Frei Lesen: Der falsche Woldemar

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Willibald Alexis

Der falsche Woldemar

Dreizehntes Kapitel.

eingestellt: 23.7.2007



Das war ein prächtiges Mittagsmahl im Palast des Erzbischofs. Wie mancher reiche Kaufherr aus der Stadt hätte einen Goldgülden darum gegeben und mehr, so er dazu geladen wäre, wo so viele hohe Herren und Prälaten tafelten; und um das Mahl zu schmücken, waren auch schöne Frauen und Fräulein geladen. Die hatten ihre schönsten Gewänder angethan, in allerhand bunten Farben und kostbaren Stoffen; und Spangen und Ketten und Edelgestein flimmerten um den Latz und den Hals und auf den Baretten; und hohe Federn schwankten anmuthig, wenn die schönen Frauen sich neigten, und zu ihren Nachbarn sprachen. Ja, man sah es dem Feste nicht an, daß es Einer gab, der unbeweibt war. So zierlich war es und fein, und für die edlen Frauen gesorgt. Da flogen artige Edelknaben zu ihrem Dienst, und wo ihnen das Tüchlein auf den Boden fiel, war gleich einer zur Hand, der es ihnen auflangte. Da ward ihnen Waschwasser gereicht in silbernen Wannen nach jedem Gange, und ein Edelknabe goß es langsam über, derweil die weißen Finger drin spielten, und ein anderer reichte dann knieend das Handtuch. Als wären alle die Geladenen Fürstinnen, und es waren doch auch Bürgerfrauen darunter vom Rathe und den Geschlechtern, die in der Stadt geblieben. Die waren gar entzückt über die Artigkeit; man sahs ihnen an. Sie wußten nachher nicht genug Rühmens zu sagen, wie es am Tisch hergegangen, und ihren Männern hätt ichs nicht rathen mögen, daß sie im Rath wider den Erzbischof gesprochen. Und der hohe Gastgeber verdiente ihr Lob. Da war doch Alles ersonnen, was den Gästen Freude machen konnte. Die Aufsätze strotzten voll schöner Blumen, die man in keinem Garten um Magdeburg sieht, und Kränze schlangen sich um die Säulen mit Namenszügen. Und die Torten und Kuchen, in welcherlei seltsamen Figuren waren sie gebacken. Da stand der Gott Neptun aus feinem Mehl und Honig geformt und hielt einen großen Dreizack und auf der Brust hatte er das Wappen der Stadt Magdeburg, und der blaue Guß, darauf er saß, war nicht das Meer, sondern die Elbe. Vor den Frauen aber standen andere Figuren, die Judith und die schöne Helena und der Gott Cupido, der einen Pfeil schießt.

Konnte ein Bischof es artiger einrichten, wo er edle Frauen zu Gaste hat? Ja, es schien, als sei das ganze Fest nur ihnen zu Ehren. Da wurden ihnen seine Sprüche gesagt, und die Pfeifer und Geiger spielten Lieder, so zu ihrem Lobe gedichtet, und Sänger, die man nicht sah, sangen diese Lieder hinter den Teppichen. Da ward auch fein geräuchert mit Bernstein und Gewürzen, die aus Arabien kommen und Indien. Zumal aber mußte mans von den geistlichen Herren rühmen, wie fein und verständig sie zu ihren Nachbarinnen über allerhand artige Dinge sprachen, so daß lauter Lustigkeit war und Wohlgefallen.

Auf der Quertafel, die hinten stand, nur einige Stufen höher, saß der Erzbischof und um ihn die Fürsten, nebst andern der fürnehmsten Herren und Prälaten; und zu beiden Seiten des Saales waren zwei andere lange Tafeln, wo die übrigen Gäste bedient wurden, so weltliche als geistliche. Und diese konnten Alles sehen und hören, was an der Fürstentafel gesprochen ward. Und man konnte merken, wie die fürnehmen Herren sich ließen angelegen sein, laut und vernehmlich zu sprechen, daß Alle es hörten. Wer niedriger ist von Geburt und Stand, hört gern, wie ein Fürnehmer spricht, und richtet sich danach, und thut, was an ihm, es ihm nachzuthun. Manches Mal gelingt es, manches Mal gelingt es aber auch nicht. Rings um den großen Saal war oben eine Gallerie aus hölzernen Pfeilern. Dort spielten die Pfeifer und Geiger, wenn es hohe Gesundheiten galt, die zu begleiten, als es sich schickt.

Der Erzbischof Otto war ein feiner und schöner Mann mit einem runden vollen Gesicht und lebhaften Augen. Was er sprach, hatte Art; so ob er einer schönen Frau etwas Hübsches sagte, oder zu einem Fürsten und Edlen von Reichsangelegenheiten redete. Man sah es ihm an, er war ein geborener Fürst. Wie er sich mit dem Kopf neigte, freundlich zu Dem und Jenem, und nachlässig mit der Hand spielte. Und sein Auge hatte auf Alles Acht, was im Saal vorging, und wer eintrat und fortging. Aber Niemand merkte es; so sorglos schien es, daß er in seinem Sessel saß.

Herzog Rudolf von Sachsen, der wenig redete und viel aß, den plagte die Ungeduld, wenn der Erzbischof mit den Frauen sprach, zumal seiner Muhme, der Gräfin Mathilde, und ihrer Tochter Adelheid, die ihm gegenüber saß, mit der er Artiges scherzte. Ob denn der schöne Ritter noch nicht erschienen, dem sie den Preis reichen werde, oder ob es wahr sei, als die Welt sage, daß sie so spröde wäre als schön? Da das Fräulein die Augen niederschlug, meinte er, er wisse wohl einen Ritter, der des Preises werth sei. Die Gräfin entgegnete, sie glaube, die gute Zeit des Ritterthums sei vorüber. Es wäre nicht Treu und Glauben mehr in der Welt, und der Edelherren wenige, die um Recht und Ehre allein der bösen Welt den Handschuh zuwürfen. Sie gingen Alle aus auf Verdienst und Vortheil. Sie sagte es nur, weil sie das Gespräch nicht mochte vor den Andern führen.

Da meinte Einer, daß es doch noch gute Ritter gebe. Und er erzählte, was vor einer Stunde auf dem Markte sich zugetragen; wie dort ein Gesell aus dem Brandenburgischen es mit der ganzen Bürgerschaft aufnehmen wollen, weil sie die alte Geschichte von Otto mit dem Pfeile erzählt.

»Wahrhaftig!« rief ein Magdeburgischer Edler. »So der Gesell für alle todten Markgrafen Ritter sein will, da lohns ihm der Narrenvoigt.«

»Mit Vergunst,« sprach der Graf von Anhalt. »Markgraf Otto, erlauchten Andenkens, war von dem echten Blute Albrecht des Bären; ich wills nicht billigen, als die Magdeburger verfuhren. Noch wollt ich Den gescholten, der sich sein im Grabe annimmt, das ist Ritterpflicht.«

Da lächelten Viele über den Eifer des Fürsten und zischelten sich zu, daß Jener ein gemeiner Gesell sei, und kein Ritter. Wie das laut ward, brach erst gar ein arg Gelächter aus. Da runzelte sich die Stirn des Sachsenherzogs:

»Hoffe, Ihr werdet ihn ins Loch werfen lassen und züchtigen als ihm gebührt. Die Ehre Derer von Anhalt ist zu gut, als daß Schusterjungen sich drum prügeln.«

»Mit Vergunst, Erlauchter Herr,« sprach Kurt von Alvensleben, der, ein Lehnsmann des Erzbischofs, gut bei ihm angeschrieben war. »Der Bursch hat nichts Uebles gethan. So ich ein Brandenburger wäre, ich hätte es nicht anders gemacht. Wärs gut, so in jedem Land Jedermann so warm dafür reden thäte.«

»Das wär der Ritter ihre Sache und der Edeln,« meinte der Herzog Rudolf.

»So aber die Ritter schweigen!« sagte der Graf von Anhalt. »Das ist wahrhaftig ein Elend und Jammer drüben, daß in dem Land, wo unsere Vettern das Regiment zu Aller Wohl führten, jetzt Jeder nur an sich denkt. So die Edeln den Mund zuhalten, ists gut, daß doch bei den gemeinen Leuten noch ein Sinn ist für die guten Zeiten und die alten Fürsten.«

Der geistliche Fürst senkte die Blicke, und bewegte die Hände, als wollte er sie falten: »Ja fürwahr, Ihr edlen Herren und guten Freunde, es ist ein Jammer und Elend, wo ein Reich keinen andern Fürsprecher hat als hergelaufen Gesindel. Schier ists unglaublich, was wir an dieser Mark Brandenburg erleben.«

»Ob es dann der feste Wille Seiner Majestät des Kaisers ist, daß die deutsche Nation sich zu diesem Römerzuge anschicke?« fragte der Bürgermeister von Magdeburg.

Die Fürsten und Herren sprachen dafür und dawider, und wer darauf Achtung geben mögen, hätte erfahren können, wie es um das römische Reich deutscher Nation zu jener Zeit stand. Aber was die Herren nicht wollten, daß die Leute es erführen, das sprachen sie auch damals nicht aus.

»Der Allmächtige hat lange nicht die deutsche Nation eines so frommen, rechtgläubigen Kaisers gewürdigt, was sie in Dank und Ergebung anerkennen muß,« sprach mit lauter Stimme der Erzbischof. »Um deshalb mögen wir wohl blindling solcher Leitung uns vertrauen, und was dieser Kaiser beschließt, dem nachthun, sonder Frage und Untersuchung.«

Er ließ sich den güldenen Ehrenpokal reichen und brachte die Gesundheit auf Kaiser Carolus des Vierten von Lützelburg und Königs von Böheim, der allzeit ein Mehrer sein möge des Reiches! Alle Gäste, auch die Frauen, erhoben sich da, und ließen den Kaiser leben, dreimal hoch, und die Pfeifer und Geiger stimmten ein, daß die Lüfte dröhnten.

Von da ab ward es lebendig, und es wurden noch viele Gesundheiten ausgebracht. Auch eine zuletzt auf der Stadt Magdeburg Wohl und Gedeihen. Wofür ihr Bürgermeister sich erhob und in einer schön gesetzten Rede dankte, zumal dem hohen Kirchenfürsten, welcher so viel gethan für ihren Frieden, ihr Heil und ihre Gerechtsame.

Freundlich nickte ihm der Erzbischof:

»Den Frieden dieser guten Stadt zu schaffen und zu mehren war von je an meine Sorge. Derohalb hielt ich es für meine Pflicht, jetzt, wo mich der Kaiser vielleicht bald von meinem Lande fortruft, daß ich ihm Frieden auswirke mit allen seinen Nachbarn. Gott seis gelobt, mir ists gelungen. Aus der Ursach auch habe ich mit den freien Banden, die sich die Stellmeiser nennen, und unsre Grenzen unsicher machen, Verträge schließen lassen, daß sie auf drei Jahre der Stadt und meinem Lande nichts anhaben.«

Das lobten Alle. Und wenn die drei Jahre um, und Gott es wolle, fügte der Erzbischof hinzu, wolle er den Heerbann wider sie entbieten und sie mit Stumpf und Stiel ausrotten.

»Inzwischen erwarten wir noch heut ihren obristen Hauptmann, daß er den Vertrag beschwört, und wir wollen ihn auch beschwören lassen im Dom, durch unsern Kanzler und drei Domherren.«

Und er hieß darauf dem Bürgermeister, daß er dem Hauptmann, wenn er eingezogen, auf dem Rathhause den Ehrentrunk reiche, als es sich schickt, und seine Leute gut eingeleget würden und verpfleget bei den Bürgern als Gäste der Stadt. »Damit sie nicht klagen können,« setzte der Erzbischof hinzu, »daß wirs an guter Sitte fehlen ließen.«

Der Kurt Alvensleben lachte dazu: »Laßt ihnen auch, Meister, unsern Pranger zeigen und den Platz, wo Ihr die Uebertreter henken lasset und rädern, damit sie nach drei Jahren Bescheid wissen, wenn die Reihe an sie kommt.«

»Deß sind wir Euch von ganzem Herzen dankbar, hochwürdiger Herr Erzbischof,« hob der Bürgermeister wieder an. »Aber wer schützet uns jenseits der Elbe wider die Gefahr aus dem Brandenburgischen, so Ihr fern seid im Land Italien?«

Der Erzbischof hob stolz seinen Kopf: »Rieft Ihr denn jedesmal Euren Erzbischof, wenn ein Schnapphahn eine Heerde wegtrieb?«

»Dafür, hoher Herr, reichen die Ritter aus, so Ihr in die Grenzburgen gelegt. Nicht jedoch für die größere Gefahr, so uns jetzt von dort droht.«

»Was meint der Mann?«

»Haltet zu Gnaden,« nahm der Kanzler das Wort, »bei sothaner Lage der Dinge ist es, an Brandenburg grenzen, als wenn man in einem guten Hause wohnet, aber das Haus daneben steht in Flammen.«

»Hochwürdigster Herr Erzbischof, fiel der Bürgermeister dringend ein, es ist wahr und wahrhaftig nicht gut, daß der Kaiser Euch abruft nach Welschland in so mißlicher Zeit. Zum gemeinen Gedeihen der deutschen Lande wäre es, so er vorher die brandenburgischen Wirren schlichtete.«

»So ists! So ists!« riefen die Herren.

»Hochwürdigster Herr Erzbischof, auf Euch blicken die Märker in Vertrauen. Sie haben keinen Herrn, und kein Gesetz und keinen Fürsprech. Sie sind verlassene Kinder im deutschen Reich. Der ketzerische Wolf, der Baier, verschlingt die armen Lämmer. Nehmt Ihr Euch ihrer an, redet ein Wort für uns am Kaiserlichen Thron.«

Der Dechant hatte sich in demüthiger Stellung erhoben und blickte mit gekreuzten Armen auf den Erzbischof.

Der wandte sich in Ruhe an den Kanzler: »Was ist Deine Meinung?«

»Gnädiger Herr, so Gott kein Wunder thut, wird es so, als der Dechant sagte. Der Kaiser ist zu gnädig.«

»Achtung vor des Kaisers Majestät!« sprach der Erzbischof. »Sein Wille ist auch meiner.«

»So mag der Teufel den Märkern helfen,« sagte der von Alvensleben, »oder ihr todter Markgraf.«

»Das ist wohl nur ein Mährlein,« sprach der Erzbischof, »was man davon erzählt.«

»Ich möcht es auch nicht glauben,« entgegnete der Kanzler, »so es mir nicht von vielen sichern Leuten gesagt wäre, die von der Spree und Havel kommen.«

»Schier unglaublich,« sagte der Erzbischof. »Ein Viertel Jahrhundert gilt er für todt.«

»Doch weiß man von unterschiedlichen Beispielen,« sagte der Brandenburgische Dechant, »daß Prinzen aus erlauchten Häusern, von Gewissenszweifeln geplagt, Haus und Hof verließen, und die ihnen die Liebsten waren, und sich in die Einöde begaben zur Buße. Da hörte man erst lange nach ihrem Tode, wo ihre Gebeine geblieben.«

»Thorheit!« unterbrach ihn der Erzbischof. »Ich erinnere mich als Knabe, daß ich diesen großen Fürsten sah. Er trug über Stirn und Wange eine Narbe von einer Wunde, so fast das Gesicht ihm spaltete. Die müßte der Mann doch haben. Auch wann er in Zorn gerieth, zogen seine Augenbrauen sich zusammen, daß sie wie eins schauten. Das kann kein anderer Mann ihm nachthun. Auch hatte er einen Siegelring, den ließ er nie vom Finger. Thorheit sage ich, Ihr Herren, hofft nicht umsonst, auf ein Wunder!«

Da war der Oberkämmerer eingetreten und neigte sich vor dem Erzbischof: »Hoher Herr, draußen steht ein bejahrter Pilger, der sagt, er komme aus dem gelobten Lande.«

»Das sagen Viele, und waren nicht drei Meilen über Schwanebeck,« lachte Burchard von Veltheim, der war Hauptmann der Leibwache des Erzbischofs. »Du sollst nicht um solche Dinge Seiner Gnaden belästigen. Heut gilts hier froh sein, und nicht betteln.«

»Der Pilgrim bettelt auch nicht. Es ist was Hohes an ihm, so schaut er vor sich, auf seinen Stab gestützt.«

»Er soll den Stab weiter setzen und uns in Ruhe lassen.«

»Das möchte nicht recht sein,« fuhr der Kämmerer fort. »Es ist ein großer Zulauf Volkes um ihn. Die Weiber und die Kinder sehen ihn mit Ehrfurcht an. Er trägt einen weißen Bart, der ist so lang.«

»Zupf ihn dran, ob er angewachsen ist, und schüttle ihn, ob das Mehl nicht abfällt,« lachte der Herr von Veltheim, »und dann sprich weiter.«

Der Kämmerer neigte sich und wollte gehen, denn sein Herr, der Erzbischof, der sich um so kleine Dinge ungern kümmerte, hatte, als hörte ers nicht, ihm den Rücken gekehrt, und sprach etwas Freundliches hinüber zur Gräfin Mathilde. Aber da nun der Kämmerer wie betrübt, und nicht zufrieden mit dem Bescheid, fortging, winkte er ihm zurück.

»Da sei Gott für, daß wir einen alten Mann von unserer Schwelle weisen, ohne einen Labetrunk. Besser einmal betrogen werden, als daß ein armer Mann einem Diener der Kirche um Herzenshärtigkeit flucht. Hier, Martin, reiche dem Mann den vollen Becher, sag ihm, der Bischof trank daraus. Und er soll ihn leeren bis auf den Grund auf des Bischofs Otto Wohl.«

< Zwölftes Kapitel.
Vierzehntes Kapitel. >



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