Frei Lesen: Der falsche Woldemar

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Willibald Alexis

Der falsche Woldemar

Sechstes Kapitel.

eingestellt: 23.7.2007



Die Marktleute, die von Brandenburg heimkehrten, brachten wunderbare Botschaft nach Haus. Da sprach man auf allen Straßen, in allen Lagern, in allen Schenken und vor den Burgen nur von Einem. Der Markgraf Woldemar sei auferstanden von den Todten. Als ein schlichter Pilgersmann irre er durch das Land. Einige hatten ihn selbst gesehen, Andere solche gesprochen, die ihn sahen. Aber wo sich Einer ihm näherte, da ging er fort, und war verschwunden, man wußte nicht, wohin. Es gab seltsame Gerüchte und die Meinungen waren doppelt. Die Einen hielten dafür, es sei nur sein Geist, der umwandle, entweder weil eine geheime Sündenlast seine Brust drücke, oder weil der Jammer ihn nicht ruhen lasse, der über seine Länder gekommen. Andere meinten, er sei es in Fleisch und Blut, der leibhaftige alte Markgraf Woldemar von Anhalt, der nicht gestorben und begraben, sondern in der Verborgenheit habe er gelebt. Da wollten Einige, er sei zum Priester Johannes gepilgert in das Morgenland, um von ihm Weisheit zu lernen, und nachdem er über zwanzig Jahre gelernt, kehre er heim und werde das Regiment wieder übernehmen. Andere wußten, er sei nie aus dem Lande gewesen, vielmehr bald in der, bald in jener Hülle und Gestalt von Ort zu Ort gezogen, daß er die Wünsche und Leiden seiner Brandenburger erfahre. Ja Einige wollten, er sei auf diesen Wanderungen von Räubern aufgefangen, und anfangs, um sein Leben zu retten, sei er mit ihnen gezogen, aber bald wäre er einer ihrer obersten Anführer worden und habe so in seinem Lande geherrscht und gewaltet unsichtbar. Da er erkannt, wie das allein die Art sei, daß er dem Lande nutze.

Wie mancher gerechte Mann, dems zu arg ward, war auch zu den Räubern gegangen. Mit schwerem Herzen, aber er ging. Die Nachbarn, wenn er Abschied nahm, drückten ihm die Hand, und wenn er in den Wald kam, seufzten sie: »Schad um den armen Mann, aber er konnte ja nicht anders.« – So hatte es gar nichts Schreckhaftes, wenn sie dachten, daß ihr geliebter alter Herr und Fürst unter den Räubern hause. Gegentheils, wenn sie Abends am Waldsaum die dunkeln Gestalten sahen vorkommen, und jedweder hielt sich dann still in der Stube um den prasselnden Heerd, daß er sie nicht störe, die nicht wollten gestört sein, da war ihnen der Gedanke lieb, daß ein guter Herr unter den Freien sei. Hörten sies dann auch über den Zaun brechen und um die Ställe schleichen, das Herz schlug ihnen nicht so bang. Den armen Leuten thun sie nichts, so sie nur schweigen können und das Auge zudrücken, wo sie nicht sehen sollen.

In einem Dorfe, dort nach der Elbe zu, und es sah noch leidlich genug aus, denn es lag von den großen Straßen abwärts, standen die Leute bei einander mit bedenklichen Gesichtern und stritten, wer wohl der Reitersmann sein möge, der hier vor ein Paar Stunden eingekehrt, wenn mans so nennen will. Er kam angesprengt auf einem schweißtriefenden Pferde, und selbst schaute er aus als ein Hirsch, hinter dem die Meute ist, und er ist über Stock und Block gestürzt und kann nicht weiter. Sein grob Lederkoller war dick mit Koth übersprützt; so mußte er über Moor und Sumpf geritten sein. Inmitten der Dorfstraße konnte er nicht weiter, und der alte Mann wankte im Bügel und sank fast zusammen. Da waren sie auf seinen Blick, ders ihnen hieß, zugesprungen und hatten ihn auf ihren Schultern vom Pferde gehoben. Solchem Blick gehorcht man wohl. Sie hatten ihn auf Stroh halb aufrecht hin gelegt, das sie vor die Thüre brachten, denn in kein Haus wollte er nicht, und hatten ihn mit kaltem Wasser besprengt und gerieben. Und als er zu sich gekommen, brachten sie ihm das Beste von Speis und Trank und sahen nun, daß es Hunger und Erschöpfung war, die ihn herunter gebracht. Während daß die Knechte sein Roß langsam auf und ab führten, daß es nicht steif werde, und ihm Hafer streuten und es striegelten, schauten Andere nach Straße und Feld, um ihn zu warnen, und die armen Leute waren mehr in Angst als der Reiter, denn ob seine Verfolger ihn fingen, oder er ihnen entwischte, es war zu beiden Seiten ihr Unglück. So jenes geschah, würdens seine Gesellen ihnen gedacht haben; entwischte er aber, so mußten sies büßen. Von seinen Feinden, daß sie ihm fortgeholfen. Aber es blieb zu seinem Glücke still, und als der Ritter wieder aufstieg, hatte er nicht ein Wort mit ihnen gesprochen, und auch jetzt, da er fertig war, ritt er nur an die Thür des Kruges und kritzelte daran mit Kreide und ritt seines Weges, ohne nur mit dem Kopf zu nicken, oder sich umzuschauen.

Was er angeschrieben, das verstand Keiner, und sie standen schüchtern darum, die Mützen in der Hand. Auch der Schmiedegeselle nicht, der beim Schulzen arbeitete, und der hatte als Knabe in einer Klosterschule gelernt. Aber die Zeichen kannte er nicht. Einige meinten, es möge Böses bedeuten, als ein Vehmzeichen, und sie wollten es abwischen oder mit der Axt aushauen; aber Andere schüttelten den Kopf. Man muß auch dem Teufel lassen, was des Teufels sei. Da kam Einer herangehinkt mit einem schweren Packen, so er in einem Tragekorb hinter sich schleppte, und ein häßlicher Hund lief neben ihm; der trug auch noch ein Bündel, das sein Herr ihm auf den Rücken geschnallt. Die Leute nickten ihm zu, grad nicht freundlich, aber wie Einem, den sie gut kannten. Er war ehedem Küster gewesen in einer Kirche, die nicht mehr ist; nun zog er hausirend durchs Land, kaufte und verkaufte. Da, wo sie keinen Pfarrer mehr hatten und nach Gottes Wort verlangten, erzählte er ihnen davon, und besprach das kranke Vieh und mancherlei Gebrechen. Und wo sie ihn auch nicht eben mochten, sie sahens doch gern, wo er kam, denn er wußte, was Keiner weiß, und erzählte ihnen von dem, was in der Stadt vorging.

Der Hausirer, da er ihre scheuen Gesichter sah, lachte auf. »Ihr könnt von Glück sagen. Mancher gäbe viel darum, so er das an seiner Thüre hätte. Das ist besser als die heiligen drei Könige, sag ich Euch; denn ich wüßte noch nicht, daß die vor Raub und Brand geschützt hätten. Die Zeichen heißen:

Vor die Stellmeiser
Sein sicher diese Häuser.

Wem sie das anschreiben, da darf Keiner nur eine Hand gegen Euch aufheben. Nicht eine Gans darf er von Euerm Anger holen, keine von Euren Dirnen in den Wald schleppen, nicht ein Brett vom Zaune brechen. Kein Landeshauptmann kann das gebieten; das muß einer sein von ihren Obersten. So Ihr Glocken hättet, da müßtet Ihr sie läuten vor Freude.«

Wo ein Licht hell brennt, wirft es auch Schatten. Die Leute freuten sich wohl, aber Einige schüttelten die Köpfe. »Vor den Stellmeisern sind wir nun sicher,« dachten sie, »aber was wird nachmalen daraus?«

»Darum kümmert Euch doch nicht,« sagte der Hausirer, der seinen schweren Pack abgeworfen und sich auf eine Bank gesetzt. »Wo die Stellmeiser in eine Grafschaft kommen, denkt Ihr, sie scharrens ein und vergrabens, was sie gewinnen, als die verfluchten reichen Krämer thun in den Städten, davon denn nichts ins Land kommt und sie saugens aus? Umgekehrt. Sie verprassens. Die Leute wissen zu leben und lassen leben. Sah manche Bauerschaft, die war arm wie Kirchenmäuse; die Feinde hatten den Leuten viel genommen, ihr Edelmann hatte sie gestriegelt und geschunden, daß sie ihm sein Schloß wieder aufbauen mußten, derweil ihre Hütten wie Schweineställe ausschauten, und das kaum. Und was ihnen blieb, das nagten ihnen die Kaufleute aus der Stadt ab, wie Hunde, die sich noch um den Knochen beißen. Da kam eine solche Bande in ihrer Haide zu liegen. Sanct Florian! Ihr hättet das Leben sehen sollen. Am Krugthor stand ihres Hauptmanns Zeichen. Nun wehe dem, der ihnen nur ein Huhn stahl! Wie mancher Fuhrmann mußte von der Straße ablenken. Da, der schwere Wagen umgeschmissen vorm Dorf, daß die Räder knackten, und in einer Stunde, weg war es. Und es wurde verjubelt. Die Bankets, da in der Haide! Ganze Ochsen trieben sie, ganze Fässer zapften sie, und die Bauern konnten zulangen und trinken, als sie Lust hatten. Den Edelmann sah man auch wohl da, wenn es Nacht wurde. Ja das war ein ganz anderer, feiner Mann worden; er der Pfau, der nie die Mütz lüftete! Wie schmiegte er sich und trat auf den Zehen und schüttelte mit den Hauptleuten die Hände, als wärs ihm eine Ehre. Und bald merkten sies von Nah und Fern, was da zu verdienen gab. Da kamen die kleinen Krämer, die Spielleute, die Sänger und Possenreißer. Ordentlich Markt ward gehalten. Was ward da verkauft und eingekauft. Ich sage Euch, die Freien behielten nichts in der Tasche, es kam unter die Leute; mancher Bauersmann gewann so viele wieder, daß er sich Vieh anschaffen konnte und sein Haus wieder richten, so es ihm sein Junker ließ.«

»Und was ward nachmalen draus, Niclas?« fragte ein großer, stämmiger Mann mit einem verdrießlichen Gesichte.

»Weiß ich nicht, Schulze. Ich zog ab.«

»Als Du Deinen Ranzen voll hattest, und die Leute geprellt. Ich wills Dir sagen, wies wurde, wo die Stellmeiser gewirthschaftet und die Bauern hielten es mit ihnen. Der Landeshauptmann schickte seine Leute, oder eine Stadt that sich mit der andern zusammen, als sie geschworen sind, und rückten aus, und wo sie ordentliche Kriegsschaaren sehen, da halten die Stellmeiser nicht aus. Sie verschwinden über Nacht und lassen die Bauern im Stich. Und was wird mit denen? Da wird durchsucht und Mannschaft eingelegt und geprügelt und gezwackt. Und wohl Denen, wos noch so abgeht. Sie haben manchen ehrlichen Bauern gespießt und unterm eignen Thorweg aufgehängt. Was hatte er da von den Stellmeisern?«

Der Hausirer brummte: »Gejubelt hatten sie; was will der Mensch mehr in dem Hundeleben.«

Unter den Leuten im Dorfe mochten nicht alle eines Sinnes sein. Der Schulze sagte, das sei ein Hundeleben, wo man von Haus zu Haus wandere und nie wisse, wo man sein Haupt niederlegen solle.

»Und was wird Euch anderes bleiben?« fuhr der Hausirer fort. »Seid Ihr nicht drauf und dran mit Eurer gnädigen Gräfin Mathilde? Hat die Euch die Schnapphähne vom Hals abgehalten. Oder ist sie Euch mit solcher absonderlichen Liebe zugethan, daß sie dem Raubritter um den Hals fällt, wo der Euch klopfen will?«

»Das weiß Gott,« rief ein alter Bauer. »Hat noch Keinem ein Zinshuhn geschenkt, und wenn er nicht ein Ei hätte zum Brüten.«

»Sie kennt Keinen von uns, weiß nicht, wie er heißt und aussieht,« sagte ein Anderer.

»Als mir gesagt ist,« fuhr der Hausier fort, »kennt sie Euch ganz gut, aber Ihr gefallt ihr nicht. Seid ihr zu trotzig, macht nicht tiefe Reverenz genug, werft Euch nicht glatt auf die Erde und greift nach ihrem Rocksaum, als die Wendischen thun. Sie will gehorsame Leute haben. Wißt Ihr das Ende vom Liede? Sie nennen das einen Prozeß, die lateinischen Richter, das heißt auf gut Deutsch: der Starke gewinnt, und der Schwache verliert. Seid Ihr die Starken? Kann sein, so Ihr Euch nach Helfern umseht. Sie hat starke Freunde. Die Ruppiner sind ihre Brüder. Der hochmächtige Erzbischof von Magdeburg ist gar ihr Vetter. Bückt Euch Leute, oder Ihr habt zum längsten gesessen.«

Der Schulze hob sich in der Brust: »Schwatzt nicht, als der Blinde von der Farbe. Unser Helfer ist unser Recht, und unsere Rechte, das sind unsere Satzungen. Sind hier nicht wendisch Gesindel als wie Die und Jene, die ließ man aus Gnaden sitzen oder jagte sie fort, als man Lust hatte, und wurden leibeigne Knechte. Der Ritter braucht sie als Schemel, so er aufs Roß steigt. Wir sind freie Männer aus Niederland und die alten Fürsten haben uns gerufen und geholt, und darum heißen wir Holländer. Und setzten uns auf diese Höhen und in diese Brüche, daß sie unser sein sollten, und gäben nur Schoß und Beede, aber blieben freie Männer, die werfen sich nicht nieder und küssen nicht das Kleid ihrer Herrschaft und lassens drauf ankommen. Sie sehen scheel auf uns. Mögens thun. Vor einem bösen Blick schrecken wir nicht; das ist Hundeart. Und so sie uns wollen sonst was thun, dafür ist der Landesherr und die hohen Gerichte, und wo die nicht, da ist der Kaiser. Und zum letzten End, da sind wir selbst. Als wir haben diese Sümpfe ausgetrocknet und diese Brüche umgelegt und die Sandhöhen gedüngt und gefestigt, daß sie Korn tragen, so sind wir uns selber noch stark genug, unserer Haut uns zu wehren und unseres alten Rechtes. Und mit keinen Räubern wollen wirs halten, daß sie uns helfen sollen, als lange ich Schulze bin.«

»Viehvolk, das Bauernvolk das!« sagte der Hausirer, als der Schulze sich entfernt. Nur der Schmiedegesell Heinrich stand noch neben ihm, wo er saß. »Nehmen niemals keine Vernunft an, und zumal der Alte. Einen gröbern Kerl such Dir in ganz Brandenburg. Als wie er in seiner Schmiede haut, so spricht er; und jähzornig ist er, Herr Gott, das ist doch zu arg. Aber paß acht, wird doch bald kleinbei geben müssen. Weiß es, die gnädige Gräfin lauert ihm auf den Dienst. Grund findet sich, wo man nach angelt. Sie thun fischen da im Fließ an der Kavelwiese. Der Voigt hats ihnen verboten: wäre der Fischfang der Herrschaft ihrer allein. Thun ackern über den Wüstenbusch: der ist ihre, sagt die Herrschaft. Der Voigt hat ihnen den Pflug genommen, sie haben ihn wieder geholt. Wollen sehen, wer den längsten Athem hat. – Pochen auf ihre Verträge? Was ist das? Kritzelei mit dem Gänsekiel auf ner Eselshaut. Da liest ein Mönch so und ein Mönch so. Kannst Du lesen! – Sage Euch, mit den freien Bauern wirds bald aus sein. Die Ritterbürtigen kaufen einen Schulzenhof nach dem andern, oder lassen ihn sich schenken. Was der Bauer dem Schulz geben mußte aus dem Vertrage, das fordern die Ritter aus dem Rechte. Sagen, das ist ihr geboren Recht, daß der Bauer giebt, und sie nehmen. Werden immer mehr nehmen und noch mehr fordern. Erst hatten sie freie Hufen, nun wollen sie das ganze Dorf haben. Wollen die Bauern an den Landesherrn gehen. Ja, wo ist der! Und wenn mal ein Landesherr ins Land kommt, der hat an anders zu denken, als an die Bauern. Was ein Großer fordern kann, das vergißt er nicht, aber der kleinen Leute ihr Recht das vergißt sich. – Sags Euch nochmals, Ihr Großmäuler, wer ein freier Bauer bleiben will, der muß wo anders suchen.«

»Wo denn?« sprach Heinrich, der halb vor sich hin träumend, halb zuhorchend dastand.

»Wo ist denn noch Gerechtigkeit zu finden?« entgegnete der Hausirer. »Wer rechtschaffen denkt, hilft sich selber.«

»Das wollen sie ja thun.«

»Die Paar. So hilft sich Keiner. Man muß zusammenhalten. Hätte ich nicht das lahme Bein, Heinrich, ich wäre doch wahrhaftig kein Esel und plackte mich mit dem Bündel auf dem Rücken, um den verfluchten Bauern zuzutragen, was ihnen noth thut, und sie wissen mir deß nicht mal Dank. In die Wälder ging ich und führte ein lustig Leben.«

»Ist das so lustig?«

»Was? das nicht lustig? Auf grünem Rasen liegen unterm Buchenbaum, der Dir Schatten giebt, als lange es schwül ist? Vollauf hast Du alles, Wildpret das schießt Du Dir selbst, und die Bauern tragen Dir zu, was Du sonst brauchst. Kein Förster und Hegereiter tritt Dir in den Weg, die hüten sich wohl, und wenn Du anklopfst, bist Du willkommen. Da wird auf den Tisch geschlagen: Angeschleppt, Wirth! Da laufen Knechte und Mägde; aus Keller und Speisekammer wird geschafft, und wenn Du Dich sattgetrunken und gegessen, legen sie Dich in ihr bestes Bett in die Kammer und wachen für Dich. Und Morgens noch ein gut Frühstück. Deine Mähre wird Dir wohlgefüttert vor die Thür gebracht; sie heben Dich in den Sattel, so Dus magst, und fragst Du nach der Zeche, lachen sie Dir ins Gesicht. Sage Dir, kein Junker und kein Graf wird so bedient. Für die freien Männer hat kein Wirth keine Kreide nicht. Und warnen Dich, wo der Weg nicht sicher ist. Einen Pfaffen und Ritter den lassen sie ziehen, und lachen sich ins Fäustchen, wo sie wissen, daß einer ihm auflauert.«

»S ist nur nicht immer Sommer,« sagte Heinrich.

»Was! Du jung, frisch Blut, friert Dich schon! Dafür ist auch gesorgt. Wenn der Wald kahl wird, die Ziegel von den Dächern fallen nicht ab vom Herbstwind. Städte giebts die Menge, die Euch gern aufnehmen im Winter. Da wird geschmaust und gepraßt und getanzt und gewürfelt. Rathmannen drücken nicht ein Auge, beide Augen drücken sie zu. Wären ja Esel. Was bringts den Städten Nahrung! Da kommen die Handelsleute von nah und fern, da spielen die Pfeifer und Geiger auf, da bauen die Gaukler ihre Buden, und manch schmuckes Bürgermädel, glaubts nur, die dreht sich recht gern am Arm von solchem Gesellen, dem die Taschen vom Gelde klimpern und hat Silber an seinem Wams. Fragt nicht erst: wo bist Du her und wer sind Deine Eltern?«

Heinrich seufzte.

»Fürchtest Dich davor, Bursch? – Hörtest Du nicht von Soltwedel in der Altmark, wo der Oberste von den Stellmeisern sein warm Nest hat? Nennen ihn drum den Teufel von Soltwedel. Ja, gegen die Bürger ist er kein Teufel. Da darf nicht eingebrochen werden. Nicht ne Stecknadel rühren sie an. Die Bürger können bei offnen Thüren schlafen, als lang der Teufel in der Mauer liegt. Da haben die Rathmannen ihm ein eigen Haus übermacht, das hat Burgfreiheit; darf kein Büttel hinein, und drinnen schmausen und prassen die von der Bande mit Federn auf dem Hut, als Junker und Grafen. Hat die Stadt großen Vortheil von den Stellmeisern.«

»Ist doch verwunderlich, wies in der Welt zugeht,« sprach Heinrich.

»Ist gar nicht verwunderlich. Ist nur das verwunderlich, daß nicht noch mehr Leute in die Wälder gehn. Mit der Gerechtigkeit ists aus, das siehst Du doch ein, Heinrich? Wo kriegt ein Bauer Recht? Ein Landesherr ist nicht da, und ist er da, hat er anders zu thun. Die Hauptleute, die er gesetzt, die sind froh, daß man ihnen nicht auf den Kopf schlägt. In den Städten haben sie Schöppenstühle; ja, da sprechen sie Recht. Für wen? Für sich selber. Soll mal ein Fremder kommen und Gerechtigkeit fordern. Siehst Du, ists da nicht in der Art, daß, wer kann, sich selbst Recht schafft? Die Rittersleute lagen ehedem auch nicht an der Straße, als die alten Fürsten im Land waren und drauf sahen, daß Jeder seines hatte. Die Städte lassen ihnen ja nichts; nun sind sie arm worden, und Jeder sucht sich und schafft sich, wo er was findet. Ach, es sind viele in den Wäldern, die sind guter Leute Kind. Die Stellmeiser halten auf Ordnung, die haben Gerichte unter sich und gute Brüderschaft. Wer Einem von ihnen nur den Finger krümmt, der hats mit Allen zu thun. Wärst Du da, Heinrich, Du fändest ein Gericht. Wo hast Du zuletzt geklagt?«

»Red mir nicht davon!« sprach verdrießlich der Geselle.

»Du thust mir leid«, sagte Jener wieder. »Was kannst Du dafür, daß Du nicht weißt, wer Dein Vater war.«

»Halt Dein Maul!« rief der Bursch.

»Was hilft Dir das, so ich schweige! Weisen drum die Andern nicht mit Fingern auf Dich?«

»Wer mit den Fingern auf mich weist, den –«

»Bläust Du mit der vollen Hand aus, und Deine Hand ist schwer. Aber machst Du damit, daß sie hinterm Rücken nicht doch thun, und kichern und sich ins Ohr sprechen, ich will nicht sagen was? Es ist schlecht von ihnen, doppelt schlecht, dreimal schlecht. Denn was kannst Du dafür, daß die Litthauer die Kirche verbrannten und die Scripturen, und dem Pfaffen die Hirnschale einschlugen, daß er nit sagen kann, und Niemand weiß es, ob Du einen ehrlichen Vater hast. Wäre nur was von Gerechtigkeit bei den Menschen, Deine Mutter war doch kein schlechtes Weib, und die drei Hufen sie müßten doch Dein sein. Du bist ja von Gott ihr Erbe.«

»Die Hufen wollte ich ihnen schenken –«

»Man muß den Leuten nichts schenken.«

»Wenn sie mich nur zuließen zum Gewerk.«

»Aus drei Städten wiesen sie Dich raus, die Meister. Sanct Peter und Paul! Und Du bist doch geboren, was bracht Einer das zu beweisen. Sieh Dich für. Sie nahmen Dich hier an, weil es auf dem Lande ist. Der Teufel, wer wird solchen Kerl von der Schmiede weisen! Aber gieb Achtung, sie sprechen Dich auch hier nicht los. Arbeiten sollst Du für sie als ein Ochs, aber den Lohn! Kenne das flämische Volk. Bilden sich wunder was ein, daß ihren Vätern mal das Wasser dadrüben, weiß nit wo, ihr Land fortspülte, und die alten Markgrafen gaben ihnen dafür von unserm. Sind zäh wie Leder und zornig und stolz. Mach daß Du von ihnen los kommst. Ein Gesell wie Du, der Waffen schmieden kann, den braucht man allerwegen. Da im Walde sind ihrer, die brauchen bald Spieße und Morgensterne.«

»Wozu?«

»S wird nun losgehen.«

»Was?«

»Nu was denn! Die Geschichte. Der alte Markgraf ist da. Er lebt, lebt als wie Du und ich. Er selbst, leibhaftig. Ist kein Mährlein.«

»Der Markgraf Woldemar. Im Walde – bei den Freien.«

»Von Stund ab, wo er starb, hat er sich versteckt in der Haide.«

»Unter den Räubern, Niclas?«

»Ei, er ist nicht unter, ist über den Räubern. Ward ein mächtiger Herr dort ganz im Geheim, und warb seine Leute, auf die er trauen kann, und nun heißts, wird er die Kappe abthun und sich zeigen, und losbrechen auf die Ungerechten und Schurken. Da wird Mancher, der itzt stolz ist, blaß werden, Mancher der voll ist, wird das unrecht Gut, das er verschluckt, ausspeien. Was zu unterst ist, zu oberst kommt es – ja, Heinrich, so ists.«

»Und wenn der große Herr lebt, was konnt er so lange das Wesen ruhig mit ansehen?«

»Erst wenns zum ärgsten geht, schlägt der Herr Gott mit seiner Zuchtruthe drein, sagt der Pfaff. Sie meinen auch, er hätte ein Gelübde gethan, dreißig Jahre wolle er die Hände in den Schooß legen und zuschauen dem bösen Dinge.«

»S ist doch schier unglaublich.«

»Was die Stellmeiser für Glück gehabt. S wär auch unglaublich, so nicht ein großer Herr bei ihnen war. Das wußten aber viele kluge Leute schon lange, so ihn schon Keiner mit Augen sah. Denn bald war er hier, bald dort, heißt bald so, bald so, kommt hier mit einer Kapuz, dort im Jägerrock, dort wie ein Ritter mit Elendskoller und Harnisch zum Vorschein, und wenns gethan ist, da ist er verschwunden. Das hat der Sache erst ein groß schreckhaft Ansehen geben. Sagen auch Einige, der Teufel von Soltwedel, das sei der Markgraf. Wer hat dem ins Auge geschaut? In Soltwedel reitet er nur bei Nachts ein, und wenn er die Rathmannen verläßt, ists im Zwielicht und brennt nur eine Fackel in der großen Halle. Da beschreib Einer wie er aussieht und kenne ihn wieder. Auch soll er einen falschen Bart tragen und eine Nas von Pergament. Also daß Einige meinen, er sei nicht immer dieselbige Person, und so er gestorben, käme ein Anderer dafür. Das mag man nun halten als man will.«

Der Schmiedegesell schaute vor sich zu Boden, der Mund stand ihm fast offen: wunderbare Gedanken gingen in ihm um. Aber er stand nicht lange so. Es war wieder lebendig worden im Dorfe. Ein derber Faustschlag auf die Schulter weckte ihn, und ein zorniger Fluch seines Herrn rief ihm in Sinn, daß er nicht im grünen Walde war, unter den Freien, und der große edle Markgraf hielt dort unter der Eiche.

Aus dem Forste war eine Reiterin ins Dorf gesprengt, auf einem edlen, schönen Roß; und edel und schön sah auch das Fräulein aus. Eine Kappe mit Federn auf ihrem blonden Lockenkopf, und ein reiches, grünes Jagdkleid wallte um ihre Glieder. Aber sie war allein und das Roß keuchte und hinkte. In ihrem blauen Auge war etwas von Angst, das doch nachließ, als sie die Hütten umher ansah, die sie kennen mußte, und die Leute, die sich ehrfurchtsvoll und verwundert um sie drängten. Da heiterte sich die bange Miene auf, sie fuhr mit der schneeweißen Hand über die glühende Stirn und schaute mit Hoheit um sich. Die Leute warteten stumm und scheu, was die edle Reiterin gebieten würde. Sie war von der Jagd abgekommen und mehre Stunden schon im Walde geirrt, ohne die Richte zu finden oder auf Menschenwohnungen zu stoßen. Als sie die Dächer vom Dorf anschaute, hatte ihr Herz auch gepocht, bis sie hinein ritt. Wer, der allein ist, reitet gern in ein abgelegen Dorf, das er nicht kennt, und zumal ein edel und junges Frauenzimmer.

Der Schulze sah, was dem Thier fehlte und sein Fuß war blutig. »Sanct Martin! Gnädig Fräulein«, sprach er, »Eurem Thier hängt das Eisen vom Huf los. Da sei Gott für, daß Ihr weiter reitet, bis dem geholfen. Das Roß würde scheu im Steinweg und schleudert Euch ab.«

Sie sah es und dankte Gott, daß er sie unter gute Leute geführt, und wo eine Schmiede war, daß das Eisen wieder fest gemacht würde. Um deswillen war der Schulze zu Heinrich getreten und hatte ihm so derb auf die Schulter geschlagen, als gelte es einen letzten Schlag auf glühend Eisen, da man es vom Ambos nehmen will.

»Tagedieb! Frißt Er mein Brod, um mit Gesindel zu schwatzen? Da ist die Schmiede, und da die Arbeit!«

Heinrich, der wußte noch kaum, was er that, da er den Fuß des Rosses doch schon aufhub und den Hammer hielt, um das Eisen fest zu schlagen. Träumte von dem Fürsten unter den Räubern; die sah er vor sich, oder ich weiß nicht was. »Heinrich, Du siehst nicht vor Dich!« zischelte ihm Einer zu, es war ihm von seinem krausen Haar ein Streif übers Aug gefallen. Nun wischte ers zurück mit dem Arm und schaute auf. Da stand das Fräulein vor ihm und schaute ihn auch an.

Was wars weiter! Sie wollte sehen, daß er ihr Thier nicht schädigte, und das Roß war ihr lieb. Aber es war ein Blick dem Gesellen, als wenn der große Fürst, von dem er träumte, ihm in die tiefste Brust schaute, und da schaute er etwas, was Heinrich keinem Menschen vertrauen wollte, vielleicht was er selbst nicht wußte. Das Herz schlug ihm wunderbar, es trieb das heiße Blut ins Gesicht und vorm Auge flimmerte ihm.

»Du schlägst das Pferd und nicht das Eisen«, sprach sie, und sie schaute fast so verwundert auf ihn, als er auf sie. Ja er schlug, der thörichte Geselle, und sah nicht wohin. Da riß das Thier, das sein Hammer verwundet, sich los aus seinem Arm, bäumte sich vor Schmerz und fuhr durch die Leute, die deß nicht gewärtig waren. Das Fräulein sah den Burschen halb zornig, halb wars wie Mitleid, an. Seine Hand blutete, und er schaute leichenblaß, und so stand er, als wäre er von Stein.

Zum Glück, daß flinke Bursche zur Hand waren, die fingen das wilde Thier ein und brachten es zum Meister. Der riß dem Gesellen mit einem Blick, der viel Schlimmes sagte, den Hammer aus der Hand und thats für ihn. Mit ein paar Schlägen wars gethan, der Schulz war ein geschickter Mann.

Das Fräulein saß wieder im Sattel. Die Leute stellten ihr vor, daß der Weg weit sei, und vor Nacht käme sie nicht zum Schloß, und der Wald wäre unsicher. Sie achtete es nicht was so geringe Leute ihr sagten, und wollte auch von ihnen keinen Geleit annehmen, nickte nur mit dem Kopfe und gab dem Thiere einen Schlag.

Da sprachen die alten Weiber: »Die reitet in ihr Unglück. So die Räuber sie fassen.« Ein Bauer aber sprach: »An uns hats die Herrschaft nicht verdient. Laß sies ausmachen, als sie Lust hat. Und geschehe ihnen Recht. Ist ein hochmüthig Geschlecht, und sie haben kein Herz für uns.«

Heinrich hörte das, und es ging ihm Alles rund um, als einem Trunkenen. Da, als sie noch nicht am Ende des Dorfes war, lenkte die Reiterin zurück. Hatte sie sich anders besonnen, oder wollte den Leuten danken? Sie sprach, sie sollten ihr einen Trunk Wassers reichen. Liefen vier und fünf zugleich nach dem Brunnen mit was Gefäße ihnen zur Hand waren. Und Heinrich auch. Und ob nun schon Andere fast früher da waren, sie nahm seinen Becher. Daran klebte Blut von seiner Hand und ihre weiße ward auch roth davon; sie achtete es aber nicht, vielmehr trank sie den Becher bis auf den Grund und reichte ihn ihm dann zurück. Als sei er selbst sehr durstig gewesen, nicht sie, und er habe den Trunk geleert, so kühl und muthig war ihm da zu Sinne, wie sie mit gar freundlichem Blick ihm zunickte und sprach: »Trag Sorge um Deine Hand, Gesell, Du hast Dich geschädigt.«

Weiter hörte er nichts ob sie noch was sprach und sah auch nichts. Er stand noch so, als sie schon fortgeritten, und der Schulze stand jetzt vor ihm, mit kirschbraunem Gesicht, und die Augen traten ihm heraus und die Zähne aus dem Munde.

»Du Taugenichts, das sollst Du mir büßen!« sprach er und hob einen Knüttel, der war armesdick. »Hab ich Dich darum aus Mitleid aufnommen und gab Dir zu essen aus Barmherzigkeit, daß Du schwätzest, und wo Du sollst Deinem Meister Ehre bringen, hantierst Du als ein Füllen, das man in den Pflug spannt!«

»Meister!« rief Heinrich, als der Knüttel ihm überm Kopfe schwebte, »Meister, thuts nit, bei Gott, thuts nit, oder Einer sieht nit lebendig aus von uns Zweien!«

Die Leute kannten ihn, der Schulze auch. Der Bursch hatte einen Reitersmann niedergeschlagen, einen Kopf war er größer als er und stak in Eisen, Brust und Schulter, und Heinrich hatte keine Waffe als seine Arme. Der Reitersmann hatte ihn beim Trunk geschimpft, und so zornroth und fürchterlich als damals schaute er heut.

»Schlagen will ich Dich nit. Ist meine Hand zu gut für Einen, der von der Bank fiel.«

»Meister!« der Bursche zitterte und die Zähne klappten ihm, »Meister! Ihr sollt mir das nicht sagen. Ich bin nicht hörig, Niemandem, bin frei und gut; mich darf Niemand schelten, mich!«

»Dich nicht schelten! Ich schelte Dich! daß Dus weißt. Aus Gnade und Barmherzigkeit nahm ich Dich auf. Nun will ich Dich nit mehr aus Gerechtigkeit. Nit hörig willst Du sein? Du bist hörig Jedem, der sagen kann, wer sein Vater ist, und Du weißt Keinen. Und daß Dus weißt, der Hammer soll verflucht sein, den Du in meiner Schmiede rührst, den Ambos will ich in Stücke schlagen, auf den Du pochst, das Eisen, das Du glühst, will ich Dir an den Kopf werfen. Du schlechter Bursch, Dich spricht keiner ehrlicher Eltern Kind los, der Du Deinem Meister, sos nit um Dich verdient, hast Verdruß gemacht, zwiefachen, denn es kommt über ihn und die Dorfschaft, daß Du es warst mit Deiner unehrlichen Hand, so der gnädigen Gräfin den Becher reichtest. Das ist Schimpf über uns Alle. Schlagen will ich Dich nit; aber geh Deiner Wege. Fort aus dem Dorfe, ehe die Sonne zur Rüste geht, oder ich lasse Dich fahen und werfen. Fort, pack Dein Bündel, lauf auf die Straßen und such Dir beim Bettelvoigt, wo Deinesgleichen sind. Hier sind gute Leute und ihre Eltern stehen im Kirchenbuch.«

Da wandte ihm der Schulze den Rücken. Von den Weibsen hatte manche gefürchtet, der Geselle werde auf ihn losfahren. Aber er blieb ruhig stehen, er sah und hörte nicht mehr, was um ihn vorging. Ein böser Rabe krächzte ihm ins Ohr: »Deines Weilens ist nicht länger hier. Nimm guten Rath an und geh bei Zeiten. Du weißt wohin.« Der Hausirer schlich sich in einen Hof, sein Hund hinter ihm, und ließ sich heut nicht mehr sehen.

< Fünftes Kapitel.
Siebentes Kapitel. >



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