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Willibald Alexis

Walladmor

Zweites Kapitel.

eingestellt: 7.8.2007



Je näher beide Wanderer dem Gebirge kamen, um so dunkler wurde der Weg von dem Schatten desselben. Indessen bemerkte Bertram, daß er sich keinem bessern Führer hätte anvertrauen können: denn ungeachtet ihres Wahnsinnes, und obgleich sie nichts weniger als auf den Weg zu achten, sondern mit tiefern Gedanken beschäftigt schien, führte sie ihn durch das weite und zum Theil sehr tiefe Moor, ohne daß er auch nur einzig Mal mit dem Fuße untergesunken wäre. An eine freundliche Unterhaltung, welche bei nächtlichen Wanderungen allen Standesunterschied ausgleicht, und dem verspäteten Wanderer oft sehr angenehm kommt – wenn auch sein Führer der roheste Sackträger wäre – war indessen hier nicht zu denken. Die Alte sprang zuweilen, wie ein Läufer in alter Zeit mag gesprungen sein, und schlich dann auf Momente, grade wie der Sturm der Phantasie und der Gedanken sie mehr oder minder stark bewegen mochte. Mitunter sang sie auch ein Liedchen, meist aber in der unverständlichen Sprache, welche Bertrams Neugier einst erregt hatte, und die keine andere als die Wälische sein konnte.

Das Moor war längst überschritten, als ihr Weg hügelauf, hügelab, ein Zeichen des Gebirgsanfanges, ging. Als die Höhen immer bedeutender wurden, ward auch der Weg beschwerlicher, und führte oft längs kleinen Gebirgsbächen, die durch harte Felsen eine Bahn sich gebrochen hatten, oft in denselben fort. Wenn auch laublos, so verbarg doch das dichte Strauchwerk selbst den letzten Tagesschimmer; und Bertram glaubte mehr als einmal seine Führerin, welche sich ganz und gar nicht um ihn bekümmerte, ja vergessen zu haben schien, daß er ihr folge, und mit ihr zugleich den Weg verloren zu haben. Indessen gewannen sie bald, nach einigem anstrengenden Steigen, eine höhere Gebirgsfläche; Bertram bemerkte aber zu seinem Schrecken, daß auch hier die Dunkelheit schon weit vorgeschritten sei, und es ihm – ohne die zufällig aufgefundene Wahnsinnige – würde unmöglich gewesen sein, nach dem Orte seiner Bestimmung zu gelangen. Zwar glaubte er in weiter Entfernung zwischen einer Spalte im Rücken des Gebirgszuges eine hohe einzelne Warte zu bemerken; wer hätte ihm aber in dieser Einsamkeit Auskunft gegeben, ob dies das zerstörte Kloster, oder irgend eine andere Ruine sei; und in einem solchen Gebirge in der Nacht sich zurecht zu finden, gehört, geneigter Leser, wenn Du nicht selbst Aehnliches erfahren hast, zu den unmöglichen Dingen. Bertram, um sich für den Fall, daß er die Alte aus den Augen verlieren sollte, wenigstens über die zu ergreifende Richtung zu vergewissern, wagte es sie zu fragen, ob der vorragende Thurm zu Griffith ap Gauvon gehöre? statt einer Antwort wandte sie sich nur wie erzürnt nach ihm um, hob die dürre Hand in die Höhe und rief mit dumpfer Stimme:

Schweig!

In der That fand er auch bald Beweise, daß in dieser Gegend die Vorschrift des allgemeinen Schweigens strenger vielleicht als in Klöstern, wo sie Ordensregel ist, beobachtet wurde: denn aus dem Dunkel der nächsten Umgegend traten ihnen bald einige Gestalten, wie aus der Erde entwachsen, entgegen. Erst als sie dicht vor ihm standen, erkannte er, daß es Weiber waren, welche große Lasten auf ihrem gebeugten Rücken trugen, und mit kurzen und starken Stäben sich und jene zugleich bei dem beschwerlichen Gange stützten. Ohne ein Wort des Grußes zu sprechen, oder auch nur ein Zeichen der Bekanntschaft, Freude oder Verwunderung von sich zu geben, humpelten sie vorüber; als aber die Eine einen Augenblick, von der Last zu sehr erschöpft, stille stand, um ausruhend frischen Athem zu schöpfen, und dabei hustete, glaubte Bertram das Krächzen einer der widrigen alten Frauen zu vernehmen, welche vor einigen Stunden ihre empörenden, und doch bemitleidenswerthen, Gespräche am Galgen geführt hatten. Indessen blieb ihm nicht Zeit, nähere Erkundigung sich darüber einzuziehen, denn die Alte setzte ihren Wanderstab nach der fast ganz entgegengesetzten Richtung, als in welcher Bertram ging, weiter fort, und es wäre so thörig als mißlich gewesen, dem häßlichen Wesen nicht nachzugehen. Welcher Schrecken aber traf ihn, als er seine Führerin nicht mehr erblickte. Während des momentanen Umblickens nach den Lastfrauen war sie ihm verschwunden. Seinen Verlust einzuholen, strengte er die Kräfte an, stürzte aber beim Springen über einen dürren, auf der Haide quer über seinem Fußweg liegenden, Baum, und mußte, nachdem er sich mühsam aufgerafft hatte, die Hoffnung fahren lassen, die Alte, in den Busch- und Felspartieen mit mannigfaltigen Kreuzwegen, und zwar im nachtähnlichen Abende aufzufinden. Nur noch einmal, ehe er das verschlungnere Dickicht und tiefere Hohlwege betrat, blickte er sich nach allen Seiten in der Runde um, entweder noch auf Menschen zu stoßen, welche ihm mit Rath an die Hand gehen möchten, oder durch Auffassung bestimmter charakteristischer Punkte sich Merkmale zu verschaffen, unter deren Vermittelung er sich im Dunkel orientiren könne. Zwar sah er einige Lastträger, – ob es Weiber oder Männer waren, ließ ihn die Entfernung nicht erkennen – auf einer felsigen Höhe fortschreiten; theils war aber ihr Weg von dem seinigen zu entfernt, als daß seine Stimme bis dahin reichen konnte, theils fürchtete er sie hier laut werden zu lassen; und selbst zu den Gestalten hinzuspringen, erlaubte ihm das Terrain nicht, wahrscheinlich würde er sie auch nach Ueberwindung dieser Schwierigkeit nicht mehr angetroffen haben. Dagegen sah er jetzt schärfer und deutlicher als zuvor den hohen, runden Thurm vor sich aus den umgebenden Gebirgsmassen hervorragen. Während er, ihn eine Weile betrachtend, dastand, brach der Mond an einer Stelle durch die dichte Umhüllung des Horizontes, und sein Strahl fiel grade auf die Spitze des Thurmes. Die innere Stimme oder der Instinkt sagte ihm, dies müsse Griffith ap Gauvon sein, und beherzt setzte er seinen Wanderstab in das Dunkel hinein.

Dennoch gestand er sich den Wunsch, der seltsamen Einladung nicht gefolgt zu sein. Er dachte bei sich, ließ aber die Worte nicht laut werden: Kann ich mich über ein Unglück mit Recht beklagen, was mir auf dieser nächtlichen Irrfahrt zustößt? – Ohne allen Grund, als den Kitzel der Neugier, setze ich mich der Gefahr aus, in die Hände sehr verdächtiger Menschen zu fallen. – Doch – weshalb sollte jener Mensch es grade auf mich abgesehen haben, da ich schon ein Mal in seiner Gewalt war, und er keine Schätze bei mir erwarten darf? – Ueberdies spricht in mir etwas zu seinen Gunsten; und endlich muß man gute Mienen zu bösem Spiele machen und muthig vorwärtsschreiten, wo der Rückweg abgeschnitten ist, und es keine Seitenauswege giebt. –

Der Thurm verschwand oft aus dem Gesicht im Dunkel des Dickichts und hinter den großen Felsvorbauten, erschien ihm aber auch oft plötzlich und desto wunderbarer wieder. Bertram glaubte, nach mühsamem Steigen über Stock und Block, nach Klettern auf jähe Höhen und lebensgefährlichen Sprüngen, nahe dem Ziele zu sein, als der Mond verschwand und mit ihm der Thurm. Der hohe Rücken des Snowdon schien ihn von allen Seiten zu umgeben, so daß das Gebäude sich nicht mehr durch den Abstand gegen die freie Luft präsentiren konnte, und vor einem eben so dunklen Hintergrunde stehend, seinen Augen verborgen blieb. Dagegen glaubte er zur Rechten und Linken altes Gemäuer zu erblicken, und fühlte auch bald unter seinen Füßen quadrirte Steine und zerbrochene Mauerziegel; dennoch mußte er sich noch immer nach allen Seiten zu durch verworrenes Gesträuch mühsam hindurch arbeiten, ohne auch nur die Spur eines Weges zu entdecken. Endlich, nachdem er durch mehrere ausgetrocknete Gräben sich hindurch gearbeitet hatte, verbot eine steil vor ihm aufsteigende Wand den weitern Weg. Er tappte an derselben entlang, und entdeckte zwar zu seiner Freude, daß es nur die äußere Mauer einer Gothischen Kirche sein könne, sonst aber nichts von menschlicher Spur. Er legte sich aufs Horchen, fand aber auch hier keine Ausbeute. Erst nachdem er, der Kälte ungeachtet, sich nieder und sein Ohr dicht auf die Erde gelegt hatte, glaubte er unter sich ein dumpfes Geräusch zu hören. Noch einmal sprang er auf, und schlich die ganze Mauerseite entlang, ohne auf etwas anderes als zwei an den beiden Enden vorspringende Thürme zu stoßen. Da er jedoch an dieser Seite, ohne der Gefahr zu erfrieren sich auszusetzen, nicht bleiben konnte, und in dem einen Thürmchen eine die Wand desselben von oben bis unten spaltende Ritze bemerkte, so versuchte er, sich durch dieselbe hindurch zu pressen. Nach einiger Anstrengung gelang dies, und er befand sich im innern Raume des runden Thurmes, dessen Boden aber ganz und gar mit wildem Gestrüpp bewachsen war. Zu seiner Verwunderung und Freude drang aber ein matter Lichtstrahl von unten durch das entlaubte Gestrüpp. Nachdem Bertram festen Fuß im Innern gewonnen, versuchte er das Gestrüpp fortzubiegen, und entdeckte bald, daß der Lichtschein zwar von unten, aber nicht aus dem Fußboden, sondern aus einer Seitenöffnung hervorbrach. Er bückte sich hinab, und nachdem er einige Spinneweben und verfaultes Holz fortgenommen, sah er, daß diese Oeffnung als Fenster dereinst einem unterirdischen großen Gewölbe gedient haben müsse. Ein ungewisser Lichtschein erhellte die weit ausgedehnte Halle, und als der Beobachter den Kopf tiefer in die Oeffnung gesteckt hatte, konnte er auch das auf dem Boden angezündete Feuer bemerken, von welchem dieses Licht ausging. Doch blieb die Beleuchtung noch immer ungewiß, und bei der Entfernung von seinem Standpunkte bis zum Boden der Halle – die Fensteröffnung ging schießschartenartig durch eine sehr dicke Mauer – war es ihm unmöglich, sowohl die innere Einrichtung des unterirdischen Gewölbes zu erforschen, als auch die darin umherwandelnden Gestalten zu erkennen. Nur an der jenseitigen Wand sah er Schatten um Schatten vorüberstreifen, hörte dann Kisten und Tonnen ausladen und rollen, ohne daß dabei gesprochen worden wäre. Vermuthlich wurden jene Behälter fortgeschafft, denn allmälig hörte das Geräusch auf, und weniger Schatten erschienen und drängten sich an der andern Wand.

Endlich tönten einzelne Fragmente eines Gespräches zu ihm herauf, welches von zwei unsichtbaren Personen, die vermuthlich dicht unter seinem Lauschfenster saßen, geführt wurde. Sie schienen aber auch für sich betrachtet nur mit gedämpfter Stimme zu sprechen:

Der Kapwein ist feurig!

Es macht, weil wir lange keinen tranken, – sagte der Zweite.

Es schien ordentlich öde und wüste hier, so lange Niklas fort war, und jetzt, als ob der einzige Mensch Handel und Wandel schaffen könnte, kommt mit einem Mal ne so reiche Ladung und so viel Gewinnst, als ich mein Lebtag nicht erfahren.

Das macht sein Genie. Aber weißt Du, es gefällt mir was nicht! –

Was denn?

Daß es duckmäuserig zugeht. – Sonst gabs ein anderes Leben nach solchem Streiche. Ein Paar Tonnen mußten die Minheers dran spendiren, und dann wurde hier in der alten Kirche solcher Jubel und solche Lust aufgestellt, daß die Leichen sich hätten umdrehen mögen.

Das geht jetzt nicht, seit die Minister ihre Spürhunde überall haben. Wir könnten nicht einmal hier sicher sein, wollten wir uns lustig machen. Daher bin ich immer fürs Ehrbare.

Meinst Du, daß Niklas sich fürchtet vor den Spürhunden? Niklas hats Fürchten verlernt, wenn ers ja gekannt hat. Aber er ist schwermüthig jetzt, und deshalb duldet ers nicht –

Still doch, er kommt – sagte der Andere. Ein Windstoß heulte aber jetzt durch die Fensteröffnungen der Gewölbe, welcher alle Töne in sich aufnahm und den Lauscher wenig oder nichts verstehen ließ. Begierig, den Gegenstand des Gespräches der beiden Männer zu sehn, um zu entdecken, ob es sein Bekannter sei, legte er sich der Länge lang nieder und kroch nur mit dem obern Theile des Körpers, so weit es anging, in die Fensterröhre. In dieser peinlichen Stellung gelang es ihm auch wirklich, die ganze Halle zu übersehen; und er erstaunte nicht wenig, statt eines geräumigen Kellers das Innere einer, freilich zerstörten, Gothischen Kirche zu erblicken, welche – wie wir dies zuweilen finden – unter der Erde und unter dem Boden des Schiffes der sichtbaren Kirche erbaut war. Das tonnenrunde Bogengewölbe, noch ziemlich erhalten, wurde von mehreren starken Pfeilern getragen, und Blenden zeigten rings an den Wänden, daß auch die Kunst der Vorzeit einst diesen heiligen Ort geziert hatte. Jetzt war freilich nichts von Geräth im ganzen Raume mehr zu erblicken, dagegen konnte man sich wundern, auch auf der andern Seite nichts von Schutt, Mauersteinen und andern Kennzeichen der Verwüstung zu erblicken. Das Licht mochte diese unterirdische Kirche zu den Zeiten ihrer Weihe – wenn wirklich am Tage und ohne Kerzenschein darin Gottesdienst gehalten wurde, – durch die am obern Seitengewölbe befindlichen Fensteröffnungen, deren eine unser Held jetzt als Loge zu seinen Beobachtungen gebrauchte, erhalten haben. Gegenwärtig wurde sie nur durch ein auf dem steinernen Quaderboden angezündetes Feuer erhellt. Zwei in Mäntel gehüllte Männer, vermutlich die Gesprächführer, saßen und wärmten sich an demselben. Zu ihnen trat jetzt ein Dritter, gleichfalls in einen Mantel gehüllt, und mit einem runden großen Hute bedeckt. Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sich am Feuer nieder, und stützte den Kopf mit den Händen, indem er die Arme auf den Knieen ruhen ließ. Die andern beiden schienen eine gewisse Ehrfurcht ihm zu bezeugen, ohne deshalb den Gesetzen der conventionellen Höflichkeit zu folgen, denn sie redeten von nun an nur sehr leise miteinander, zogen aber weder die Hüte vor dem Neuhinzugetretenen ab, noch rückten sie, um ihm Platz zu machen, zusammen. Bertram glaubte einen tiefen Seufzer aus der Brust des letztern aufsteigen zu hören; Alles aber blieb eine Weile still. Endlich fragte der Dritte, indem er die eine Hand sinken ließ, mit einer klanglosen Stimme, welche seine anderweitige Gemüthsbewegung verrieth:

Ist die alte Gillie noch nicht gekommen?

Die aus Anglesea? – fragte der Eine.

Es ist ja nur die Eine aus Gallozven aus der Insel.

Ja sie ist da.

Und Du sagst es mir nicht?

Ich habe sie draußen in die Sakristei abgesperrt.

Bist Du toll?

Niklas, ich habe Dirs schon immer gesagt, – aber Du willst nicht drauf hören, – sie meints nicht aufrichtig mit Dir, sie bringt Dich ins Unglück.

Mensch – wenn Du es aufrichtig meinst, wie ichs nicht anders von Dir glaube – denkst Du, ich soll mich fürchten vor einem alten tollen Weibe? Ich möchte denken, meine Feinde würden mehr Achtung vor mir haben, als meine Freunde.

Niklas, Du brauchst sie auch nicht zu fürchten, wenn Du ihr nur nicht willst Dinge anvertrauen, die Dich in ihre Gewalt geben.

Ich muß Euch sagen, daß, wenn mir s auch selbst mitunter so ist, als hätte sie ein Judasgesicht, sie doch in andern Augenblicken mir wie meine Mutter scheint. Wer keine Mutter gekannt hat, und von keinem Vater gewußt, der muß wohl zufrieden sein, wenn er auch nur ein verwandtes Gesicht findet. Ueberdies ist sie mir nothwendig – und ich will sie sehn.

Niklas will uns verlassen – sagte der Andere – und will ein honetter Mensch werden. Gieb uns an, Niklas, so bekommst Du einen Schilling obenein.

Hättest Du mir so etwas vor Jahren gesagt – ich wäre im Stande gewesen, Dir mit dem Fänger ein Liebesmal über die Stirne zu zeichnen; jetzt vertrage ich Schmähungen.

Niklas, – Du gestehst es selbst – Du willst uns verlassen. –

Thoren – bin ich denn an Euch gefesselt? habe ich mich mit Euch verschworen? – Mit Euch habe ich nichts gemein, als Theilung von Gefahr und Vortheil, – weiter nichts, und daß wir uns beispringen, wenn ein betrunkner Constabler den Einen am Kragen gefaßt hat. – Ja in London wars anders, da standen wir fest verbunden, Mann für Mann, ohne Schwur; die aber leben nicht mehr, und ich bin frei.

Und glaubst Du, Niklas, sie werden Dir einen aparten Galgen bauen, wenn Du unser profitables Gewerbe aufgiebst?

Schnell verjähren bei uns politische Verbrechen, wenn ein Sündenbock geschlachtet ist. – aber Gott – sollen wir, gleich alten Weibern, klatschen – ich will die alte Gillie sehn.

Der Andere sprang auf und kam bald mit Bertrams Führerin zurück. Sie sang ein Lied, ohne auf die Anwesenden zu achten, bis Niklas sie mit strengem Tone fragte:

Schweig still Hexe! Wo kommst Du her?

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