wenn dann der Kopf immer mehr nickte und endlich das Buch auf den Schoß sank, wars als wäre ein Zauber gelöst. Der Alp, der den Dirnen auf der Brust gelegen, flog durch den Schlot; vorsichtig drehten sich die Köpfe um, ob sie auch gewiß schlief und waren sie des gewiß, wie rasch fuhren die Köpfe zu einander und die Schemel rückten sich von selbst. – Was geht über ein Schauermärchen, da einem die Haare zu Berge stehen! Die Spindeln selber mochten zuhören und standen still.

Heute war es etwas anderes, warum sie die Köpfe zusammengesteckt, als die Roggenmuhme, um die sie die Ursel immer neckten, oder was die Wenceslawa am Andreasabend gesehen, oder wo sie nächste Ostern das Osterwasser schöpfen wollten? Der alte Meier war aus dem Kloster gekommen und mußte gar Wichtiges erzählt haben; selbst der Knecht Ruprecht hatte zugehorcht. Was achtete er sonst auf der Dirnen Klatschereien.

Da war es, wo die gute Frau von Bredow erwacht war, sie hatte die Worte des Knechtes wiederholt: «Ach, der weiße Mann ist draußen!«

Sie hatte vom Frühling geträumt und eine grüne Wiese gesehen mit Blumen, und ihr Gottfried ging drauf lustwandeln und pflückte von den Blumen. Der Knecht, der sehr in der Gunst seiner Herrin gestiegen sein mußte, schüttelte den Kopf und sagte: Dem guten Herrn sei zu gönnen, daß er auf grünen Wiesen in Gottes Himmelreich spazieren gehe, denn hier unten würden sie bald auf Dornen und Blut wandeln.

»Mußt denn immer ein Unglücksvogel sein?« sprach Frau Brigitte, und sah ihn wohlwollend an. »Ruprecht, ich meine, das ist nicht rechte Gottesfurcht.«

»Daß Gott uns Zeichen gibt, was kommen wird, dadurch er uns warnt!« entgegnete der Knecht und schüttelte den Kopf. Dann fragte er, ob die Krähen und Dohlen umsonst wieder Krieg geführt in den Lüften, daß die Federn umhergestäubt? Obs für nichts blutige Kreuze geregnet, die auf den Hemden saßen, und sie gingen nicht aus, wie man auch wusch. Da auf dem Weißzeug in verschlossenen Kisten fand man sie drüben in Jerichow. Und im Weißbrot, das sie aus dem Backofen trugen, standen sie blutig frisch, wenn mans aufbrach. »In Kölln an der Spree ists geschehen. Hunderte habens gesehen, und liefen zu den Priestern, ob sie von dem Brot essen sollten, und der Rektor vom grauen Kloster hat gesagt, er wirds in die Chronik eintragen zu ewigem Gedächtnis.«

Wenn der Knecht Ruprecht von den Zeichen des Himmels anfing, ward es schwer, daß er ein Ende fand. Wer Wunder, Zeichen und Elend sehen will, findet nimmer ein Ende.

Da hielt ihm die Burgfrau das Legendenbuch hin: »Ruprecht, lies Du weiter, mir flimmerts vor den Augen.«

Dem Ruprecht, der lesen gelernt, mußt es wohl auch flimmern. Es war eine gräßliche Legende von frommen Christbekennern, die sie einmal in einem greulichen Heidenlande auf einem hohen hölzernen Turm, der eigens dazu erbaut worden, angeschmiedet, und dann kläglich und langsam verbrennen lassen. Es war totenstill als ers las. Die Edelfrau winkte ihm, daß er aufhöre. –

Und doch hatten die Spinnerinnen alle Aug und Ohr auf. Es stand ja im Buche nur, was alle selbst erlebt, es waren nicht viele Jahre um, in Berlin, wo sie achtunddreißig Juden hatten so verbrennen lassen, weil sie eine Hostie mit Pfriemen und Messern durchstachen.

Die Edelfrau schauerte zusammen: »Meine Eva ward dabei unmächtig,« sagte sie und faltete die Hände. Da blieb es lange still. –

»Wann wird das einmal aufhören,« seufzte sie leis, »daß die Menschen einander schlachten und braten und hetzen, wie das Tier des Waldes!«

»Das hört nimmer auf,« sagte Ruprecht auch leis.

»Geschrieben steht doch, Frieden soll auf Erden sein und dem Herrn ein Wohlgefallen.«

»Und wird Krieg bleiben, bis die Welt zu Ende geht.«

»Das ist schrecklich, Ruprecht.«

»Wovon lebt der Reiher und der Habicht, und der Wolf und der Iltis?«

»Das sind auch Raubtiere, die müßte man ausrotten.«

»Müßte man alle Kreatur ausrotten! Der Sperling, die Meise, der Ameisenbär fressen Würmer, und die Würmer fressen anderes. Und wos Getier kein anderes Getier frißt, das führt mit ihm Krieg. Wer wird den Büffeln die Hörner abbrechen, daß sie sich nicht stoßen? Ist ihre Art; wurden so gemacht.«

»Ruprecht, wir sind andere Kreatur. Erlöst durch unsern Herrn und Seligmacher.«

»Das ist schon recht, aber das ist so im Blut, und wo der Mensch auch untereinander Frieden machte, als wies im tausendjährigen Reich kommen soll, da müßte er doch mit den Tieren Krieg führen, daß er nur lebt. Und wo er von Hirse und Korn leben wollte, und das Vieh in Frieden ließe, da ließe das Vieh ihn nicht in Frieden. Was wärs für ne Zucht, wenns gegen Gottes Gebot wäre, daß wir die Flöhe nicht mehr fangen sollten! Und wo keine Wolfsjagd mehr ist, und keine Bärenhetze, wüchse das Getier an, daß die Wölfe auf uns Jagd machen täten. Darum wird es schon so bleiben wie es ist. Das ist der Fluch der Kreatur.«

Der Wind, der eine Weile geschwiegen, fing wieder von fern zu heulen an.

»Ich dachtes mir anders,« fagte die Edelfrau, »es sollte alles immer besser werden; bei uns wenigstens dacht ichs mir so. s ist ja kein Krieg im Land so viele Jahre schon. Die bösen Nachbarn sitzen endlich still; denn unser gnädiger Herr hat sein Schwert weidlich schneiden lassen und ihnen auf die Hände geklopft und den hohen Bäumen die Gipfel verhauen. s tut heut noch manchem weh; aber zum Guten ists doch umgeschlagen, s ist besser geworden; ja, ja, s ist besser worden. Das sagte mein seliger Gottfried auch. Friede, sagte er, und Ruhe, das waren seine letzten Worte. Nun hat er Ruhe. Gott schenke sie uns allen.«

Da fielen ihre Blicke, die sie nach oben sandte, zum ersten Mal auf den Meier, der war still im Winkel stehen geblieben, als er die Frau im Einnicken sah: auch meinte er, als sie mit dem Knecht Ruprecht in ihrer Weise sprach, seine Botschaft sei nicht so, daß sie nicht das Warten vertrüge.

Nun aber hatte er gesprochen. »Die in Kloster Lehnin haben leine Zeit, an die Toten zu denken,« schloß er.

»Und der Kasten?«

»Steht noch unausgepackt, wie ihn der Steinhauer aus Magdeburg geschickt. Nur den Deckel haben sie abgeschlagen, da sah ich unsern Herrn Götz, wie er leibte und lebte, die Hände so zusammen vorm Gesicht, ach, das liebe Gesicht, ganz weiß von Stein. Und die Kniee sah ich auch, die lagen raus, ganz wie er leibte und lebte.«

Die saubere weiße Schürze hielt Frau von Bredow über die Augen: »Ich will ihn morgen sehen.«

»Ihr möchtet doch ja noch warten, bat der Pater Guardian, bis er aufgestellt sei; das war noch der einzige, der ein bißchen Vernunft im Kopfe hatte. An der Ecke, dem großen Fenster gegenüber, wird er knieen. Mit den andern ist aber gar nichts anzufangen. Das steht und läuft und disputiert in den Kreuzgängen, im Refektorium, in der Küche sogar. Sie stoßen einen um und sehen uns nicht.«

»Und wann soll mein Herr zu Ehren kommen?«

»Eher gewiß nicht, als bis der Herr Abt aus Wittenberg zurück ist.«

»Und wann kommt er zurück?«

»Wann ihn der Herr Bischof von Brandenburg abgeholt hat.«

»Der hochwürdige Herr Bischof –«

»Ist ihm selber nachgereist. Das ists ja eben. Schickt einen vornehmen Abt hin, um einen bloßen Mönch –«

»Ein Barfüßler!« riefen die Mägde.

»Und da der geschrieben, daß er mit ihm nicht fertig würde, ist der hochwürdige Herr in eigener Person hingeritten. Ist schon beinahe eine Woche fort, und noch weiß man nichts. Aber sie sagen, der Bischof wär nicht hingereist, wenns nicht der gnädigste Markgraf, unser Kurfürst, ihm selbst befohlen. Nun sagen aber die einen, das wäre zu arg, solchem Mönch – er ist ein Augustiner – brauchte mans ja nur zu befehlen, daß er das Maul hielte; die anderen aber sagen: Nein, er hat recht, und sie haben eine Abschrift von 95 Artikeln oder Thesen, wie sie es nennen, die er an die Schloßkirche in Wittenberg angeschlagen hat, darüber nun disputieren sie, daß sie bei Tisch bis zu den Messern greifen, wenn der Wein ihnen in den Kopf steigt.«

»Wie heißt doch der andere Mönch,« fragte die Burgfrau, »der, um den der Lärmen ist, und der schon so lang im Lande umzieht?«

»Tezel!« riefen mehrere Stimmen; die Dirnen schien von der Sache wohl unterrichtet.

»Johannes Tezel, Dominikanerordens,« setzte der Meier hinzu. »Itzo fährt er mit seinem Ablaßlasten nach der Oder gen Frankfurt, wo ihm große Ehren geschehen sollen, wie man wissen will. Der Tezel hat guten Absatz und nimmt schmähliches Geld ein, dem Wittenberger zum Trotz. Kann man sich für jede große Sünde loskaufen, der Brief kostet Gulden und Taler, je nach dem; ist aber auch für alle kleine Sünden gesorgt, und die Briefe sind gar nicht teuer und das bringt das meiste ein, denn die Leute stürzen nur so, daß sie ihre Groschen und Pfennige in den Kasten werfen, an dem geschrieben steht –«

Zwei oder drei von den Spinnerinnen fielen dem Meier in die Rede:

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